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Billi Bierling setzt Archiv fort : Wer war wirklich auf dem Gipfeln des Himalaya?

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Aus der Onlineredaktion

Eine Deutsche führt das Himalaya-Archiv fort. Der Eintrag in der Datenbank gilt als Ritterschlag

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Ursprünglich hatte die heute 50-jährige Billi Bierling nichts für große Gipfel übrig. „Weg mit den Bergen, freie Sicht aufs Mittelmeer“, war ihr Spruch als Jugendliche.

Inzwischen hat sie den Mount Everest und vier andere Achttausender bestiegen, sie gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Bergsteigerinnen – und führt nun zusammen mit einem Team das Lebenswerk der Everest-Chronistin Elisabeth Hawley weiter. Die 93-jährige Amerikanerin wurde zur Institution: Die von ihr aufgebaute „Himalayan Database“ umfasst rund 9500 Expeditionen mit fast 70  000 Teilnehmern an 455 Gipfeln in Nepal – das größte Archiv des Himalaya-Bergsteigens.

Auch das nepalesische Tourismusministerium prüft Erfolge an den Expeditionsgipfeln. Doch es ist der Eintrag bei „Miss Hawley“, der für die meisten Bergsteiger zählt. Alle sprachen bei ihr vor: Reinhold Messner, Hans Kammerlander, Ralf Dujmovits, der als erster Deutscher auf allen 14 Achttausendern stand, und die Südkoreanerin Oh Eun-Sun, die das als erste Frau geschafft haben will. Ihr Erfolg ist bis heute umstritten. Hawley gab ihr 2010 für die Besteigung des Kangchendzönga ein „disputed“ – also „angefochten“.

Das Foto zeigt Bierling am Himalaya
Das Foto zeigt Bierling am Himalaya Foto: Angelika Warmuth
 

Was Hawley in den 1960er- Jahren als Reuters-Reporterin in Kathmandu handschriftlich und auf einer Schreibmaschine begann, führt Bierling, ebenfalls Journalistin, nun weiter. Nicht auf Papier, sondern digital und mit Online-Fragebögen, um Expeditionen einfacher zu erfassen. Und als Team, mit anderen Ehrenamtlern – darauf legt Bierling wert.

Während Hawley nie Steigeisen an den Füßen hatte, weiß Bierling, wie es auf dem Dach der Welt aussieht. „Beweisfotos“, die sich Hawley gerne vorlegen ließ, zählen für sie nur bedingt. „Meine Gipfelbilder vom Manaslu oder Cho Oyu – da könnte ich in einem weißen Zimmer stehen.“ Sie sei keine Schiedsrichterin, sondern eine Reporterin, die Daten sammele. „Für mich zählt zuerst einmal das Wort.“

Mit dem Massentourismus an den höchsten Bergen ist die Datenbank explodiert. Starteten früher alle paar Jahre extreme Bergsteiger zum Everest, sind es heute Hunderte von zahlenden Touristen pro Saison.

Bierling ruft die Datenbank auf: 2016 versuchten es in dem Zeitfenster zwischen dem 11. und 24. Mai 836 Menschen auf den Gipfel, 638 schafften es. „Der Everest ist eine Trophäe. Er ist eben der höchste Berg der Welt.“ 20  000 bis 80  000 Euro kostet der Versuch. Auch an anderen Achttausendern herrscht reger Verkehr, an der gefährlichen Annapurna I wie am einfacheren Cho Oyu. Derzeit sind Expeditionen am Manaslu, am Dhaulagiri, am Makalu und eine an der Lhotse Südwand unterwegs.

Alle Achttausender sind bestiegen. Erstbegehungen neuer Routen schaffen nur die Besten. Doch mancher möchte einen eigenen Rekord.

Bierling erreichen immer kuriosere Anfragen: Wer der Jüngste auf dem Everest war, fragen Eltern. Zu spät. Ein 13-Jähriger war oben. Nun soll der Sohn eben schnellster Jüngster werden. Ein Mann ohne Beine hat mit Prothesen den Everest erklommen, ein Blinder – und der Älteste war ein 80-jähriger Japaner. Ein Paar aus Indien wollte sich als erstes Polizistenpärchen auf dem Everest feiern lassen – aber mit einem manipulierten Gipfelbild. Die Datenbank vermerkt nicht nur „angefochten“, sondern auch „abgelehnt“. 2004 hatte Bierling, die viele Jahre in London und in Bern lebte, Hawley einen Brief geschrieben, ihre Hilfe angeboten – und den Zuschlag bekommen. Seitdem unterstützt sie Hawley, führt Interviews mit Bergsteigern, treibt die Digitalisierung voran. Alles ehrenamtlich. Bierling selbst plant keine Rekorde. „Eigentlich wollte ich nie auf den Everest. Aber als ich den 300sten interviewt hatte, der oben war, hab ich gedacht: Wenn die alle raufkommen, dann muss ich das auch mal probieren.“ Es wurde ein Zufallsrekord: Sie war die erste Deutsche, die den Everest über die Südroute erreichte und überlebte.

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