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Dweezil Zappa : "Wir waren eine wirklich engverbundene Familie..."

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Vor seinem Zappanale-Auftritt - Dweezil Zappa im Interview

Dweezil Zappa ist der Headliner der 28. Zappanale. Anlässlich seines bevorstehenden einzigen diesjährigen Deutschland-Gastspiels am 15. Juli 2017 in Bad Doberan sprachen wir mit dem ältesten Sohn Frank Zappas über das große musikalische Erbe seines Vaters, sein geplantes Zappanale-Programm und den andauernden Streit im Family Trust.

Mr. Zappa, sie sind der diesjährige Headliner der Zappanale in Bad Doberan. Seit seiner Gründung im Jahr 1990 steht auf dem Festival die Musik ihres Vaters Frank Zappa im Mittelpunkt. Wie sind Ihre Gefühle vor ihrem ersten Auftritt in Bad Doberan?

Seit dem Beginn meines Tour-Projektes bin ich bestrebt, eine breite Auswahl der Musik meines Vaters mit Betonung seiner Arbeit als Komponist und Gitarrist mit dem Publikum zu teilen. Deshalb freue ich mich ganz besonders auf die Zappanale. Denn ich weiß, dass das Publikum in Bad Doberan bereits sehr stark mit den erstaunlichen Eigenschaften innerhalb dieser Musik vertraut ist. Ich bin ich mir sicher, dass es eine intensive Verbindung zwischen mir und dem Publikum der diesjährigen Zappanale geben wird.

In den vergangenen Monaten haben Sie das The Mothers of Invention-Debüt-Album “Freak Out!", das jüngst 50. Geburtstag hatte, ins Zentrum ihrer Live-Show gerückt. Wie beurteilen Sie persönlich das Werk?

Ich gebe zu, “Freak Out!" ist ein Meisterwerk. Es lohnt sich, das Album aus der Perspektive des Entstehungsjahres 1966 zu sehen und mit der aktuellen Musik seiner Zeit zu vergleichen. Ich stelle mir gern vor, wie gefahrbringend es damals geklungen haben muss. Auf mich wirkt es noch heute gefährlich und subversiv. Ich habe immer das kontrollierte Chaos, den Sarkasmus und die klangliche Verzerrung geliebt, die auf Songs wie "Who Are The Brain Police?" zu hören sind.

“Freak Out!"-Songs wie "Who Are The Brain Police?" oder "Hungry Freaks, Daddy" klingen 2017 so aktuell, als wären sie gerade eben und nicht bereits vor 50 Jahren entstanden. Was glauben Sie - war ihr Vater ein Hellseher? Was macht seine Arbeiten für heutige Hörer so attraktiv?

Ja, es ist wahr. Diese Songs klingen sehr gegenwärtig. Ich scherze oft mit dem Publikum und sage, dass wir Musik aus der Zukunft und nicht aus der Vergangenheit spielen. Ich glaube, dass mein Vater seiner Zeit voraus war. Irgenwie war er eine Art Rock & Roll Nostradamus. Seine Fähigkeit, Songs zu komponieren, die Botschaften über seine Beobachtungen der Gesellschaft und Politik umfassten, sind wesentliche Gründe für mich, die seine Songs so respektabel machen. Er hatte keinerlei Angst davor, die Wahrheit zu sagen. Und er war in der Lage, seine lyrischen Statements mit empirischen Beweisen, komplexen Rhythmen und harmonischen Konturen zu untermauern. Deshalb hat seine Musik die erstaunliche Fähigkeit, die Zeit zu überdauern.

Werden Sie auf der Zappanale das gesamte “Freak Out!." Album live spielen?

Nein. Wir werden uns auf wesentliche Stücke des Albums beschränken, um im Anschluss durch drei Musik-Jahrzehnte meines Vaters zu reisen. Ich habe hart gearbeitet, um die Musik für sich sprechen zu lassen. Meine Absicht ist es immer gewesen, die Musik so zu spielen, wie sie auf den Original-Aufnahmen zu hören ist. Wenn ich mit meiner Band spiele, habe ich stets das Gefühl, mein Vater ist anwesend. Indem ich auf der Bühne anspruchsvoll arbeite und das Ergebnis mit dem Publikum teile, bin ich in der Lage, weiterhin eine andauernde Beziehung mit ihm zu haben.

Es ist nicht leicht zu verstehen, warum Ihr Bruder Ahmet und ihre Schwester Diva,die die Mehrheit am Zappa Family Trust haben, Sie gegenwärtig daran hindern wollen, die Musik Ihres Vaters zu interpretieren. Das müsste doch auch in deren Interesse sein?

Um ehrlich zu sein, haben sich unsere Familienbeziehungen sehr stark verändert, nachdem mein Vater starb. Bis dahin waren wir  eine wirklich engverbundene Familie. Ich weiß, es kann frustrierend sein, über den Streit innerhalb der Zappa-Familie zu lesen. Aber noch schwieriger und frustierender ist es für mich, der an der Frontlinie dieses Konfliktes steht und mit Anwälten und Treuhändern verhandeln muss, die mir das Recht absprechen wollen, die Musik meines Vaters unter meinem Nachnamen aufzuführen. Für mich ist es ganz klar, das Vermächtnis meines Vaters wird am besten durch Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe innerhalb der Familie bewahrt. Aber zur Zeit läuft es  genau entgegengesetzt. Es ist absurd, derartig böse und sinnlose Streiche ertragen zu müssen.

 

Hier geht es zum Programm der Zappanale.

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erstellt am 08.Jun.2017 | 21:00 Uhr

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