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Seenotretter in Cuxhaven : Ungewöhnliche Männer-WG

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zusammen mit drei Kollegen lebt und arbeitet Familienvater Hanno Renner auf einem Seenotkreuzer

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Wenn Hanno Renner seine Sachen packt, wissen seine beiden kleinen Kinder, dass sie ihn wieder viele Tage nicht sehen werden. Der 44-Jährige ist Seenotretter. Er arbeitet für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) als Vormann auf dem Kreuzer „Hermann Helms“. Die 180 festangestellten und 800 freiwilligen Retter der Organisation wurden im vergangenen Jahr insgesamt zu rund 2000 Einsätzen auf Nord- und Ostsee gerufen.

Renners Schiff ist in Cuxhaven stationiert, er selbst wohnt nahe Lübeck. Zwei Wochen lebt er zusammen mit drei Kollegen an Bord, anschließend ist er ebenso lange zu Hause. „Dann holt man das nach, was man 14 Tage nicht machen konnte“, sagt er. Seine fünf und drei Jahre alten Kinder machen ihm den Abschied leicht: „Sie kennen das nicht anders und stecken das gut weg.“

Das Leben an Bord sei schön, aber nicht immer ganz einfach, erzählt Renner. „Man lebt sehr eng zusammen, die Rückzugsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt.“ Die Mannschaft müsse tolerant und konfliktfähig sein. „Es darf keine Missstimmung geben, wenn ein Einsatz kommt.“ Wird ein Notfall gemeldet, kann das Schiff innerhalb von vier Minuten auslaufen. Außer zum Einkaufen dürfen sich die Seenotretter nur in Rufweite vom Schiff entfernen.

Die Notfälle, zu denen Renner 2016 rausfuhr, waren vielseitig: Ein Versorgungsschiff erlitt einen Wassereinbruch, auf einem Fahrgastschiff gab es einen medizinischen Notfall, eine Segeljacht brannte.

Schon als Kind wusste er, dass er zu den Seenotrettern wollte. „Schiffe, Hubschrauber, Rettung, Feuerwehr: Das hat mich immer interessiert“, sagt Renner, der in Bielefeld aufwuchs. Als er sein nautisches und technisches Patent in der Tasche hatte, fuhr er zunächst zweieinhalb Jahre auf Containerschiffen zur See. Der Wechsel im Jahr 2000 zur DGzRS war von langer Hand geplant.

Früher war er mehrere Monate am Stück auf See. Nun ist er nur jeweils zwei Wochen von Zuhause weg. „Wenn ich noch auf Containerschiffen unterwegs wäre, wäre ich garantiert noch Single.“

In der Dienstzeit versorgt sich die Männer-WG an Bord selbst. Das Kochen überlässt Renner seinen Kollegen. „Ich darf nicht mehr. Meine Kochkünste werden von den anderen als Sicherheitsrisiko eingestuft.“

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