Berlin & Beyond : «Welcome to Germany»: Simon Verhoeven eröffnet US-Filmfest

Frederick Lau (l-r), Simon Verhoeven, Festival-Leiter Sophoan Sorn und Markus Goller beim Empfang im Deutschen Konsulat. in San Francisco.
Foto:
Frederick Lau (l-r), Simon Verhoeven, Festival-Leiter Sophoan Sorn und Markus Goller beim Empfang im Deutschen Konsulat. in San Francisco.

Lars Eidinger und Frederick Lau werden geehrt, Simon Verhoeven stellt in San Francisco «Willkommen bei den Hartmanns» vor. «Berlin & Beyond» ist das größte deutschsprachige Filmfestival in den USA.

svz.de von
11. Februar 2018, 13:17 Uhr

«Welcome to Germany» - das ist der englische Titel des deutschen Publikumshits «Willkommen bei den Hartmanns». Mit seiner Flüchtlingskomödie hat Regisseur Simon Verhoeven in der Nacht zum Samstag das 22. «Berlin & Beyond»-Filmfestival in San Francisco eröffnet.

Flüchtlingskrise, die Aufarbeitung des Holocaust, die Sorge um einen behinderten Jungen: Willkommen zu ernsten, deutschen Stoffen. Doch als warmherzige Tragikomödien aufbereitet bestimmen diese Themen das größte deutschsprachige Filmfest in den USA.

Er hoffe auf «angeregte, lange Diskussionen», sagte Verhoeven vor der Premiere in San Francisco, wenn er seine Komödie über eine Münchner Familie, die einen Flüchtling aus Nigeria bei sich Zuhause aufnimmt, dem amerikanischen Publikum zeige. Eine vergnügliche Lektion über die Flüchtlingskrise in Deutschland? «Das ist ein historischer Moment, der in dem Film von verschiedenen Seiten abgebildet wird», meint Verhoeven: «Zum einen die Notsituation von Menschen, die zu uns kommen, zum anderen die absurden Blüten, die das mit sich bringt» und «die Polarisierung, die durch unser Land, durch Familien und die Gesellschaft geht».

Diese Familie könnte auch in Beverly Hills wohnen, witzelt der 45-jährige Regisseur, der die Rolle der Frau Hartmann mit seiner Mutter Senta Berger (76) prominent besetzte. Verhoeven, der in New York unter anderem eine Schauspielausbildung durchlaufen und Filmregie an der Tisch School of Fine Arts studierte, hat aus den USA auch schon Anfragen für ein Remake bekommen. An einen Ortswechsel denkt er aber nicht. «Ich bin wirklich sehr glücklich, in Deutschland Filme zu machen», versichert Verhoeven, der auch die Drehbücher zu seinen Filmen schreibt. «In der deutschen Sprache fühle ich mich zuhause und kann präziser erzählen.»

Mit fast zwei Dutzend Spielfilmen, Dokus und Kurzfilmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollten sie ein «modernes, facettenreiches und realistisches» Deutschlandbild präsentieren, sagte Sigrid Savelsberg, Leiterin des Goethe-Instituts in San Francisco. Dem Ruf der Deutschen, «dass alles so bierernst ist», würden sie mit mehr Humor im diesjährigen Filmprogramm begegnen.

Regisseur Markus Goller (48) und Hauptdarsteller Frederick Lau (28) feiern in San Francisco die Nordamerika-Premiere ihrer Tragikomödie «Simpel» über ein ungleiches Bruderpaar. «Wir lassen unser Gefühl und unser Herz sprechen, was nicht unbedingt den Deutschen nachgesagt wird», meint Lau. In «My Brother Simple», so der englische Titel, spielt er den älteren Bruder Ben, der sich liebevoll um den geistig behinderten Barnabas (David Kross) kümmert.

Goller, der für seinen ersten Film «Friendship!» (2010) schon auf der Golden Gate Bridge in San Francisco drehte, glaubt an die «universelle Botschaft» von «Simpel». «Es geht um einen wichtigen Grundwert in unserer Gesellschaft, dass man füreinander da ist.» Fünf Jahre habe er an dem Film gearbeitet. «Es ist toll, jetzt hier in den USA zu sein, und dieses Thema nahe zu bringen».

Bei einem Festival-Empfang sind Goller und Lau von einer Gruppe Teenagern aus Kanada, Mexiko und den USA umringt. Sie haben «Simpel» als Jugend-Jury als besten Film ausgesucht. Zum fünften Mal stimmen bei «Berlin & Beyond» Schüler im Rahmen des Programms «Youth 4 German Cinema» mit ab. «Unglaublich ergreifend und emotional mit tollen Darstellern», sagt der 16-jährige Erick Cardona aus Mexiko über «Simpel». 

Lau und sein Kollege Lars Eidinger (42) sind in diesem Jahr die Preisträger des Spotlight Awards als beste Schauspieler. In den vergangen Jahren wurden Julia Jentsch, Tom Schilling und Ronald Zehrfeld geehrt. Eidinger präsentiert beim Festival die Tragikomödie «Die Blumen von gestern», in der er einen Holocaustforscher spielt. Der Nachfahre prominenter NS-Täter verliebt sich in eine Forschungsassistentin jüdischer Herkunft.

Im Programm sind auch die romantische Komödie «SMS für Dich», das Spielfilm-Regiedebüt von Karoline Herfurth; «Jugend ohne Gott» von Alain Gsponer und das Familiendrama «Leanders letzte Reise» mit Jürgen Prochnow. Abschlussfilm des siebentägigen Festivals ist das Expressionisten-Biopic «Egon Schiele» von Regisseur Dieter Berner.

«Berlin & Beyond» zog zuletzt mehr als 8000 Zuschauer an. Mit dem Erfolg von Fatih Akins «Aus dem Nichts» bei den Golden Globes sei auch wieder das Interesse am deutschen Kino in den USA gestiegen, meint Festival-Leiter Sophoan Sorn.

Für Verhoeven ist es der erste Besuch in San Francisco. Er sei mit der Detektiv-Serie «Die Straßen von San Francisco» aufgewachsen und wollte die Stadt unbedingt einmal kennenlernen, sagte der Regisseur. «Die Stadt ist wunderschön, ein ganz eigenes Feeling, nicht so clean, wie New York inzwischen geworden ist. Sie hat etwas Wildes», so der erste Eindruck.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen