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Interview: Neda Rahmanian : Verknallt in Elvis

vom
Aus der Onlineredaktion

Schauspielerin Neda Rahmanian über die Liebe zum King und zur Ordnung.

Für die Perser ist sie mehr Deutsche und für die Deutschen ist sie mehr Perserin: Neda Rahmanian ist zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Nach Kroatien verschlägt es sie nun in der Rolle der Kommissarin Branka Maric für die ARD-Donnerstags-Krimis. Im Interview spricht die Schauspielerin über gutes Essen, Elvis und Existenzängste.

 

Sie haben mit vier Jahren Ihre Geburtsstadt Teheran verlassen. Woran erinnern Sie sich noch?
Obwohl ich noch sehr klein war, erinnere ich mich an viel. Ich erinnere mich an unser Haus, die Straßenzüge, den Kindergarten. Uns umgaben andere Klänge, andere Luft und anderes Wetter (lacht).


Ihre erste Station in Deutschland war Aschaffenburg. Wie haben Sie sich dort akklimatisiert?
Mit viereinhalb Jahren war es für mich kein großer Unterschied, von einer Millionenstadt in eine Kleinstadt zu ziehen. Für meine Familie war es wesentlich schwieriger. Als Kind bin ich da sehr geschmeidig durchgegangen. Nur der erste Kindergartentag war ein Schock, weil ich festgestellt habe, dass niemand meine Sprache spricht. Glücklicherweise habe ich die deutsche Sprache dort sehr schnell und spielerisch gelernt. Für meine Eltern und Geschwister war das deutlich aufwendiger.


Was fehlt Ihnen aus dem Iran?
Eigentlich vermisse ich nichts, da ich ja hier aufgewachsen bin. Deutschland und der Iran sind so unterschiedlich. Das Leben in Teheran ist viel chaotischer. In Deutschland hingegen ist alles sehr strukturierter. Ich mag das gern, ich steh auf Ordnung (lacht), obwohl Chaos auch was Lebendiges hat. In Teheran schlägt ein bestimmter Puls, ähnlich, wie in jeder Metropole. Diesen Puls spüre ich in mir und kann ihn ausleben, deshalb fehlt mir auch nichts. Zudem habe ich das große Glück, auch beruflich immer wieder auf den Iran zu treffen.


Was können wir Deutschen uns von den Iranern abschauen?
Aus dem Reisetagebuch „They Would Rock“ stammt das Zitat: „Die Iraner planen wenig und leben in den Alltag hinein und die Deutschen planen viel und vergessen dabei den Moment.“ Vielleicht ist es genau diese chaotische Lässigkeit (lacht) oder ein Versuch, sortiert zu sein und sich dennoch eine innere Lässigkeit zu bewahren.


Welche Rolle spielt für Sie Nationalität?
Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, sage ich, dass ich Perserin bin. Ich bin dort geboren, ich sehe so aus, und ich beherrsche die Sprache. Im Herzen fühle ich eine iranisch-deutsche Mischung. Für die Perser bin ich mehr Deutsche und für die Deutschen bin ich mehr Perserin.


Warum ist Ihre Familie damals nach Deutschland gekommen?
Die Familie meiner Mutter lebte schon seit den 50er Jahren in Deutschland. Und als wir hier wieder einmal im Urlaub waren, die ganze Familie vereint, entschieden meine Eltern, dass wir ebenfalls hier bleiben. Zudem hatte sich die politische Situation im Land immer weiter verschärft. Somit ist es der längste Urlaub meines Lebens geworden. Wir mussten damals nicht flüchten, wie die Menschen heute, die einen unglaublichen Höllenweg hinter sich haben.


Im neuen Kroatien-Krimi der ARD spielen Sie die Kommissarin Branka Maric. Ein neuer Krimi unter vielen – warum haben Sie gerade bei diesem Krimi zugesagt?
Kommissarin Branka Maric ist sehr speziell. Für mich ist sie keine normale Kommissarin. Sie geht mit Highheels durch Split und arbeitet mit einer Leichtigkeit und einer schrägen Risikobereitschaft. Zudem setzt sie sich in einer absoluten Männerdomäne durch. Es hat mir große Freude bereitet, diese Rolle spielen zu dürfen.
 

Sind Sie selbst ein Krimi-Fan?
Als Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich schau sonntags sehr gerne den Tatort. Und jetzt natürlich auch den Donnerstags-Krimi, es ist spannend zu sehen, in welchen europäischen Ländern die Kollegen gespielt haben. Es gibt aber auch andere Formate, und das deutsche Fernsehen bietet mittlerweile wirklich gute Filme mit tollen Drehbüchern.


Wie viel Kommissarin steckt denn in Ihnen?
„Ich finde es nicht der Mühe wert, die Dinge halb zu tun.“ Dieses Zitat drückt meine persönliche Haltung aus, aber auch eine nicht unwichtige Eigenschaft für eine Kommissarin. Das hat mir natürlich geholfen. Ich persönlich gebe sehr ungern mittendrin auf. Ich weiß aber nicht, ob das reicht, um beruflich umzusatteln und eine gute Kommissarin zu sein (lacht), ich denke, ich spiele sie lieber.


Wie verbringen Sie den Tag der Ausstrahlung?
Wenn es mir möglich ist, schaue ich mir meine Filme an. Als „Leberkäseland“ ausgestrahlt wurde, war ich gerade mitten in den Dreharbeiten in Kroatien. In letzter Minute nach Drehschluss bin ich mit Kuchen in das Hotel eines Kollegen gerannt, um es mit ihm zusammen anzusehen. Er hatte immerhin ARD-Empfang, und zu zweit ist es eh schöner. Das ist schon ein besonderes Gefühl, wenn ich weiß, dass nun der Moment ist, in dem alle zuschauen.


Branka bewegt sich in einer Männerdomäne. Wie sieht es in der Schauspielerei aus?
Natürlich ist die Rollenauswahl für Männer nach wie vor größer. Das ist auch der Vergangenheit geschuldet, da vor allem Theaterstücke, aber auch die Filme zu einer Zeit geschrieben wurden, in der Frauen gesellschaftlich häufig keine große Rolle gespielt haben. Bis heute haben wir keine vollständige Gleichberechtigung. Aber wir sind auf einem guten Weg, die Kommissarinnen sind nur ein Beispiel dafür.
 

Beschleichen Sie Existenzängste?
Ich kenne das Gefühl, klar. Aber auch ich musste lernen damit umzugehen. Talfahrten vergisst man nie. Manchen Kollegen hilft es, in einem festen Engagement zu spielen. Da ist man dann zumindest finanziell das Jahr über abgesichert. Ich hingegen habe mich sehr früh für das freie Arbeiten entschieden und kann es mittlerweile in Kauf nehmen, dass nicht alles bis zum Jahresende durchgeplant ist. Es gibt immer etwas zu tun, und deshalb habe ich diese Entscheidung nie bereut. Am Ende ist es eine Typ-Sache, was man besser leben kann. Es gibt kein richtig oder besser.


Also leben Sie angstfrei?
Nein, natürlich gibt es Ängste. Nach jeder Produktion gibt es immer wieder Ängste. Aber die Erfahrungen aus der Vergangenheit beruhigen mich.


Sie sind für Ihre Jobs viel unterwegs. Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Zuhause trage ich in meinem Herzen, also bin ich mein Zuhause, das ist ganz praktisch (lacht). Natürlich ist mein geografisches Zuhause in Hamburg. Ich freue mich immer, nach Hause zu kommen, um auch mit den Menschen, die ich liebe, zusammen sein zu können. Aber auch das Losziehen für eine neue Produktion, mit neuen Aufgaben und neuen Menschen bleibt etwas Besonderes. Unterwegs sein gehört zu diesem Beruf, und das Telefon ist überhaupt eine großartige Erfindung.
 

Was macht Hamburg für Sie so lebenswert?
Hamburg ist so herrlich maritim. Ich liebe den Hafen, den Geruch der Elbe und das „Moin“. Auch das Understatement schätze ich in Hamburg sehr. Alles ist selbstverständlich und unaufgeregt. Das paart sich großartig mit meinem Temperament (lacht). Außerdem finde ich die Stadt wirklich pittoresk. Zudem lebt meine Familie hier, auch das macht die Stadt sehr lebenswert für mich.

 

Ihre Mutter ist Schneiderin, und Sie sollen tolle Pyjamahosen nähen können. Was macht einen guten Pyjama aus?
Eine doppelte Naht, ein sauberes Ketteln der Naht, ein guter Schnitt und ein toller Stoff sind essenziell. Leider komme ich heute nur noch sehr selten dazu. Aber die Nähmaschine wird weiterhin benutzt. Handwerklich zu arbeiten ist einfach was Schönes, es schwindet nicht und bleibt greifbar, ganz gleich, ob ich etwas repariere oder male oder ein Instrument spiele.


Wie kamen Sie darauf, Schauspielerin zu werden?
Die Schauspielerei nahm ihren Lauf in der Theater-AG in der Schule, dort wurde die Leidenschaft geweckt. Zwischenzeitlich hatte ich eine kurze Phase, in der ich überlegte, Anwältin zu werden. Relativ schnell wurde mir aber klar, dass ich lieber eine Anwältin spielen wollte (lacht). Die Lust am Spielen und Figurenerfinden und in dieser anderen Welt zu sein war gigantisch, und ich hatte keine andere Wahl, als diesen Beruf zu ergreifen.


Was haben Ihre Eltern dazu gesagt?
Meine Eltern waren erst mal nicht begeistert, aber sie hatten meine ganze Schullaufbahn Zeit, sich daran zu gewöhnen. Das war ein strategisch guter Zug des Schicksals. Sie haben mir dann die Rückendeckung gegeben, meinen Traum zu verwirklichen – ohne sie und ihre Unterstützung hätte ich diesen Weg nie gehen können.

 

Hatten Sie ein Idol?
Nein, ich war einfach nur unendlich in Elvis verknallt. Ich war sechs, er war leider schon tot. Dennoch war er der einzige Star, der es als Poster über mein Bett geschafft hat. Vielleicht haben die Filme von Elvis auch unterbewusst den Ausschlag gegeben, und ich dachte, ich müsste den Beruf des Schauspielers ergreifen, um zu Elvis in den Fernseher zu kommen (lacht).

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