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Leibwächter des DDR-Staatschefs : Wie waren Honeckers privat?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bernd Brückner, der frühere Leibwächter des DDR-Staatschefs, erzählte im Jagdobjekt Drewitz aus den letzten 13 DDR-Jahren

Der Enkel von DDR-Staatschef Erich Honecker (1912-1994) – Roberto Honecker – hat Personenschützer des Großvaters früher stark beschäftigt. „Der hatte als Kind Hummeln im Hintern und wir mussten ihn immer zurückholen, wenn er ausgebüxt war“, erzählt Bernd Brückner vor etwa 80 Leuten in Drewitz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Anlass war die Veranstaltung „Honeckers Leibwächter erzählt“.

Der 67-Jährige war von 1976 an Leiter der Schutztruppe. China, Nordkorea, Libyen, Äthiopien, Berlin, die Schorfheide und Vilm sind einige Stationen. Das Publikum im früheren Honecker-Jagdobjekt Drewitz, das inzwischen ein Hotel ist, lacht und will mehr wissen. Auch Marotten von Margot Honecker, Willi Stoph und anderen kommen zur Sprache.

Der Ort ist authentisch: In das für die DDR noble Drewitz kam „EH“ mehrfach zum Jagen und brachte andere DDR-Politprominenz und Sowjet-Botschafter Pjotr Abrassimow mit. Oder er kam auf Familienurlaub an den idyllischen Drewitzer See. „Wir als Jäger durften dann zeitweise aber nicht jagen“, erinnert sich ein Ortsansässiger.

Überhaupt seien Sicherungsmaßnahmen damals oft übertrieben gewesen, meint Brückner. Wenn die Autobahn Berlin-Rostock bis zum Kilometer 114,5 gesperrt war, habe jeder gewusst: Der Staatschef ist da. „Das hätte gar nicht Not getan.“

Wer Honecker zugeteilt wurde, der musste auch Wild zerlegen. „Die Staatsmänner haben geschossen, den Hirsch zerteilen durften wir.“ Da habe mancher Wachmann aufgegeben, erzählt Brückner, der über seine Vergangenheit ein Buch geschrieben hat („An Honeckers Seite“). Auch gegen einen Hund musste er Honecker in Drewitz schützen. Der eigensinnige Cocker Spaniel hatte den Staatschef respektlos in den Fuß gebissen und Margot bedroht. „Der Hund hatte Hausverbot und musste bei uns auf der Stube bleiben.“ Besonders sind Brückner, der immer nah an dem „zu Beschützenden“ war, die Besuche von Gorbatschow in Erinnerung geblieben. „Margot Honecker hat sich strikt geweigert, als Frau des Staatschefs das Begleitprogramm zu absolvieren. Wenn Margot nicht als Bildungsministerin eingeladen war, kam sie nicht.“ Die Frauen von Egon Krenz und Außenminister Oskar Fischer mussten Raissa Gorbatschowa begleiten.

„Schwierig war es auch, wenn Honecker-Tochter Sonja wieder Streit mit ihrem chilenischen Mann hatte“, erinnert sich der Leibwächter. Man habe es aber vermieden, da hineingezogen zu werden. Honecker-Enkel Roberto, der als Künstler unter dem Namen Yáñez Betancourt y Honecker in Chile lebt, mussten Brückners Leute als Kind vom Drewitzer See zurückholen, wenn er per Motorboot allein losfuhr. Im anderen Honecker-Jagdobjekt „Wildfang“ fuhr der Jugendliche illegal per Moped durch die Orte: Die Wachmänner holten ihn zurück. Auf der Insel Vilm sei Roberto vom Baum gefallen und habe sich einen Arm gebrochen. Er kam nach Bergen ins Krankenhaus. „Als er zurückkam, sagte er: Das sieht ja aus wie im Museum.“ Die Familien der DDR-Führung wurden sonst in einem eigenen Krankenhaus in Berlin versorgt.

Anders als bei Honecker war Personenschutz am Jagdsitz von Willi Stoph bei Waren unbeliebt. „Dort mussten Wachleute Beete umgraben und durften keine Äpfel vom Baum kosten, denn die wurden sogar gezählt.“ Heute hat Brückner keinen Kontakt zu Honeckers mehr. „Erich Honecker habe ich nach 1990 in der Haft in Berlin und bei einem Pastor in Lobetal besucht, da haben wir auch privat gesprochen.“ Insgesamt sei er durchaus stolz auf seine Arbeit. Auch Kanzler Helmut Kohl habe er 1988 bei einer privaten DDR-Reise gesichert. Nur einmal habe er einen Honecker-Termin abbrechen müssen: 1989 im russischen Magnitogorsk. Da hatten Gäste einer Feier viel getrunken und mit leeren Schnapsflaschen geworfen.

 

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