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Heike Drechsler : Vom Mustermädchen zur umstrittenen Legende

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heike Drechsler ist eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen der Geschichte – doch Kritiker stellen ihre Leistungen immer wieder in Frage

Heike Drechsler gilt als eine der größten Leichtathletinnen der Geschichte. Doch über ihren Erfolgen liegt auch ein dunkler Schatten. Bis heute bestreitet die Blondine mit den langen Beinen, wissentlich gedopt zu haben. „Keiner kann etwas dafür, dass er in so einem System geboren wird“, sagte sie jüngst über den Start ihrer Karriere in der DDR. Gestern feierte Drechsler ihren 50. Geburtstag.

Das Talent von Heike Drechsler war groß. Schon mit 17 war sie 1983 Weltmeisterin. Sie sprang Weltrekord und holte zweimal Olympia-Gold, zweimal WM-Gold und insgesamt fünfmal EM-Gold. Sie war Weltklasse im Siebenkampf, lief die 100 Meter unter elf Sekunden und hält noch heute den deutschen Rekord über 200 Meter (21,71 Sekunden) zusammen mit Marita Koch. Für ihre Leistungen wurden beide Sportlerinnen nun in die Hall of Fame des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) aufgenommen. Für Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), ist die Auszeichnung eine Schande für den Sport. Mit der Aufnahme in eine Ruhmeshalle sollte eine Vorbildwirkung verbunden sein. Diese komme nur Leistungen zu, die nicht unter Dopingverdacht stehen, sagte er. Das treffe auf Drechsler nicht zu. Der Grund: Nach der Wende wiesen Doping-Aufklärer nach, dass Drechsler in den 1980er-Jahren in der DDR kontinuierlich das Anabolikum Oral-Turinabol verordnet bekommen hatte. Die Sportlerin, die nach dem Fall der Mauer ihre größten Erfolge feierte und als „Goldesel“ der deutschen Leichtathletik galt, bezeichnete die Vorwürfe jedoch als Lüge.

Auch Ines Geipel äußerte sich kritisch zu Drechslers Aufnahme in die Hall of Fame. Die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), bezeichnete die Aswahl als „einfach nur erschütternd“. Für ein Gremium wie die IAAF sei es „ausgesprochen heikel, wenn es historische Aufarbeitung in Mitgliedsländern völlig negiert“, sagte Geipel.

Heute lebt Ex-Profisportlerin Drechsler in Karlsruhe und arbeitet für eine Krankenkasse. Die gelernte Unterstufen-Lehrerin setzt sich gegen Kindesmissbrauch ein und engagiert sich im Kampf gegen Multiple Sklerose und Leukodystrophie.

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