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Lutz Jahoda wird 90 : „Was war, ist Erinnerung“

vom
Aus der Onlineredaktion

Vom Operettenbuffo zum Star im DDR-Fernsehen: Lutz Jahoda feiert heute seinen 90. Geburtstag

Er begeisterte das Publikum singend als charmanter Schmidtchen Schleicher oder braver Soldat Schwejk. Zu seinen Hits zählten launige Lieder wie „Die Blasmusik von Kick-ritzpotschen“ oder „Ladislaus, komm pack deine Fiedel aus“. Und mit seinen Sendungen und Shows im DDR-Fernsehen zählte Lutz Jahoda zu den beliebtesten Entertainern.

Seit dem Mauerfall war er nur noch selten auf dem Bildschirm zu sehen. Auf der Bühne stand er noch in der Komödie Dresden. Am Sonntag wird Jahoda 90 Jahre alt. Aber Ruhestand ist weiterhin nichts für ihn, wie er auch Ende April beim Warm-up zum 27. Filmkunstfest MV im Verlagshaus unserer Zeitung erzählte.

Königs Wusterhausen, nahe Berlin, im Frühjahr 2017: Im Museum auf dem Funkerberg unterhält sich ein älterer Herr mit einer Besucherin. Er ist elegant gekleidet: helle Hose, helle Jacke, roter Schal. Es ist Lutz Jahoda. Einmal im Monat übernimmt er ehrenamtlich die Aufsicht in der Ausstellung „Es gab nicht nur den ,Schwarzen Kanal‘ – Streiflichter aus 39 Adlershofer Fernsehjahren“.

Die Schau erinnert an die Stars des DDR-Fernsehens. Eine Vitrine ist allein Jahoda gewidmet. Er war erstmals 1955 im Deutschen Fernsehfunk zu sehen, dem Vorläufer des DDR-Fernsehens. „Operettenkabinett“ hieß die Folge.

An sein erstes Buch, „Mit Lust und Liebe“ (1972), lehnte sich der Titel der TV-Reihe „Mit Lutz und Liebe“ an. Mit ihr startete das DDR-Farbfernsehen. Zehn Jahre blieb die Produktion auf dem Sender, abgelöst von der Samstagabendreihe „Spiel mir eine alte Melodie“.

Mit der Schauspielerin Heidi Weigelt bestritt Jahoda zudem die Fernsehreihe „Wunschbriefkasten“. 1983 kürte ihn die Fernsehzeitschrift „FF-dabei“ zum „Fernsehliebling des Jahres“.

Begonnen hatte Jahodas Künstlerleben am Theater in seiner Heimatstadt Brünn (Brno). „Es war Krieg, Männer waren Mangelware, also diente ich bei der Freiwilligen Feuerwehr, deren Chef gleichzeitig Inspizient am Stadttheater war“, erzählt Jahoda. Daraus ergab sich die eine oder andere Statistenrolle und schließlich sogar eine mit einem Satz.

Den Satz richtete der damals 16-Jährige an Hilde Engel, deren kleiner Sohn Timm Maria später als Frank Elstner berühmt wurde. Jahodas Tante Mary und Onkel Ferry waren dessen Taufpaten. Mit Frank Elstner habe er noch heute Kontakt, berichtet Jahoda.

Jahodas Traum war damals eine journalistische Karriere: „Ich schwärmte vom rasenden Reporter Egon Erwin Kisch, von Erich Kästner und von Kurt Tucholsky.“ In Berlin – dorthin zog er mit den Elstners – nahm er aber auch Schauspielunterricht. Am Theater der Altmark wurde er dann Operettenbuffo.

Seinen Jugendtraum, das Schreiben, erfüllte sich Jahoda im Rentenalter. Er verfasste Artikel für eine Monatszeitschrift und die Romantrilogie „Der Irrtum“. Demnächst erscheint sein deutsch-amerikanisches Lesebuch „Lustig ist anders“.

„Mir geht es gut“, sagt der Jubilar. Er lebt mit seiner sechsten Ehefrau südöstlich von Berlin. Sein jüngster von insgesamt vier Söhnen ist 19, sein ältester 63 Jahre alt.

In einem Gedicht, das sich Lutz Jahoda zu seinem 90. schenkt, heißt es: „Die Zeit der schnellen Jahre hat begonnen. Fest steht schon heute, wer gewinnen wird. Was war, ist zur Erinnerung geronnen: Es wärmt das Herz, sich kurz darin zu sonnen. Wer seufzend mehr erwartet hat, der irrt.“

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