Ostrock-Legende City : Verbeugung vor einem Song

City: Keyboarder Manfred „Manne“ Hennig (v.l.n.r.), Gitarrist Fritz Puppel, der Schlagzeuger Klaus Selmke, der Sänger Toni Krahl und der Bassist und Geiger Georgi „Joro“ Gogow
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City: Keyboarder Manfred „Manne“ Hennig (v.l.n.r.), Gitarrist Fritz Puppel, der Schlagzeuger Klaus Selmke, der Sänger Toni Krahl und der Bassist und Geiger Georgi „Joro“ Gogow

Die Band City feiert in diesem Jahr Doppel-Jubiläum und bringt jetzt ein neues Album heraus

svz.de von
04. April 2017, 21:00 Uhr

Das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“, das vertonte Testament einer Lyrikerin und ein Roadmovie mit einem Mörder: Diese Mischung findet sich auf einem neuen Rock-Album aus Berlin, das am Freitag erscheint. Es ist die 15. Platte der Band City. Die fünf Musiker, die alle über 60 sind und überhaupt nicht ans Aufhören denken, feiern in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Den 45. Geburtstag der Band und den 40. Geburtstag ihres größten Hits „Am Fenster“.

Sänger Toni Krahl (67) sagt gestern bei der Präsentation des Albums: „Die Jahre sind ins Land gezogen und auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen.“ Der Glatzkopf mit der prägnanten rauchigen Stimme und seine vier ebenfalls kahlköpfigen Kollegen wirken aber immer noch jünger, als sie sind. In Jeans und Lederjacke oder Jackett stecken durchtrainierte Körper. Am 28. April beginnt die Tour in Schwerin.

Das Album heißt „Das Blut so laut“. Das ist eine Zeile aus dem Hit „Unter der Haut“ aus dem Jahr 1983. Der neue Song ist quasi dessen Fortsetzung, aber: „Wir sind inzwischen erwachsen geworden, reifer. Es gibt mehr Themen, die uns heute interessieren – nicht nur die Schönheit der Weiblichkeit“, erklärt Krahl dazu. „Die Platte hat eine ziemliche Breite. Das geht von der kryptischen Lyrik von Hildegard Maria Rauchfuß bis zu ein paar Geschichten aus dem Alltag, die jeder erlebt haben könnte.“

Die Leipziger Lyrikerin Hildegard Maria Rauchfuß (1918-2000) gehört quasi fast mit zur Band: Von ihr stammt die Hymne „Am Fenster“. Mit diesem Song sprang die Ost-Rockband 1977 in die Charts im fernen Griechenland und bekam als erste DDR-Band überhaupt eine Goldene Schallplatte. „40 Jahre ,Am Fenster‘ heißt nichts anderes, als sich vor diesem Song zu verbeugen“, sagt Geiger Georgi „Joro“ Gogow (68). „Am Anfang hab ich gar nicht Geige spielen wollen.“ Die Leipziger Dichterin sei einst „vom Blitz getroffen“ gewesen, als sie erfahren habe, dass eine Rockband ihre Zeilen vertont habe, berichtet Gitarrist Fritz Puppel (72). Der Song sei der Band „vom Himmel zugefallen“.

Auch auf dem neuen Album ist die Dichterin präsent – posthum. Die Band bekam nach dem Tod von Rauchfuß eine Mappe, in der sich ihr Testament befand. Dieses ist nun vertont der erste Song des Albums: „Marias Worte“. An „Am Fenster“ erinnert City 2017 im Lied „Die Sonne, die Sterne“. In dem Roadmovie-Stück wird ein Mörder per Anhalter mitgenommen – und summt den großen Hit der Ostberliner Band im Auto vor sich hin.

Die City-Tournee wird am  28. April in Schwerin eröffnet. Karten  in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung!

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