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Kulturelles Erbe : Wie das Kino begann: Die Sammlung des Potsdamer Filmmuseums

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Das 1981 gegründete Filmmuseum ist das älteste Museum seiner Art in Deutschland - und inzwischen auch ein Institut der einzigen Filmuniversität. Eine Schatzgrube für Wissenschaftler und Kinofans.

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erstellt am 17.Aug.2017 | 10:17 Uhr

Das Prunkstück im Foyer des Potsdamer Filmmuseums wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar - es ist aber das technische Denkmal für den Kinostart in Deutschland: Der Doppelprojektor Bioscop, mit dem die Brüder Max und Emil Skladanowsky am 1. November 1895 im Berliner Varieté «Wintergarten» selbst gedrehte Filme zeigten. Es war die erste öffentliche Filmvorführung in Deutschland. Doch bis zur ersten Film-Klappe in Potsdam-Babelsberg dauerte es noch gut 16 Jahre: Im Februar 1912 drehte Regisseur Urban Gad mit Stummfilm-Star Asta Nielsen in einem Glasatelier auf dem Gelände einer ehemaligen Kunstblumenfabrik den Film «Der Totentanz».

Was von den Dreharbeiten aus nunmehr fast 116 Jahren Babelsberger Filmgeschichte übrig bleibt, landet im Archiv des Filmmuseums. «Wir sammeln - alles!», sagt der stellvertretende Sammlungsleiter Ralf Forster. «Dazu zählen Nachlässe von Künstlern, Aufzeichnungen von Regisseuren, Kostüme und persönliche Habseligkeiten wie das Maskottchen von Schauspielerin Henny Porten», zählt Forster auf.

Auch ein Modell des Glasateliers, in dem «Der Totentanz» gedreht wurde, ist in der ständigen Ausstellung des Museums zu sehen. Und jede Menge Entwürfe für Szenenbilder und Kulissen. Außerdem Requisiten: Ein Star ist die Rakete «Kosmokrator» aus dem DEFA-Film «Der schweigende Stern» (1960), in dem Astronauten zur Venus fliegen. Die aktuellste Requisite ist eine Eiserne Lunge für den US-Thriller «A Cure of Wellness». Der größte Teil der etwa eine Million Sammlungsstücke ist in Potsdam-Bornstedt eingelagert.

«Und jede Menge Technik - das macht etwa 40 Prozent unserer Sammlung aus», sagt Forster. Dies reicht von Tontechnik über Beleuchtung, Kinoprojektoren bis hin zu Schneidetischen und Kamerawagen. Aus der Sammlung habe sich auch Quentin Tarantino für seinen Film « Inglourious Basterds» bedient, erzählt Museum-Sprecherin Christine Handke. Ein Kinoprojektor aus den 1930er Jahren wurde in einer Filmszene eingesetzt. «Der ist nun ein doppeltes Denkmal», meint Handke. «Denn Tarantino rückt nach einem Dreh nichts raus und lässt alles vernichten - die Filme sollen für sich selber stehen.» Den Projektor jedoch musste er brav zurückgeben.

Die Sammlung werde von Wissenschaftlern, Buchautoren, Drehbuchschreibern und Privatleuten genutzt, sagt Forster. Seit sechs Jahren ist das Filmmuseum ein Institut der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, der einzigen Filmuni Deutschlands. So arbeiten Studierende vieler Studiengänge mit der Sammlung, sagt Forster. Ganz besonders der Studiengang Filmkulturerbe, der sich unter anderem mit den Techniken zur Archivierung von Filmen befasst.

Institutsleiterin Professorin Ursula von Keitz und Professor Chris Wahl haben auch das Festival «Moving History» mit initiiert, das vom 20. bis 24. September zum ersten Mal im Filmmuseum läuft. Es ist das erste deutsche Festival, das Filme mit historischen Themen aus der aktuellen Film- und Fernsehproduktion sowie der gesamten Filmgeschichte einem breiten Publikum präsentiert.

Schwerpunktthema des ersten Durchgangs ist 50 Jahre nach Beginn der Studentenunruhen und 40 Jahre nach dem »Deutschen Herbst« die mediale Geschichte der «Roten Armee Fraktion». «Gemeinsame Projekte und Angebote, wie jüngst die vielgerühmte Tanzausstellung, der Studiengang Filmkulturerbe und das neue Festival zum historischen Film zeigen, dass die forschende Filmuniversität Babelsberg und das Filmmuseum Potsdam ein in dieser Kombination in Deutschland und Europa einzigartiges Team sind», betont die Präsidentin, Professorin Susanne Stürmer.

Filmmuseum Potsdam

Moving History

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