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„Lippi“ wird 65 : Wolfgang Lippert ließ kein Format aus

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Er schaffte es in die Hitparade, dann in Kindersendungen sowie in Talk- und Abendshows: Wolfgang Lippert wird 65

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Ganz am Anfang war er Automechaniker. Dann wurde der quirlige Berliner Sänger, Showmaster und Schauspieler. Das Multitalent aus dem Osten hatte große Erfolge, manchen Neider und holte sich auch manche blaue Flecken. Wolfgang Lippert, stets stylish gekleidet, gut frisiert und ein Fan auffälliger Brillen, ist über alle Jahrzehnte immer eines geblieben: eine Frohnatur. Heute wird er 65 und sagt in einem Interview: „Das Leben ist einfach ein Geschenk. Ich hab' noch Pläne, viele Möglichkeiten und Angebote.“

Der Mann aus Berlin-Köpenick wurde nach einem Fachschulstudium zum Sänger 1983 schlagartig bekannt: Mit dem Hit „Erna kommt“ des Erfolgs-Komponisten Arndt Bause. Das Lied wurde sogar westlich der Mauer gecovert – von Hugo Egon Balder. Zeitgleich moderierte Lippert seine erste TV-Show, die Kindersendung „He Du“.

Die Karriere im DDR-Fernsehen verlief rasant: 1984 bekam Lippert seine erste abendfüllende Show „Meine erste Show“, kurz danach die Sonnabendabendshow „Glück muss man haben“.

Schon ein Jahr vor dem Mauerfall schaffte der Entertainer aus Ost-Berlin den Sprung in einen West-Sender. Er moderierte als erster DDR-TV-Moderator eine Show im West-TV: „Stimmts's?“ bei Radio Bremen. Und selbst nach der Wende hielt „Lippis“ Glückssträhne an, während die meisten anderen DDR-Künstler in ein tiefes Loch fielen.

1992 dann der absolute Höhepunkt: Lippert übernahm von Thomas Gottschalk (Foto rechts) die ZDF-Show „Wetten, dass..?“. Fast zwölf Millionen Zuschauer lockte er zum Einstand vor die Fernseher.

Mancher Kritiker setzte ihm zunächst mächtig zu: Einigen lachte Lippert zu laut, anderen fehlte der Witz. Nach nur einem Jahr servierte das ZDF den Ost-Entertainer ab, weil Gottschalk von RTL zurückkehrte und seine alte Show wieder übernahm. 15,36 Millionen Zuschauer waren dabei, als Lippert seine neunte und letzte Sendung vor der Rückkehr seines Vorgängers moderierte. „Lippi“ wurde Deutschlands meistgesehener Showmaster des Jahres 1993.

Nach „Wetten, dass..?“ hatte er nochmal TV-Pech: Bei der „Goldmillion“-Familienshow wurde ihm zwar ein „gelungener Einstand“ bescheinigt. Allerdings kamen ihm zunehmend die Zuschauer abhanden.

Die Sendung wurde von Sonnabend- auf Donnerstagabend verlegt – und 1995 ganz eingestellt. Danach moderierte Lippert „Wenn Dann, Die ...Show“ im KiKa und entwickelte im Auftrag des Deutschen Bundestages die Politshow „Politbongo“, die Kindern Demokratie erklärt.

In den 90er-Jahren gab es mehrere private Tiefschläge: Der Entertainer fiel auf mehrere Betrüger herein und musste Privatinsolvenz anmelden. Zu allem Überfluss gelangte er noch mit einer im Baumarkt mitgenommenen unbezahlten Zange in die Boulevard-Blätter.

Der Showmaster ist auch Schauspieler. Die DDR-TV-Legende Herbert Köfer (95) holte ihn etwa 2001 für „Eine total verrückte Entführung“ auf die Bühne des Volkstheaters Hansa in Berlin-Moabit. Seit 2000 spielt Lippert bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen mit. Dieses Jahr ist er bei der 25. Auflage der Festspiele wieder mit dabei.

Bei seinem Heimatsender, dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), moderiert „Lippi“ derzeit einen Rückblick auf den DDR-TV-Hit „Ein Kessel Buntes“.

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