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Abschied von Hans-Dietrich Genscher : Tschüss, Mr. Bundesrepublik

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit einem feierlichen Staatsakt in Bonn hat die Bundesrepublik Deutschland heute Abschied von ihrem langjährigen Außenminister Hans-Dietrich Genscher genommen.

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Ein Land verneigt sich. Vor Hans-Dietrich Genscher, dem langjährigen Außenminister, in tiefem Respekt. Alle Spitzen des Staates, hochrangige Vertreter der EU und aus dem Ausland sind zum Staatsakt nach Bonn gekommen – eine seltene und große Ehre.

Im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags, dem heutigen World Conference Centre, ist der Sarg des Verstorbenen vor dem Rednerpult aufgebahrt. Bundespräsident Joachim Gauck würdigt ihn als „deutschen Patrioten“, der sich in „hervorragender Weise“ um Volk und Staat verdient gemacht habe. „Hans-Dietrich Genscher: Das ist die Geschichte einer außergewöhnlichen politischen Begabung“, sagt Gauck vor rund 900 geladenen Gästen. Er erinnert an die dramatischen Zeiten der Demokratiebewegung in der DDR und in Ostmitteleuropa, in denen sich Genscher als verlässlicher internationaler Partner und „unerlässliche Stütze für Bundeskanzler Helmut Kohl“ erwiesen habe.

Seine 18 Jahre als Außenminister seien von „unbeirrbarer Prinzipien-Festigkeit“ gekennzeichnet gewesen. Genscher gilt als einer der wichtigsten Architekten der deutschen Einheit. Er war am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben. Er gehörte dem Bundestag 33 Jahre lang an. Elf Jahre lenkte er die FDP als Bundesvorsitzender.

Schon vor 60 Jahren war er als junger Jurist nach Bonn gezogen. 1969 wurde er dort Innenminister, 1974 bis 1992 Außenminister und Vizekanzler. Für manche ist Genscher „Mister Bundesrepublik“. Neben vielen aktiven Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kamen auch alte Weggefährten und frühere Polit-Größen.

Wo die Beisetzung im engeren Kreis statfindet, wird nicht bekannt. In Bonn wehen die Fahnen auf Halbmast. Bundesweit ist Trauerbeflaggung angeordnet. Zum Abschied bleibt Genschers legendärer unvollendeter Satz am 30. September 1989 vom Balkon der Prager Botschaft an die geflüchteten DDR-Bürger nicht unerwähnt: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“

 

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