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Guinness-Schiedsrichterin : Wächterin der Superlative

vom
Aus der Onlineredaktion

Lena Kuhlmann ist die einzige deutsche Guinness-Schiedsrichterin

Geht es bei Gesprächen auf Partys um Berufe, ist sie meist erstmal zurückhaltend. „Anderenfalls versuchen die Leute sofort, irgendetwas vorzumachen, das sie besonders gut können“, sagt Lena Kuhlmann. Das passiere jedes Mal. „Hinterher fragen sie dann meist: Reicht das?“ Tut es in der Regel aber nicht. Denn die 30-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie ist Deutschlands einzige Schiedsrichterin für das Guinness-Buch der Rekorde.

Ein- bis zweimal die Woche entscheidet die gebürtige Niedersächsin über Gelingen oder Scheitern. Ihr Job besteht aus viel mehr als nur dem Stoppen von Zeiten oder dem Zählen von Teilnehmern einer Rekordwette. „Die Vorbereitung der Rekordversuche nimmt oft viel Zeit in Anspruch, im Vorwege gilt es die Abläufe mit den Rekordlern zu klären und die Regeln abzustecken“, sagt Kuhlmann. Sie ist oft mehrere Tage unterwegs, meist an den Wochenenden. Ihre Arbeitsorte heißen dann Philippinen, Rumänien, Moskau oder Hannover.

Seit Anfang des Jahres ist sie selbstständige Richterin im Auftrag von Guinness Word Records. Kuhlmann ist fasziniert von der Leidenschaft mancher Rekordler – und interessiert sich für die Geschichte dahinter. Angetan hat es ihr ein Mann, der die meisten Wasserballons innerhalb einer Minute an seinem Körper zerplatzen ließ. „Er hält auch den Weltrekord für einen 100-Meter-Lauf in Klocks“, sagt die Schiedsrichterin.

Kuhlmann stoppte auch die Zeit, als ein Mann sich selbst entzündete. „Die längste Zeit im Ganzkörperbrand: 5:49 Minuten, ohne Sauerstoff wohlgemerkt“, sagt sie. Möglich sei das nur gewesen, indem der Rekordhalter unentwegt rannte, damit die Flammen nicht ins Gesicht stiegen und er atmen konnte. „Das fand ich Wahnsinn.“ Jede Woche treffen nach Guinness-Angaben etwa 1000 Anmeldungen ein.

Allein in Deutschland gab es in diesem Jahr bereits 899 Anträge. „2016 gab es bisher 40 neue abgenommene Rekorde in Deutschland“, so eine Sprecherin. Mehr als 40 000 Rekorde sind insgesamt gelistet. An diesem Donnerstag wird das neue Guinness-Buch vorgestellt.

Aber wie wird man Weltrekord-Schiedsrichterin? „Ich habe einfach bei Guinness angerufen“, sagt Kuhlmann. Das war Ende 2015. Die ehemalige Kommunikationsexpertin einer Werbeagentur war von einer Weltreise zurückgekehrt. In einem Fernsehbericht erzählte ein Schiedsrichter von den Reisen, der Jagd nach Rekorden. „Reisen ist meine Leidenschaft“, sagt sie.

Die Hamburgerin hatte Glück. Ein deutscher Schiedsrichter wurde gerade gebraucht. Nötig seien Kommunikationstalent, Integrität, Sensibilität für andere Kulturen und innere Ruhe, wenn es rundherum wild werde, sagte Kuhlmann. Unter ihren Kollegen seien Rechtsanwälte genauso wie Schauspieler. Würde sie bei einer guten Idee auch mal ein Auge zudrücken? „Nee, das wird nie passieren“, sagt sie.

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