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Lufthansa verliert Prozess : Zu klein für das Cockpit?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pilotanwärterin scheitert bei Lufthansa an Mindestgröße - Fluggesellschaft zahlt Entschädigung

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Seit fast drei Jahren hat eine knapp 1,62 Meter große Frau gegen die Lufthansa und ihre Flugschule prozessiert, weil sie für die Pilotenausbildung als zu klein abgelehnt wurde. Ein Urteil gab es am Bundesarbeitsgericht in Erfurt gestern aber nicht. Vielmehr schlossen beide Seiten einen von den Richtern vorgeschlagenen Vergleich. Demnach zahlt Lufthansa der Frau 14 175 Euro Entschädigung. Die Hintergründe zu dem Fall:

Worum ging es im konkreten Fall?

Die heute 21-Jährige hatte sich bei Lufthansa für die Pilotenausbildung beworben und angegeben, sie sei 1,65 Meter groß. Diese Mindestgröße hat Lufthansa in einem Tarifvertrag vereinbart und sie ist auch in einer Betriebsvereinigung verankert. Die Frau bestand die ersten Tests, nach einem medizinischen Check bekam sie aber die Absage: Sie sei mit 161,5 Zentimetern zu klein. Sie wähnte sich daraufhin wegen ihres Geschlechts diskriminiert, weil Frauen im Schnitt kleiner sind als Männer und damit eher an der Mindestgröße scheiterten. Deswegen forderte sie Entschädigung und Schadenersatz, mindestens 135 500 Euro.

Warum hat das Bundesarbeitsgericht keine Entscheidung getroffen?

Das Landesarbeitsgericht Köln hatte 2014 festgestellt, dass das Persönlichkeitsrecht der Frau fahrlässig verletzt und sie „mittelbar wegen ihres Geschlechts benachteiligt“ wurde. Eine Entschädigung oder Schadenersatz lehnte das Gericht jedoch ab (Az. 5 Sa 75/14).

Es sei unstrittig, dass ein Pilot sitzend groß genug sein müsse, um ein Flugzeug sicher fliegen zu können, erklärte die Vorsitzende Richterin des 8. Senats, Anja Schlewing, nun in der mündlichen Verhandlung. Doch sahen die Richter etliche Besonderheiten in dem Fall. Dabei ging es etwa um die Frage, ob die Festlegung auf 1,65 Meter angemessen oder willkürlich ist. Schlewing stellte klar, dass – egal wo die Grenze gezogen werde – letztlich Frauen immer stärker betroffen seien als Männer.

Für eine Beurteilung, ob die Vorgabe angemessen sei, müssten unter Umständen Sachverständige eingeschaltet werden.

Gibt es solche Grössenvorgaben nur bei Lufthansa?

Lufthansa-Piloten sind in der Vergangenheit schon mehrfach durch alle Instanzen gezogen, weil sie sich diskriminiert gefühlt haben. 2014 etwa wurde die Mützenpflicht für Piloten gekippt, die nur für Männer und nicht für Frauen galt (1 AZR 1083/12). Drei Jahre zuvor hatte der Europäische Gerichtshof eine Regelung moniert, wonach Piloten mit 60 in den Ruhestand gehen mussten – die Richter sahen darin eine Diskriminierung wegen des Alters (C-447/09). Mindestgrößen gibt es auch bei anderen Airlines: Die Lufthansa-Tochter Swiss etwa setzt 1,60 Meter an, British Airways 1,57 und Air Berlin verzichtet ganz auf eine solche Vorgabe.

Muss die Lufthansa nun ihre Auswahlkriterien ändern?

Das tut sie ohnehin. „Ziel sind einheitliche Auswahlkriterien und Ausbildungsverfahren für alle Flugbetriebe der Lufthansa Group“, erklärte Unternehmenssprecher Helmut Tolksdorf.

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