Jährliche Generaldebatte : Trump in grellstem Pink

First Lady Melania Trump in der US-Mission bei den Vereinten Nationen
First Lady Melania Trump in der US-Mission bei den Vereinten Nationen

Die jährliche Generaldebatte versetzte die Vereinten Nationen eine Woche lang in den Ausnahmezustand. Fünf Eindrücke zum Abschluss

svz.de von
25. September 2017, 21:00 Uhr

„Auf die Menschen konzentrieren – Streben nach Frieden und einem anständigen Leben für alle auf einem nachhaltigen Planeten“, so lautete das etwas holprige Motto der 72. Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Das Hauptquartier der Vereinten Nationen am New Yorker East River verwandelte sich wie jedes Jahr in eine Hochsicherheitszone. Ein Fazit in fünf Eindrücken:

1. PREMIEREN:

Vergangenes Jahr war es eine Generaldebatte der Abschiede: Barack Obama hielt seine letzte Rede als US-Präsident, Ban Ki Moon war als scheidender UN-Generalsekretär zum letzten Mal Gastgeber. Nun war es eine UN-Woche der Premieren: die erste unter Bans Nachfolger Guterres, die erste u. a. auch für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – aber vor allem die erste für US-Präsident Donald Trump.
Tagelang waren alle Augen vor allem auf ihn gerichtet. Nachdem er die Weltorganisation häufig verspottet hatte, gab er sich diesmal vergleichsweise höflich und versöhnlich – zumindest gegenüber UN-Chef Guterres und seiner Organisation. Nordkorea, der Iran und Venezuela kamen in Trumps erster Rede vor der Generaldebatte dagegen weniger gut weg.

2. PATZER:

Zu größeren Missgeschicken kam es beim weltgrößten Treffen der Spitzendiplomatie diesmal nicht. Einen Patzer leistete sich UN-Neuling Trump allerdings ausgerechnet bei einem Treffen mit afrikanischen Staatschefs: Das Gesundheitssystem in „Nambia“ deute auf Fortschritte in Afrika hin, sagte Trump – nur wusste keiner der Anwesenden, ob Trump mit dieser Wortschöpfung nun Gambia, Sambia oder Namibia meinte. Im Internet sorgte der Begriff schnell für Spott. Das Weiße Haus erklärte später, Trump habe Namibia im Südwesten des Kontinents gemeint.

3. SKRIPTE:

Die meisten Redner hielten sich weitestgehend an ihre Manuskripte und den Teleprompter. Manche wichen aber auch ab, oft zur Belustigung des Publikums. So sprach der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ausgiebig darüber, wie viele Länder und Kontinente er in den vergangenen Monaten besucht habe. Auf seiner Wunschliste stehe aber noch die Antarktis, denn Pinguine seien „enthusiastische Unterstützer Israels“. „Pinguine wissen, dass manche Dinge schwarz-weiß sind.“
Auch Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe wich vom Skript ab, als er Trump mit dem biblischen Krieger Goliath verglich. „Sehen wir die Rückkehr Goliaths in unserer Mitte, der mit der Auslöschung anderer Länder droht?“, fragte der 93-Jährige. Vor der UN-Vollversammlung hatte er das erste Mal im Jahr 1978 gesprochen.

4. GLEICHBERECHTIGUNG:

Die Generaldebatte der Vereinten Nationen bleibt – wie Spitzenpolitik in fast allen Ländern der Welt – eine von Männern dominierte Veranstaltung. Der UN-Generalsekretär? Der Präsident der Vollversammlung? Männer. Auch unter den 35 Rednern des ersten Tages waren nur vier Frauen, unter den 39 Rednern des zweiten Tages nur drei. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich während der UN-Woche im deutschen Wahlkampf-Endspurt befand und die diese miserable Frauenquote etwas hätte anheben können, blieb der Generaldebatte fern.

5. MODE:

Der Auftakt der UN-Generaldebatte bedeutet in der Modestadt New York zugleich auch das Ende der Fashion Week. Das „Vogue“-Magazin hatte Frankreichs Première dame, Brigitte Macron, im Blick, die sich am Tag der Rede ihres Ehemanns für einen „New Yorker Look in Schwarz und Weiß“ entschied, wie die Zeitschrift schrieb. Der stilbewusste Emmanuel Macron, der seine schlanke Krawatte selbst bei Terminen in karibischer Hitze nicht ablegt, trug bei seiner ersten UN-Rede einen eleganten, dunkelblauen Anzug.
Die amerikanische First Lady, Melania Trump, machte in einer Rede auf die Gefahren durch Internet-Mobbing aufmerksam, der Presse fiel allerdings vor allem auf, dass sie dabei ein Mantelkleid in grellstem Pink trug. Das Stück der Luxusmarke Delpozo kostete knapp 3000 Dollar, dazu trug Trump Stilettos von Louboutin. Ihr Mann, der US-Präsident, trat bei seiner großen Rede mit leuchtend blauer Krawatte ans Pult und trug ein weißes Einstecktuch in der Brusttasche seines Sakkos – offenbar zum ersten Mal seit Amtsantritt, wie der „Hollywood Reporter“ bemerkte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen