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Wohlhabendem Paar ging das Geld aus Tötete seine Kinder: Mann aus Sögel muss lebenslang in Haft

Von Sonja Jordans | 19.06.2019, 18:20 Uhr

Er hat mit einem Hammer und einem Messer seine Kinder getötet. Das Landgericht Darmstadt verurteilt einen 59 Jahre alten Mediziner wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Er stammt aus dem emsländischen Sögel. Auch seine Frau muss ins Gefängnis.

Der Angeklagte bleibt sich bis zuletzt treu: Stoisch, ohne erkennbare Gefühlsregungen, nimmt Werner H. das Urteil des Landgerichts Darmstadt entgegen. Weil der 59-Jährige seine Kinder Anton (13) und Emilia (10) heimtückisch ermordet und im Haus der Familie Feuer gelegt haben soll, ist er am Mittwoch zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Besondere Schwere der Schuld

Außerdem hat das Gericht die besondere Schwere der Schuld festgestellt – H. kann somit nicht nach 15 Jahren Haft erstmals einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Seine mitangeklagte Ehefrau muss wegen Beihilfe zu dem Mord und der Brandstiftung zwölf Jahre in Haft. Dass sie selbst an den Taten direkt beteiligt war, dafür habe das Gericht keine sicheren Anhaltspunkte gefunden, wie es am Mittwoch heißt.

Für den Kieferchirurgen, der aus Sögel im Emsland stammt, mag das Urteil kaum überraschend gekommen sein. Der 59-Jährige hatte zu Prozessbeginn eingeräumt, seine Kinder getötet zu haben. In seinem Plädoyer hatte der Verteidiger des Mannes noch versucht, die eigentlich bei einer Verurteilung wegen Mordes obligatorische lebenslange Haftstrafe abzuwenden. Die Tat lasse Rückschlüsse zu, dass „die Einsichtsfähigkeit meines Mandanten erheblich eingeschränkt“ gewesen sei, so der Verteidiger. Deswegen solle H. zu einer „zeitigen Haftstrafe“, also einer begrenzten Anzahl von Jahren, verurteilt werden. Das hat die Kammer jedoch nicht so gesehen.

Zahnarztpraxis insolvent

Die Kinder mussten sterben, nachdem die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, die der Angeklagte verschuldet hatte. Dessen Zahnarztpraxis war insolvent, weil er Sozialabgaben nicht beglichen hatte. Die Tatbegehung wiege schwer, so das Gericht. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft von einer „hinrichtungsartigen Tötung“ der Kinder gesprochen, und so sieht es auch das Gericht: „Anton und Emilia sind tot, getötet durch die Hände ihres Vaters“, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Unstreitig sei, dass beide in der Nacht vom 30. auf den 31. August vergangenen Jahres in ihrem Haus in Mörlenbach, rund 40 Kilometer südlich von Darmstadt, jeweils mit 25 Hammerschlägen und unter Einsatz eines Messers getötet wurden – vom Angeklagten. Doch eine Frage sei zunächst offen gewesen: „Hat die Mutter mit dem Messer nachgesetzt?“, so der Vorsitzende. Einen Nachweis dafür "konnten wir nicht finden“, beantwortet er die Frage selbst. Aber es habe den Plan gegeben, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Dies belegt das Gericht unter anderem mit einem Satz, den die angeklagte Mutter in Untersuchungshaft gegenüber einer Wachtmeisterin gesagt hatte:

„Der Deal zwischen meinem Mann und mir war, entweder wir alle oder keiner. Und jetzt sind wir zwei noch übrig.“

Zwar blieben letztlich Zweifel, dennoch dürften diese nicht zulasten der Mutter ausgelegt werden. „Zu überleben, das war nicht der Plan“, so der Vorsitzende weiter. Das Paar habe definitiv sterben wollen, treibende Kraft hinter allem sei jedoch Werner H. gewesen. Christiane H. aber sei „folgsam bis zum Schluss“ gewesen und habe „bis in dieser Nacht stets all das getan, was er von ihr verlangte“, befindet das Gericht. Das sei auch die Erklärung dafür, dass die Mutter nicht „durchgedreht“ sei, als sie ihre toten Kinder in deren Betten sah.

Für die angeklagte Mutter, die am Montag ihren 47. Geburtstag begangen hatte, muss das Urteil ein herber Schlag sein. Ihr Verteidiger hatte Freispruch gefordert – die Zahnärztin habe mit der Tat nichts zu tun. Dennoch nimmt sie das Urteil ebenfalls völlig ruhig entgegen. Ihre letzten Worte vor Gericht nutzte sie jedoch für eine gnadenlose Abrechnung mit ihrem Mann. Ohne ihn auch nur einmal anzublicken, betonte sie mit fester Stimme, sie fühle sich „hintergangen und benutzt“. Ihr Mann habe ihr „blindes Vertrauen“ im Kampf gegen die Insolvenz ausgenutzt. „Er hat mich beeinflusst, was gar nicht meinem Wesen entspricht.“ Sie träume oft von Anton und Emilia. Obgleich sie offensichtlich nicht die Kraft oder den Willen hatte, ihren Mann zu verlassen, stellte sie klar: „Für uns drei hätte es ein Leben gegeben, auch ohne das Haus.“

Das, so das Gericht, hätte tatsächlich so sein können, doch die Angeklagte sei ihren Mann wie gewohnt folgsam zu Seite gestanden. „Allein wollte er nicht gehen, die anderen mussten folgen so wie die ganze Zeit.“