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Günter Schabowski : Um den „Maueröffner“ ist es still geworden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Günter Schabowski verbringt seinen 85. Geburtstag zu Hause in Berlin mit der Familie.

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Größere Anstrengungen verkraftet Günter Schabowski nicht mehr. Deshalb wird der schwer herzkranke einstige DDR-Spitzenfunktionär heute seinen 85. Geburtstag zu Hause in Berlin mit der Familie verbringen, wie seine Frau Irina sagte. „Es wird eine sehr stille Feier.“ Schabowski wurde berühmt, weil er am 9. November 1989 die Maueröffnung verkündete und damit für eine Weltsensation sorgte.

Ob Schabowski zum 25. Jahrestag des Mauerfalls öffentlich auftrete oder an Diskussionen teilnehme, sei noch völlig offen. „Wir arbeiten dran. Aber mein Mann wird sehr schnell müde“, sagt seine Ehefrau, die ihn nach eigenen Angaben zu Hause betreut. Schabowskis Gesundheit ist seit längerer Zeit angeschlagen.

Nach der Wende hatte sich Schabowski – geboren am 4. Januar 1929 in Anklam – von seiner SED-Karriere distanziert und klar zu moralischer Schuld und Mitverantwortung bekannt. „Wir haben alles falsch gemacht“, sagte das frühere Mitglied des SED-Politbüros im Jahr 2009 . Die DDR sei ein missglückter Versuch gewesen.

Schabowski war wegen seiner Mitverantwortung für das menschenverachtende DDR-Grenzregime zu drei Jahren Haft verurteilt und später begnadigt worden – 2010 sagte er im ZDF, seine Haftstrafe sei gerecht gewesen. Er schäme sich für den Staat, für den er sich bis zu dessen Zusammenbruch eingesetzt habe.

Zuletzt lieferte sich Schabowski 2009 eine Kontroverse mit dem einstigen SED-Generalsekretär Egon Krenz – beide sind sich spinnefeind. Er habe die Maueröffnung nicht im Alleingang und aus Versehen verkündet, sagte Schabowski damals. In der Sitzung des SED-Zentralkomitees am 9. November 1989 zum neuen DDR-Reisegesetz habe SED-Generalsekretär Krenz ihn gebeten, darüber am Abend die internationale Presse zu informieren. Krenz meinte hingegen, Schabowski habe die Öffnung der DDR-Grenzen „aus Unkonzentriertheit im Alleingang“ um Stunden zu früh verkündet und damit die DDR an den Rand einer Katastrophe gebracht. „Das trifft absolut nicht zu“, konterte Schabowski: Mit der Erlaubnis für DDR-Bürger, ins westliche Ausland zu reisen, sollte die DDR gerettet werden.

Der heute 76-jährige Krenz nimmt für sich in Anspruch, dass die Maueröffnung ohne Blutvergießen verlief. Er ist der Ansicht, dass sich niemand für die DDR schämen müsse. Seine Verurteilung zu sechseinhalb Jahren Haft wegen seiner Mitverantwortung für die Mauer-Toten wies er wiederholt als „Siegerjustiz“ zurück.

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