Oktoberfest in München : Volksfest hinterm Sicherheitszaun

Riesiger Andrang beim Oktoberfest - es dauert bis zum 3. Oktober.
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Riesiger Andrang beim Oktoberfest - es dauert bis zum 3. Oktober.

Zum Oktoberfest in München werden Hunderttausende Besucher erwartet – der größte Wunsch aller ist, dass nichts passiert

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17. September 2017, 21:00 Uhr

Zuerst floss Regen, dann Bier in Strömen - feucht-fröhlich hat am Wochenende das Münchner Oktoberfest begonnen. In den Zelten feierten die Gäste ausgelassen und entspannt. Terror-Sorgen blieben außen vor. Immerhin ist die Theresienwiese für die nächsten zwei Wochen mit Hunderten Polizeibeamten und weit über 1000 Security-Mitarbeitern einer der bestbewachten Orte der Welt. Die Kontrollen, das Rucksackverbot und der Zaun rund ums Festgelände hielten die Gäste nicht ab: Rund 600 000 Besucher und damit 100 000 mehr als im Vorjahr kamen am ersten Wochenende nach Schätzungen der Festleitung zum größten Volksfest der Welt. „Die Liebe zur Wiesn kehrt zurück“, sagte Festleiter und Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Hatten manche den Trachtentrend schon im Abklingen gesehen, so wurden sie am Sonnabend und Sonntag eines Besseren belehrt: Lederhose und Dirndl, letztere sogar in seriös-hochgeschlossenen Varianten, dominierten die Oktoberfest-Mode. Kombiniert wird häufiger als früher mit traditionellen Haferlschuhen - und immer wieder mit weißen Turnschuhen.

In den einschlägigen Zelten herrschte eher mäßige Promi-Dichte. Barack Obama, von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ausdrücklich eingeladen, hatte abgesagt. Fußball-Nationalspieler Mats Hummels war da, der Maler Markus Lüpertz, die Schauspielerinnen Susanne Wuest und Sibel Kekilli, die Schlagerstars Marianne und Michael Hartl sowie Roberto Blanco, TV-Moderator Florian Silbereisen, Sänger Patrick Lindner mit seinem Lebenspartner Peter Schäfer.

Auf den Bänken in den Zelten schunkelten die Massen zu erprobten Wiesn-Hits. Zehntausende Liter Bier rannen durch durstige Kehlen. Hinter den Zelten übermannte manch einen der Schlaf - über den die Polizei sorgsam wachte: Die Beamten nahmen mehrere Diebe fest, die sich an die Taschen der bierselig Träumenden herangemacht hatten – und prägten den Begriff „Schläferdiebe“.

Zwei Straßen weiter bei den Schaustellern katapultierten festlich beleuchtete Fahrgeschäfte die Gäste gen Himmel - den Wiesnchef Schmid zuvor mit nur partiellem Erfolg um gutes Wetter angefleht hatte. Er habe versucht, den Petrus anzurufen, ihn aber nicht erreicht, sagt Schmid nach dem verregneten Einzug der Wirte am Sonnabend. Unter Regenschirmen hatten die Besucher stundenlang geduldig bei mitgebrachter Brotzeit, Kaffee und Bier vor den verschlossenen Eingängen ausgeharrt, die erstmals erst um 9 Uhr öffneten. Begrüßt über die neue Lautsprecheranlage, die im Alarmfall Besucherströme sicher leiten soll, stürmten schließlich die ersten Gäste aufs Gelände – ein Wettlauf um die besten Plätze im Bierzelt. Zuvor waren gerade erst die letzten Lieferwagen vom Festgelände gerollt. Die Entzerrung von Lieferverkehr und Besucherströmen ist eine Konsequenz aus den Lkw-Anschlägen unter anderem in Nizza, Berlin, London und Barcelona.

Am Sonnabend hatte Oberbürgermeister Reiter das Fest eröffnet und mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf eine friedliche Wiesn angestoßen. Den Endspurt des Bundestagswahlkampfes sehen Sicherheitsexperten als zusätzliches Risiko. Die Wiesn selbst ist traditionell politikfreie Zone und als Wahlkampfbühne tabu. Hier soll gemeinsam gefeiert werden, jenseits von Parteipolitik, Alltags- und Terror-Sorgen. Seehofers Rat: Die Menschen sollten diese Wiesn „als Wohlfühltermin wahrnehmen“. Reiter wiederum, der das erste Fass Bier erneut erfolgreich mit nur zwei Schlägen anzapfte, destillierte daraus eine Regel, die weit über das Oktoberfest hinaus Geltung haben kann: „Präzise ist wichtiger als fest.“

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