Liebe in Zeiten der Wahl : Wer Politikern am Herzen liegt

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Ein früherer Bundeskanzler ist neu liiert . Der aktuelle Kanzlerkandidat weiß seit vielen Jahren eine zuverlässige Partnerin neben sich

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21. September 2017, 21:00 Uhr

Tausende Selfies hat Martin Schulz in diesem Wahlkampf mitgemacht. Ein Foto ist etwas Besonderes für ihn. Husum, Anfang Mai. Der SPD-Kanzlerkandidat steht im dunklen Mantel mit rotem Schal vor dem „Hotel Wohlert“. Neben ihm strahlt die Besitzerin, ein paar Schritte entfernt schaut Torsten Albig zu, der in diesem Moment noch nicht ahnt, dass seine Zeit als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein abgelaufen ist. Zack, ist das Bild im Speicher.

Über diesen Schnappschuss freut sich jemand 600 Kilometer weiter südwestlich im Rheinland ganz besonders – Schulz' Ehefrau Inge, zu Hause in Würselen. Vor drei Jahrzehnten habe er ihr im „Hotel Wohlert“ einen Heiratsantrag gemacht, erzählt Schulz an jenem Mai-Tag in Husum. Aber wer ist Inge Schulz? Kaum jemand kennt die Frau des SPD-Chefs. Nie ist sie mit ihm im Fernsehen zu sehen. Wie groß ist ihr Einfluss auf den Mann, der im März mit 100 Prozent den SPD-Vorsitz eroberte, Kanzler werden will und am Wahltag zittern muss, wie tief es mit der ältesten deutschen Partei womöglich bergab geht?

Die beiden lernen sich kennen, da sitzt er noch im Stadtparlament von Würselen. Der junge Buchhändler und aufsteigende Stern der lokalen SPD betreut ein Projekt, das aus den Kohlehalden im rheinischen Bergbau-Revier blühende Naturlandschaften machen soll. Die junge Landschaftsarchitektin Inge wird engagiert. Es funkt. Und wie. „Ich habe meine Frau am 16. Mai 1985 kennengelernt. Wir sind am 21. Mai 1985 zusammengezogen. Wir haben am 15. November 1985 geheiratet“, sagt Schulz. Viele seiner Freunde hätten ihn damals angehauen, „sach mal, hast Du sie noch alle, da kennst Du die Frau grad mal drei Tage. Für mich war das am ersten Tag klar. Das ist die Frau, mit der ich zusammenbleiben möchte“ – so schildert es Schulz im Juni auf der Bühne des Berliner Gorki-Theaters bei einer Talkrunde der Frauenzeitschrift „Brigitte“.

Von Anfang macht Inge ihm klar, die große Politik bleibt zu Hause vor der Tür. „Verlange nichts von mir, was ich nicht freiwillig geben würde, nur mit der Begründung, das ist für Dein Amt“, war ihre Ansage, wie Schulz seiner Biografin Margaretha Kopeinig berichtet.

Seit drei Jahrzehnten ziehen die Schulzens das konsequent durch. Nur wenige gemeinsame Fotos in der Öffentlichkeit existieren. Eins zeigt die beiden, händchenhaltend bei der Stimmabgabe zur Europawahl. Frau Schulz, schaut mit einem gewinnenden Lächeln in die Kameras. Weder beim Jubel-Trubel-Gottkanzler-Parteitag im März ist sie dabei noch im Wahlkampf.

Peer Steinbrück war da anders. Der glücklose SPD-Kanzlerkandidat lässt sich im Wahlsommer 2013 überreden, bei einem kleinen Parteitag mit seiner Frau Gertrud aufzutreten, um emotionaler zu wirken. Als die Lehrerin davon anfängt, was Steinbrück alles für den Job geopfert habe („Uns ging es super gut. Wir hatten Freiheit und Freizeit, wir konnten Scrabble spielen, wann wir wollten“), muss Steinbrück vor Rührung weinen. Solche Bilder will Schulz nicht.

Vor ein paar Tagen macht er Wahlkampf in Marburg. Zum Interview mit der linken „Tageszeitung“ hat er sich in einem Hotel verabredet. Mitten im Gespräch bimmelt sein Smartphone. Inge hat ein Foto geschickt. Ein Hibiskus hat sich im Garten selbst ausgesät. „Meine Frau weiß sehr genau, was die Leute umtreibt“, sagt Schulz da der „taz“. „Sie spricht mit Nachbarn, meine Geschwister leben in der Nähe, mein Bruder hat dort seine Arztpraxis. Das ist mein Anker im normalen Leben.“

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