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"Normaler Zyklus" 15 Mal so groß wie Paris: Riesiger Eisberg bricht in der Antarktis ab

Von dpa und afp | 01.10.2019, 12:29 Uhr

Laut Experten ist es nicht der Erderwärmung geschuldet, sondern ein normaler Vorgang bei den schwimmenden Eisplatten.

Am Südpol ist ein riesiger Eisberg mit einer Fläche von 1582 Quadratkilometern abgebrochen – etwa so groß wie das gesamte Stadtgebiet von London beziehungsweise die 15-fache Fläche von Paris. Der Berg löste sich vergangene Woche im Osten der Antarktis vom sogenannten Amery-Schelfeis, einer Fläche mit ewigem Eis, wie die australische Antarktis-Agentur AAD am Dienstag mitteilte.

Der Eisberg mit dem offiziellen Namen D-28 brach am vergangenen Mittwoch im Osten der Antarktis ab, teilte Copernicus, das Erdbeobachtungsprogramm der EU, mit. Demnach ist der D-28 rund 210 Meter dick und hat eine Masse von etwa 315 Milliarden Tonnen. Seine Fläche beträgt laut Copernicus 1582 Quadratkilometer.

Mit dem Klimawandel habe der Vorgang aber nichts zu tun, vielmehr sei er Teil des natürlichen Zyklus' des Schelfeises, sagte die US-Gletscherforscherin Helen Amanda Fricker. "Wir glauben nicht, dass dieses Ereignis mit dem Klimawandel zusammenhängt. Das ist Teil des normalen Zyklusses im Schelfeis, wo wir alle 60 bis 70 Jahre große Kalb-Ereignisse sehen." Zuletzt gab es am Amery-Schelfeis ein vergleichbare Ablösung in den Jahren 1963/64.

„Schelfeis muss Masse loswerden, weil es ständig an Masse gewinnt. Seine Größe soll sich nicht verändern.“
Helen Amanda Fricker, Scripps Institut für Ozeanographie der Universität von Kalifornien

Das "Kalben" von D-28 war bereits seit der Jahrtausendwende erwartet worden. Mit "Kalben" meint man, wenn größere Eisflächen ins Meer wegbrechen.

Nicht mit Klimawandel verwechseln

Die Verhältnisse im Osten der Antarktis seien anders als in der westlichen Antarktis oder als in Grönland, sagte Fricker. Dort führe der Klimawandel zu einer rasanten Erwärmung. "Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit das nicht durcheinanderbringt", fügte sie hinzu. Der Abbruch des D-28 sei keine Folge des Klimawandels. Allerdings solle niemand glauben, der Klimawandel fände nicht statt, betonte Fricker.

Die Wissenschaftlerin erinnerte daran, dass sich vor zwei Jahren ein drei Mal so großer Eisberg vom Eisschelf Larsen C gelöst habe. Auch damals hatte es sich laut Forschern um ein "Naturereignis" gehandelt.

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