Präsidentschaftskandidat : Trump vs. Khan – ein Fehltritt zu viel?

Kritisierten Donald Trump scharf: Khizr und Ghazala Khan
Kritisierten Donald Trump scharf: Khizr und Ghazala Khan

Präsidentschaftskandidat greift Eltern eines gefallenen muslimischen Soldaten an

svz.de von
01. August 2016, 21:00 Uhr

Donald Trump holzt gern. Er hat Muslime beleidigt, einen hoch dekorierten Vietnamkriegsgefangenen, diverse Frauen, mexikanische Immigranten, einen Latino-Richter und einen behinderten Journalisten. Die meisten seiner Anhänger, so scheint es jedenfalls, haben sich bislang wenig daran gestört. Er könne auf New Yorks Fifth Avenue stehen und „jemanden erschießen“ und würde trotzdem keine Stimmen verlieren, hatte Trump noch im Januar geprahlt.

Aber das war, bevor Khizr und Ghazala Khan auf den Plan traten. Mit seiner bestenfalls völlig unsensiblen Reaktion auf die Kritik der Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten auf dem Parteitag der Demokraten hat Trump den möglicherweise größten öffentlichen Feuersturm seines Wahlkampfes ausgelöst.

So nannte die „New York Times“ die Konfrontation einen unerwarteten und möglicherweise „ausschlaggebenden Flammpunkt“ bei der Präsidentschaftswahl im November. Bewahrheitet sich das, hätten ein gebürtiger Pakistaner und seine Frau bewirkt, was politische Gegner bisher nicht geschafft haben: zu zeigen, dass Trumps schrille antimuslimische Rhetorik nicht eine anonyme Gruppe trifft. Sie trifft einzelne Menschen.

Was genau ist passiert? Khizr Khan hatte am Donnerstag mit seiner Frau an der Seite auf der Bühne in Philadelphia Donald Trump angeklagt. Der republikanische Spitzenkandidat habe „bisher nichts und niemanden geopfert“, hielt er ihm vor. Und Trump solle nur mal nach Arlington gehen, sich auf dem Friedhof die Gräber von US-Soldaten anschauen – Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen.

Es war in der Tat ein massiver Angriff, und Trump gilt als dünnhäutig. So holte er, anstatt klug zu schweigen, zum Gegenangriff aus. Trump unterstellte nicht nur, dass seine Rivalin Hillary Clinton hinter der Parteitagsrede der trauernden Eltern stecken könnte. Er mokierte sich mit Rückgriff auf ethnische Stereotypen darüber, dass Khans Frau beim Auftritt in Philadelphia geschwiegen hatte – wie sie später erklärte, weil sie vor Trauer und Emotionen nicht habe sprechen können.

Und auch er habe eine Menge Opfer gebracht, sagte der Immobilienmogul und führte in diesem Zusammenhang seine beruflichen Errungenschaften an. Die Erniedrigung gebrochener Eltern, einer Mutter, die ihr Kind verloren hat – so etwas ist eine Kardinalsünde, und da gab es auch aus republikanischen Kreisen harsche Kritik.

Senator Lindsey Graham brachte es im Namen vieler auf den Punkt. „Es gab einmal einige Dinge, die in der amerikanischen Politik geheiligt waren.“, zitierte ihn die „New York Times“. Während seine demokratische Rivalin Hillary Clinton zum Auftakt der heißen Wahlkampfphase mit einem Bus durch möglicherweise wahlentscheidende Staaten tourte, war Trump das ganze Wochenende mit Schadensbegrenzung beschäftigt – ohne den Schaden zu begrenzen.

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