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70 Jahre SVZ: Der Chefredakteur Alles Gute, altes Haus! 

Eine Kolumne von Michael Seidel | 01.07.2022, 06:00 Uhr

Chefredakteur Michael Seidel macht sich so seine Gedanken zum Jubiläum. Er erinnert sich, dass die SVZ als erste Regionalzeitung der Republik mit einem eigenen Online-Auftritt startete. 

Meine Güte, wie hast Du Dich verändert! Eben noch das Verlautbarungsblatt vom Katheder der Macht herab, dann plötzlich losgelöst, emanzipiert, jugendlich frisch, neugierig, hartnäckig und unabhängig. Und längst bist Du auf allen digitalen Kanälen zu Hause, mit dem User auf Du und Du, zum Lesen und Hören bereit – und doch auch auf Papier noch im Briefkasten oder am Kiosk! Respekt, liebe „Schweriner Volkszeitung“! Je älter Du wirst, desto jünger schaust Du aus!

Aber nun mal im Ernst: Mit 70 Jahren gilt man ja heute als „Best Ager“, auch wenn diese „Zielgruppe“ schon bei Mitte 50 losgeht. Best Ager gelten nicht nur als kaufkräftigste Zielgruppe, sondern – aufgrund ihrer reichen Lebenserfahrung – auch als durchaus kritische, nicht so leicht zu beeinflussende Meinungsführer. Menschen im besten Alter also. Sie sind mit der Zeitung aufgewachsen, für viele ist deren Lektüre beim morgendlichen Frühstück ein liebgewonnenes Ritual, das uns Zeitungsmacher jederzeit bewusst ist, wenn wir die Ereignisse vom und zum Tage auf unseren Seiten drapieren. Das raschelt und knistert beim Blättern.

Andererseits weisen zahlreiche Studien nach, dass heute weit über die Hälfte der Best Ager in sozialen Medien unterwegs ist, das Internet aktiv und selbstbestimmt nutzt – und damit den jüngeren Alterskohorten viel ähnlicher ist, als wir Zeitungsmacher lange geglaubt haben. Und deshalb haben auch wir uns als „alte Tante Zeitung“ schon vor vielen Jahren aufgemacht, uns den digitalen Kosmos zu erschließen.

So war die „Schweriner Volkszeitung“ – wenn auch nur um Stunden, aber immerhin – die erste Regionalzeitung der Republik, die mit einem eigenen Online-Auftritt startete. Am 5. Mai 1995 gingen wir mit einer Webseite online. Natürlich nicht zu vergleichen mit den heutigen umfangreichen und im Minutentakt einlaufenden Nachrichten in Text-, Bild-, Video- oder Audioformat. Aber wir waren tatsächlich Pioniere darin, die News ins Netz zu bringen und viel zusätzlichen Nutzwert. Noch vor der „Welt“, der „Berliner Zeitung“ oder der „Süddeutschen“.

Seither wurden etliche Produkte weiterentwickelt. So bietet unsere News-App unseren ganzen Inhaltekosmos optimal zugeschnitten für das Smartphone, über das inzwischen etwa drei Viertel der Digitalnutzer auf unsere Inhalte zugreifen. Die Premiumversion bleibt natürlich unsere E-Paper-App, in der die gedruckte Zeitung bereits am Vorabend ab circa 21 Uhr gelesen werden kann, die aber auch Zugriff bietet auf all unsere Beilagen und Prospekte, dazu ab 18 Uhr unser Abendmagazin „Der Tag“, unsere Video- und Audio-Angebote und selbstverständlich unsere Webseite.

Auf diese Weise gewinnen wir Nutzer, die das haptische Ritual der Papierzeitung nicht mehr nutzen können oder wollen. Das kompensiert annähernd den Rückgang der Papier-Abonnenten. Wer aus der Region zwischen Rostock und Wittenberge, Boizenburg und Plau am See informiert sein will, ist mit unseren Angeboten gut beraten. Für kein anderes Medium im Land sind so viele Reporter in den Städten und vor allem ländlichen Räumen Mecklenburgs unterwegs.

Eingebettet in unsere große Mediengruppe NOZ/mh:n Medien sind wir auch überregional bestens aufgestellt. Viele neue Mitarbeiterinnen haben unsere Mannschaft bereichert. Und wir freuen uns über jede weitere Neugierige, Ehrgeizige und Unternehmenslustige, die dieses Zukunftsprojekt mitgestalten will.

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