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Mehr als 15 Millionen Euro wurden investiert 20 Jahre Stadtsanierung Gadebusch

Von Volker Bohlmann | 25.10.2011, 11:41 Uhr

Bunte Hauswände, sanierte Fassaden - das Antlitz der Stadt Gadebusch hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewandelt.

Bunte Hauswände, sanierte Fassaden - das Antlitz der Stadt Gadebusch hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewandelt. Grund genug, um Rückschau zu halten. Genau das hat die Stadt Gadebusch mit ihrem Sanierungsträger, der BIG Städtebau Regionalbüro Güstrow, vor. Am heutigen Dienstag öffnet im Gadebuscher Rathaus die Ausstellung "20 Jahre Stadtsanierung in MV".

Auf 16 Tafeln finden Interessierte Fakten, Daten und Bilder von den Anfängen im Jahr 1991 das städtebauliche und kulturgeschichtliche Erbe zu erhalten, über Anekdoten bis hin zu kleinen Geschichten über einzelne Bauwerke in der ehemaligen Münzstadt.

Es sind zudem Geschichten, die von alter Verbundenheit zur Heimatstadt zeugen. So wie beim Bauprojekt Margrit, Harald und Heinrich Pawelzik. Ihr Objekt in der Färberstraße 18 ist ohne Zweifel ein Blickfang in der Sichtachse vom Markt über den Engen Berg. "Seit 1948 befindet sich das Gebäude in Familienbesitz. Unter dem Dach wurde noch bis Anfang der 1950er-Jahre eine Colonial- und Materialwarenhandlung betrieben", sagt Margit Pawelzik. In jenen Jahren richtete Richard Wagner sein Büro und die Annahme für seine Vulkanisierwerkstatt in der Färberstraße ein. Der Grundstein für den heutigen Reifenservice Pawelzik. Schon aus alter Verbundenheit lassen somit Harald und Schwester Margrit den alten Schriftzug am heute sanieren Gebäude herrichten.

Wie kaum anders zu erwarten, entpuppt sich die Sanierung des Hauses als zeitaufwendiger Kraftakt, denn nach den Kriegsjahren gab es Veränderungen die heute längst nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprechen. Pawelzik erinnert sich: "Anfang der 1960er-Jahre erfolgte ein Umbau des Hauses , wurde die Fassade mit zur damaligen Zeit schicken Außenfliesen verkleidet." Bautechnisch gesehen kehrt anschließend Ruhe ein. Lediglich die Triebe einer Weinpflanze arbeiteten sich Jahr um Jahr die Fassade empor, verdecken allmählich die nicht mehr zeitgemäßen Fließen am Haus. "Die Zeit war reif für eine Sanierung. Schon allein wegen der ungedämmten oberen Etage. Die kleinen Räume und Kammern waren nicht bewohnbar", sagt Margrit Pawelzik. Die Handwerker rücken an, tragen zwischen Traufkante und Dachfirst die alte Bausubstanz ab, kein Balken bleibt auf den anderen. Mit jedem Stück, was vom alten Haus abgetragen wird, zeichnet sich für Pawelziks ab, dass mehr Balkenköpfe eine Erneuerung bedürfen als anfangs gedacht. "Das war im April 2010. Ein Jahr darauf begann der Aufbau", so Pawelzik.

Mit Vollendung der strukturierten, hellen und somit freundlichen Fassade inklusive Schriftzug "Vulkanisierwerkstatt Harald Pawelzik" ist der Baustress längst Geschichte. "Ein Fehler war das Projekt nicht. Wir würden wieder so entscheiden", meint die Gadebuscherin.

Während der Bauphase gab es Unterstützung von der Stadt Gadebusch und dem Sanierungsträger. Die BIG Städtebau stellte Fördergelder zur Gestaltung von Fassade und Dach bereit. Finanzielle Aufwendungen, die interessierten Bauherren im Sanierungsgebiet die Entscheidung zum Erhalt alter Bausubstanz versüßen.

Die Gesamtinvestitionen in Gadebusch belaufen sich in den vergangenen 20 Jahren auf 15,3 Millionen Euro. "Der Anteil der Stadt beträgt 4,15 Millionen Euro", sagt Giesela Damann. Die Mitarbeiterin aus dem Bauamt koordiniert im Rathaus die Bemühungen Bauwilliger, stellt die Verbindungen zwischen Sanierungsträger und Hausbesitzern her. Eine Arbeit, die sich dank des Engagement der Bauherren für die Stadt und die Region auszahlt. Zu den sanierten Gebäuden zählen unter anderem die Museumsscheune am Schlossberg, das Gebäude Steinstraße 20, Haus Markt 5, Rathaus, Kirche, die Schule in der Amtsstraße und der Bahnhof als Objekt von überregionaler Bedeutung und Ausstrahlung für die Stadt.

Mehr zur Stadtsanierung gibt es ab heute im Foyer des Rathauses zu sehen. Die Ausstellungseröffnung findet um 19 Uhr statt.