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70 Jahre SVZ: Die Mitarbeiter Diese 10 Reporter und Zeitungszusteller flitzen für Sie herum

Von Anja Bölck | 01.07.2022, 07:23 Uhr

Vom jungen Reporter bis zum „alten Hasen“. Die einen füllen die SVZ, die anderen bringen sie zum Briefkasten. Zehn unserer Mitarbeiter erzählen, was sie an ihrem Job lieben.

Andreas Lang, Zeitungszusteller in Gadebusch: 

Es gab eine Zeit, da lief es nicht so gut für Andreas Lang. Der Bau- und Betonmaler hatte keinen Job. Bekam Hartz IV, schrieb eine Bewerbung nach der anderen. Eines Tages saß er beim Bäcker in Gadebusch. Da erzählte ihm die Schwester einer Freundin von ihrem Job als Zustellerin. Willst du nicht auch?, fragte sie ihn. „Natürlich“, hat er geantwortet. 2016 legte er los.

„Die erste Zeit war die Umstellung echt schwierig“, erinnert er sich. „Um 3 Uhr morgens aufzustehen war hart, wo ich doch vorher ausschlafen konnte.“ Insgesamt 589 Haushalte steuert Andreas Lang mit seinem Lastenfahrrad an. Seit zwei Jahren per E-Bike. „Das möchte ich nicht mehr missen“, sagt der Gadebuscher, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert.

Andreas Lang fährt die SVZ aus, Briefe und den Express. Morgens im Flur sortiert er schon mal vor. Ist viel da, muss er mehrere Touren fahren. Gießt es draußen, lässt er die Briefe lieber erst mal da, damit sie nicht nass werden. An Wind und Wetter hat er sich gewöhnt. Nützt ja nichts. Im Winter muss er das Rad oft schieben, denn um die Uhrzeit sind seine Wege bei Glatteis meistens noch nicht gestreut

Silke Roß, Reporterin in Hagenow:

Frau Püttelkow aus Hagenow will alles wissen. Das tut Silke Roß auch, allerdings beruflich. Als Reporterin ist sie in Hagenow und ein gutes Stück drumherum für die SVZ unterwegs. Und das mit einer bewundernswerten Neugier. „Ich finde einfach so gut wie alles spannend“, sagt sie. „Und ich denke, dass bei uns in der Region alles ein Thema ist. Die Leute, die hier leben, interessieren sich, genau wie ich, für alles mögliche, von der seltenen Hühnerrasse bis zu Ideen und Visionen in der Kommunalpolitik.“

Silke Roß liebt es, auf Recherche-Tour zu sein. „Unsere Gegend ist so unglaublich schön“, sagt sie. „Ich bin froh, dass ich nicht mehr nach Hamburg zur Arbeit pendeln muss, sondern am 1. März als Reporterin für die SVZ loslegen konnte. Ich lebe hier seit fast 20 Jahren. Habe einen kleinen Bauernhof, reite mit dem Pferd herum und gehe mit meinen Hunden spazieren.“

Silke Roß interessiert sich für das Alltagsleben in der Region. „Lokalzeitungen sind sehr wichtig“, findet sie. „Mit unseren Beiträgen in der Zeitung zeigen wir den Leuten Wertschätzung für ihr Engagement im Dorf, im kleinen Sportverein oder der Bibliothek. Außer fünf Seelen im Ort, würde sonst kein Mensch davon erfahren. So aber wird auch drumherum bekannt, dass es zum Beispiel eine Turngruppe für Frauen über 50 gibt. Da muss dann die ein oder andere Leserin nicht den weiten Weg zum Sport in die größere Stadt fahren.“

Marco Dittmer, Reporter in Schwerin:

Marco Dittmer ist schneller als die Feuerwehr. Das hat ihm sogar mal jemand von den Jungs gesagt. Bekommt er in der Redaktion mit, dass es irgendwo brennt, schwingt er sich aufs Rad. „Manchmal bin ich vorher da, obwohl wir den gleichen Alarm hatten“, erzählt er. „Das funktioniert, weil Schwerin so kurze Wege hat und man überall fix mit dem Fahrrad ist.“ Herrlich findet er das. In Hamburg war Marco Dittmer eine Stunde mit der S-Bahn unterwegs, um überhaupt zur Arbeit zu kommen.

Apropos Hamburg. Da haben er und seine Frau acht Jahre gelebt. „War ne total schöne Zeit“, erinnert sich Marco Dittmer. „Wir haben es sehr genossen. Aber als wir Eltern wurden, fiel uns ein, wie schön es für uns war, in Schwerin aufzuwachsen. Und so gibt Marco Dittmer seinen Job beim Hamburger Wochenblatt auf und heuert 2018 bei der SVZ an. Anfangs hat er ein mulmiges Gefühl. Ist das jetzt ein Rückschritt, nach Schwerin zu gehen?, denkt er. Doch gleich in der ersten Woche ruft er einen alten Kollegen in Hamburg an und erzählt ihm, das alles super sei. Er das Gefühl habe, nie weg gewesen zu sein.

Die Stadt, die er mit 16 verlassen hat, ist nicht mehr so provinziell, wie er sie damals erlebt hat. „Das ist vielleicht auch eine Frage des Alters“, sagt der 38-Jährige. „Hier ist einiges los und es gibt genug Themen, worüber man schreiben kann. Dinge, die in Deutschland passieren, passieren auch in Schwerin. Ich greife gern aktuelle Ereignisse auf. Wenn ich merke, Freunde und Bekannte reden unabhängig voneinander über ein Thema, dann häng ich mich ran, dann will ich darüber in der Zeitung berichten.“

Ute und Thomas Schoenicke, Nachtzusteller in der Prignitz:

Wenn Ute Schoenicke ihre Schritte zählt, kommt sie auf 36.000 am Tag. Dabei trägt sie die Briefe und Tageszeitungen nicht zu Fuß aus, sondern mit dem Auto. Aber auch auf diese Weise legt sie als Zustellerin eine sportliche Leistungen hin. Raus aus dem Wagen, hin zum Briefkasten. Zack, weiter zum nächsten.

Thomas Schoenicke zählt ebenfalls seine Schritte. Ganz so viele wie seine Frau schafft er nicht. „Er macht ja auch größere Schritte als ich“, bemerkt Ute Schoenicke schmunzelnd. Die beiden arbeiten als Nachtzusteller in der Prignitz und stehen auf, wenn andere schlafen gehen. Um 22 Uhr beginnen sie mit dem Sortieren der Briefe und Zeitungen, die bei ihnen zu Hause eintreffen. Dann fährt jeder seine eigene Route ab. „Ich mag es, unterwegs zu sein“, sagt Ute Schoenicke. „Die frische Luft. Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen.“

Den Schlaf holt das Ehepaar im Laufe des Tages in Etappen nach. Am Vormittag hauen sie sich für drei bis vier Stunden aufs Ohr. Dann kümmern sich die beiden um ihre Tiere, die Hühner, Hunde und Katzen. Und dann schlafen sie wieder drei, vier Stunden – bis die Arbeit ruft. Klar bleibt immer ein bisschen Restmüdigkeit übrig. Dafür schläft das Paar dann am Sonntag besonders lange aus und schon mal zehn Stunden am Stück durch. Vor sieben Jahren hat Thomas Schoenicke als Zusteller angefangen. Seine Frau fand wenig später Geschmack an dem Job. Obwohl die beiden 60-Jährigen einen ungewöhnlichen Tagesrhythmus haben, knapsen sie noch immer Zeit für andere Menschen ab. Die Freiwillige Feuerwehr in ihrem Ort kann nach wie vor auf die beiden zählen.

Kathrin Neumann, Reporterchefin in Ludwigslust:

Kathrin Neumann hat in der Ludwigsluster Gegend dicke Wurzeln geschlagen. „Diese Ruhe, diese Natur! Meine Kinder sind hier groß geworden. Alles fühlt sich nach Heimat an“, sagt die Reporterchefin, die selbst an der Ostsee aufgewachsen ist. Und durch diese neue Heimat fährt sie nun täglich. Mal Richtung Neustadt, mal Richtung Dömitz. Die Fahrerei verschlingt Zeit. Na und! Dann telefoniert sie eben oder hält die Augen auf, ob nicht irgendwo eine neue kleine Baustelle auftaucht oder ein Laden eröffnet hat. Die Themen für die SVZ liegen auf der Straße. „Ich bin auch nicht der Typ, der ständig im Büro sitzen mag“, sagt sie. „Als Lokalreporterin ist man so nah dran an den Menschen. Das mag ich. Ich freue mich auf die Leute, nehme mir Zeit für Gespräche und guck eh nicht auf die Uhr, wie lang der Arbeitstag ist.“

Kein Tag ist wie der andere. Und es gibt diese außergewöhnlichen Tage, an denen ein Ereignis herausragt. Der Waldbrand 2019 war so eins. Und der Sturm 2017, als ein ICE in Ludwigslust „strandete“. Da suchte Kathrin Neumann um Mitternacht die Reisenden auf, die in einer Sporthalle übernachten mussten und gar nicht wussten, in welchem „Nest“ sie gelandet waren. „Der Zugbegleiter, der eigentlich in einem Hotel nächtigen durfte, zeigte sich solidarisch mit den Fahrgästen und übernachtete ebenfalls in der Sporthalle“, erinnert sich die Reporterin. „Das sind Geschichten, die man nicht vergisst.“

Daniela Pohle, Zeitungszustellerin in Güstrow:

Tür auf, Tür zu. In aller Frühe flitzt Daniela Pohle mit dem Auto durch Güstrow. Sie fährt die SVZ und die Nachtpost aus. Dafür steht die 42-Jährige richtig früh auf. Um halb zwei ist für sie die Nacht zu Ende. Noch bevor sie ins Auto steigt, dreht sie mit ihrem Hund, einem Chihuahua-Rehpinscher-Mix, eine kleine Runde. Begeistert ist der nicht, so früh hoch zu müssen. Zurück zu Hause, gönnt sich Daniela Pohle einen heißen Kaffee, geht eine noch größere Runde Gassi und startet dann mit der Tagespost durch. Mittags hat sie es geschafft. Da holt sie ein Schlaf nach, damit sie fit ist für Haushalt, Hof und Garten.

Seit 2003 ist Daniela Pohle als Zustellerin in der Stadt unterwegs, in der sie aufgewachsen ist. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung in der Gastronomie, fühlte sich dort aber irgendwie fehl am Platz. Als sie eines Tages den Flyer „SVZ-Zusteller gesucht“ sieht, versucht sie ihr Glück – und findet Gefallen am Job. Wenn der auch nicht immer einfach ist. „Ich stehe gern früh auf“, sagt sie. „Doch manchmal geht auch mir die Puste aus.“ Dann sehnt sie sich den nächsten Urlaub herbei. Und die Serienmarathons, mit denen sie sich die freien Tage versüßt. „Mit den neuen Fernsehserien kann ich nichts anfangen“, sagt sie. „Ich liebe die alten Serien aus den 1980er-Jahren. Schwarzwaldklinik und so. Da kann ich gar nicht genug von kriegen.“

Ralf Badenschier, Reporter in Bützow:

„Bützow und die Region drumherum ist kein einfaches Pflaster für einen Lokalreporter“, sagt Ralf Badenschier. „Darum ist es wichtig, die Geschichte hinter der Geschichte zu suchen. Bützow ist halt eine kleine Stadt.“ Ralf Badenschier heuerte 1986 bei der SVZ an. Damals als Quereinsteiger, der in Wittenberge aufgewachsen war und Wirtschaftskaufmann gelernt hatte. Heute ist er ein Urgestein der Heimatzeitung in Bützow.

Doch obwohl Ralf Badenschier seit über drei Jahrzehnten schreibt und schreibt und schreibt, macht er seine Arbeit immer noch gern. „Als Lokalreporter berichtest du über alles, von Kultur bis Sport, vom Angler bis zum Ehrenamtler. Und natürlich über Lokalpolitik. Vor allem, wenn es strittige Themen gibt. Man quatscht vor Ort mit den Leuten, nicht immer nur in der Arbeitszeit. Wenn man um die Ecke wohnt und bekannt ist, gehört das dazu. Da erfährt man manche Geschichte nebenbei.“

Das Lokale sei für die Leute enorm wichtig, meint er. In der gedruckten Zeitung, aber auch im Netz auf svz.de. Dort sind nicht nur Ralf Badenschiers Beiträge und Fotos zu sehen. Seit einer ganzen Weile schon dreht er mit seinem Handy auch kleine Videos. Etwa beim Oldtimer-Treffen auf Gut Kurzen Trechow oder in der Bützower Stiftskirche, wenn der Förderverein eine restaurierte Grabplatte präsentiert.

Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Eine witzige Geschichte fällt Ralf Badenschier sofort ein. „Die liegt allerdings schon eine Weile zurück. Wir bekamen Anfang Februar einen Hinweis, dass in einem Dorf bei Bützow schon der Storch da sei. So früh? Das musste ich sehen. Doch als ich dort eintraf, war der Adebar, der dort oben im Nest stand, kein echtes Federvieh, sondern einer aus Plastik vom Trödelmarkt. Noch Jahre später haben wir darüber gelacht, wenn ich das Ehepaar mal wieder traf, auf dessen Grundstück das Storchennest stand.“

Katja Frick, Reporterchefin für Parchim, Lübz, Plau und Goldberg:

Groß, größer, am größten. Das Redaktionsgebiet, das Reporterchefin Katja Frick und ihr Team täglich zu beackern haben, ist eine Herausforderung. Allein zwischen Brunow im Süden an der Grenze zu Brandenburg bis Wooster Teerofen im Norden liegen 63 Kilometer. In denen viel passiert. Denn Ludwigslust-Parchim ist nicht nur flächenmäßig der zweitgrößte Landkreis Deutschlands, sondern auch der wirtschaftsstärkste in MV.

Außerdem gilt Plau am See als wichtiger Tourismusstandort und Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte – der zweitbeliebtesten Urlauberregion im Land. „Über mangelnde Themen können wir nicht klagen“, sagt Reporterchefin Katja Frick. Allerdings können wir momentan noch Verstärkung in unserem Team gebrauchen.“ Damit meint sie Kollegen, die wie Katja Frick gern für die Menschen in der Region da sind, deren Probleme beleuchten und ihnen in der Zeitung einen Platz geben, damit sie sich als Bürger einmischen und Denkprozesse in der Kommunalpolitik anschieben können.

Katja Frick meint: „Bei uns in der Region zeigen sich alle Probleme des ländlichen Raums wie in einem Brennglas. Angefangen von der schwindenden medizinischen Versorgung über den Fachkräftemangel bis zu fehlender Verkehrsinfrastruktur.“

Diana und Uwe Rischewski, Zeitungszusteller in Sternberg:

Um 1 Uhr nachts duftet es bei Diana und Uwe Rischewksi nach Kaffee. Den brauchen die beiden Zeitungszusteller, um in die Puschen zu kommen. Wenn sie ihn ausgetrunken haben, fahren sie in Sternberg erst die Zeitungen und anschließend die Briefe aus. Uwe Rischewski begann vor zwölf Jahren mit diesem Job, nachdem er sich aus gesundheitlichen Gründen nach etwas Neuem umschauen musste und nicht mehr auf dem Bau weiterarbeiten konnte.

Seine Frau Diana fand, nachdem sie hin und wieder ausgeholfen hatte, ebenfalls Geschmack am Zustellerleben. „Ich finde es schön, wenn der Tag erwacht und man vielleicht einen Fuchs sieht“, sagt die 54-Jährige. „Wir sind von Natur aus Frühaufsteher. Ein paar Stunden eher aufstehen, nehmen wir gern in Kauf. Dafür sind wir dann den Rest des Tages unser eigener Herr. Für uns ist der Arbeitstag rum, wenn andere anfangen im Job. Wir können dann in Ruhe frühstücken, Mittag essen, einkaufen fahren und uns um die Enkel und den Kleingarten kümmern.“

Diana und Uwe Rischewski loben, wie gut die Zusammenarbeit mit den Kollegen bei der SVZ läuft. Sie bekommen die Briefe und Zeitungen um Mitternacht pünktlich zu sich nach Hause geliefert. „Wenn was ist, können wir auch nachts jederzeit telefonieren“, sagt die Sternbergerin. „Die Kollegen sind wirklich sehr hilfsbereit.“

Hannes Henffler, Volontär in Sternberg:

Als Hannes Henffler in Greifswald Politik und Kommunikationswissenschaften studiert, weiß er noch nicht, wohin für ihn die berufliche Reise geht. 2020 macht der junge Mann dann bei der SVZ in Schwerin ein Praktikum. Der Stadt, in der er aufgewachsen ist. Dabei muss er gleich ins kalte Wasser springen und von morgens bis abends über Corona-Themen schreiben. Puh! Doch am nächsten Tag freut er sich immer, wenn sein Beitrag in der Zeitung steht.

Inzwischen steht Hannes Henfflers Name fast täglich in der SVZ. Er ist als Volontär in Sternberg unterwegs, schnuppert in seiner Ausbildungszeit aber auch in andere Redaktionen rein. „Ich bin unglaublich gern vor Ort und an den Menschen dran“, sagt der 25-Jährige. „Schaue etwa, wie der Rufbus von den Leuten angenommen wird. Oder wie sich das 9-Euro-Ticket auswirkt. Ich bin super neugierig. Als Reporter musst du dich für das Leben der Leute vor Ort interessieren. Was stört sie in der Region? Was bewegt sie? Was treibt sie an?“

Und natürlich schreibt Hannes Henffler einfach gerne. Ehrgeizig feilt er an seinen Texten. Verdattelt er sich mal bei einem Beitrag, hat sich ein Fehler eingeschlichen, ärgert er sich extrem über sich selbst. „Ich habe sehr hohe Ansprüche an meine Arbeit, auch wenn ich weiß, dass ich sie nicht immer erfüllen kann“, sagt der junge Mann.

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