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Ein-Mann-Nationalmannschaft : Wie der erste afghanische Surfer zur WM kam

vom
Aus der Onlineredaktion

svz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Die afghanische Mannschaft bei den Weltmeisterschaften der Wellenreiter in Frankreich ist klein. Sie besteht aus genau einem Mann: Afridun Amu, 29 Jahre alt, rechtlich Deutscher, für die WM Afghane und im Herzen „so zwischen den Stühlen“.

Amu ist nicht nur der einzige afghanische Wellenreiter bei der sogenannten Surf-WM, die am Sonnabend in Biarritz beginnt – er ist der erste überhaupt. „So gut bin ich eigentlich gar nicht. Ich bin nur für einen Afghanen sehr gut, und da ist nicht viel Konkurrenz“, sagt er. Man merkt, da hat einer Freude an Selbstironie. Wichtig sei halt, dabei zu sein, sagt er. Für das junge afghanische Surfen.

Qualifiziert hatte Afridun Amu sich vor zwei Jahren, bei den ersten und bisher einzigen afghanischen Meisterschaften. Die wurden in Portugal abgehalten, weil es in Afghanistan ja kein Meer gibt. 15 Surfer afghanischen Ursprungs mit Pässen aus Kanada, Australien und ganz Europa nahmen teil. Afridun Amu wurde Erster.

Amus Eltern waren 1992 nach Deutschland geflohen, vor einem Bürgerkrieg, der Kabul in Schutt und Asche legte. Amu ging in Göttingen in den Kindergarten und hat später in Berlin gleich drei Studienabschlüsse gesammelt, Jura, Kulturwissenschaften und Design Thinking. Heute arbeitet er bei der Max-Planck-Stiftung für Frieden und Rechtsstaatlichkeit in Heidelberg an Afghanistan-Projekten und an einem Design-Institut in Potsdam.

Er geht klettern, spielt die afghanischen Trommeln, zudem Schach im Verein, hat afghanischen Flüchtlingen als Rechtsberater geholfen. Mit dem Surfen hatte er erst mit 19 angefangen, auf einer Frankreich-Reise nach dem Abi. Es wurde zur Konstante im übervollen Leben. Dass er jetzt für Afghanistan antritt und nicht für Deutschland, hat vor allem mit einer Art Sendungsbewusstsein zu tun. „Ich will nicht wie ein Weltverbesserer klingen“, sagt er, „aber ich dachte, ich könnte mit diesem Leben, das ich damit verschwende, ständig in den Ozean zu springen, auch etwas Positives generieren.“

„Die Menschen treffen einen langhaarigen, afghanischen Surfer und plötzlich kommen sie nicht mehr mit Fragen über Burka, Krieg oder radikalen Islam“, sagt er. Und dann ist da noch die Idee, das Surfen nach Afghanistan zu bringen. Ja, Afghanistan habe andere Sorgen, sagt Amu. Aber so superverrückt sei das auch wieder nicht. Es habe was damit zu tun, Perspektiven anzubieten. Und Wellen gibt's genug, sagt Amu. Gar nicht weit von Kabul. Tolle Flusswellen.

 

 

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