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TV-Tipp : Was ich von dir weiß

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Jahrzehntelang verheiratet, und doch so viele Geheimnisse. Thekla Carola Wied und Uwe Kockisch müssen sich als Ehepaar in einem ZDF-Film mit schmerzhaften Wahrheiten auseinandersetzen.

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2017 | 00:01 Uhr

«Ich hab mich verliebt. In meinen Professor», platzt es aus Studentin Ruth heraus. Die ist keineswegs Anfang 20 und die Liebschaft keine studentische Schwärmerei. Ruth (Thekla Carola Wied) ist schon Oma und seit mehr als 40 Jahren verheiratet. «Verarschst Du mich jetzt?», entgegnet denn auch ihr verdutzter Sohn als erstes. Nein, Ruth meint es in dem ZDF-Film «Was ich von dir weiß», in dem August Zirner als ihr Professor und Uwe Kockisch als ihr Mann zu sehen sind, sehr ernst.

«Dass mir so was passiert. Ich bin glücklich... Ich hatte völlig vergessen, wie das ist, wie sich das anfühlt», sagt die Senioren-Studentin. Das klingt nach kitschiger Romanze. Ist es aber nicht. Denn in dem angenehm leisen Film von Regisseurin und Drehbuchautorin Isabel Kleefeld («Im Netz»), den das Zweite am Montag (28. August) um 20.15 Uhr ausstrahlt, geht es insbesondere um die Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, um Lebenslügen und unterdrückten Schmerz. «Wie konntest Du es zulassen, dass wir beide so einsam werden?», sagt Ruth einmal zu ihrem Mann.

«Es geht um ein Menschheitsthema schlechthin - unseren gebrochenen Umgang mit Wahrheit», sagt Wied dazu in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. «Die Menschen können nicht mehr miteinander reden, ihre Probleme nicht mitteilen. Und irgendwann eskalieren natürlich die Lügen», beschreibt es die 73-Jährige.

Ruth und ihr Mann Martin leben in ihrer Ehe nebeneinander her. In seinem spießigen Einfamilienhaus schläft das Paar getrennt, viel zu sagen haben sich die beiden nicht mehr. Der Ex-Polizist und Rentner geht noch gerne auf den Schießstand, werkelt in seinem Hobbyraum und mäht den Rasen. Die engagierte Großmutter hat derweil mit ihren Philosophie-Vorlesungen an der Kölner Uni eine neue Leidenschaft entdeckt und darüber ihr neues Liebesglück gefunden. Auch, wenn ihr das nicht leichtfällt: Nach Jahrzehnten will sie nun einen Neustart im Leben wagen.

So ruhig und behäbig wie das Zusammenleben des entfremdeten Ehepaares fängt auch der Film an. Doch nach und nach brechen immer mehr schmerzhafte Wahrheiten auf: Ruth erfährt, dass ihr Mann schon seit vielen Jahren ein Doppelleben führt - und sie auch jahrelang über die Todesumstände ihrer gemeinsamen Tochter belogen hat. Für Ruth bricht eine Welt zusammen.

Wied («Ich heirate eine Familie»), «Commissario Brunetti» Kockisch (73/«Weissensee») und Zirner (61/«Wut») ergänzen sich in dem Familiendrama gut. Sehenswert neben der populären Schauspielerriege sind aber etwa auch Daniel Wiemer als Sohn und Neda Rahmanian als Schwiegertochter - auch ihr Familienleben läuft keineswegs perfekt.

Ein klassisches Happy End gibt es bei dem Film - glücklicherweise - nicht. Er endet zugleich traurig und versöhnlich. Wied beschreibt den Film selber ganz treffend: «Er ist nicht leicht anzusehen. Aber sehr lohnend.»

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