Ein Angebot des medienhaus nord

Schwimmunterricht Gericht entscheidet: Junge Muslima darf in Badebekleidung duschen

Von dpa | 21.08.2019, 14:24 Uhr

Das Verwaltungsgericht Halle gesteht dem Mädchen diese Entscheidung zu und beruft sich auf die Glaubensfreiheit.

Eine muslimische Grundschulschülerin aus Sachsen-Anhalt darf vor dem Schwimmunterricht in ihrem Badeanzug duschen. Das geht aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Halle hervor, das am Mittwoch veröffentlicht wurde (Aktenzeichen: 6 B 243/19 HAL). Die Glaubensfreiheit umfasse auch das Tragen bestimmter Kleidung und stehe bereits Kindern zu, auch wenn diese bis zu ihrer Religionsmündigkeit zunächst von ihren Eltern vertreten würden. Dies gelte auch in diesem Fall, selbst wenn die Haus- und Badeordnung andere Regelungen treffe.

Auch interessant: Hygienische Gründe? Viel Kritik nach Burkini-Verbot in Koblenzer Schwimmbädern

Schülerin beruft sich auf den Koran

Die Schülerin hatte mit Verweis auf den Koran dargelegt, dass es nach ihrer Glaubensüberzeugung nicht erlaubt sei, sich vor anderen Personen, die nicht zur Familie gehören, nackt zu zeigen. Das Gericht erklärte, dass Artikel 4 des Grundgesetzes jedem Einzelnen das Recht gewährleiste, nach seiner Glaubensüberzeugung zu leben und seinen Glauben zu bekunden.

Duschen ist nicht Bestandteil des Schwimmunterrichts

Zwar könnten sowohl die Glaubensfreiheit der Antragstellerin als auch das religiöse Erziehungsrecht der Eltern unter Umständen eingeschränkt werden. Die Befreiung von Unterrichtsveranstaltungen sei jedoch im Hinblick auf die Integrationsfunktion der Schule nur in Ausnahmefällen möglich. Das Duschen vor dem Unterricht sei nicht Bestandteil des Schwimmunterrichts. Zudem komme ihm "keine integrative Funktion" zu und könne die religiösen Grundrechte der Schülerin nicht einschränken, erklärten die Richter.