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23. November 2017 | 18:04 Uhr

TV-Tipp : Tod im Internat

vom

Eine spannende Geschichte um Schuld und Sühne, um Verdrängen und Vergessen erzählt ein Thriller, den das ZDF nun als Zweiteiler zeigt.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 00:01 Uhr

Manche Geschichten sind so spannend, dass sogar zwei Filme kaum ausreichen. Das zeigt jetzt der Zweiteiler «Tod im Internat».

Darin geht es um das Leben in einem Schülerheim, ein verschwundenes Mädchen und lange zurück liegende Geschehnisse geht. Er ist an diesem Montag und Mittwoch (jeweils um 20.15 Uhr, ZDF) zu sehen.

Internat Erlengrund in Hessen: Drohnen fliegen über einem malerischen See, bis sie krachend abstürzen - einige junge Leute sitzen feixend am Ufer. Währenddessen erhält eine junge Frau offenbar eine schreckliche Nachricht: Isabell Mosbach (Nadja Uhl) fährt sofort zum malerisch gelegenen Haus ihrer Mutter, die gerade gestorben ist - ihr Vater gilt seit Jahren als vermisst.

Rasch findet die Fahnderin des LKA heraus, dass die Mama recht vermögend gewesen ist, was sich die Tochter nicht erklären kann. Derweil macht sich Kommissar Sellinger (Hanno Koffler) auf die Suche nach der als vermisst gemeldeten Schülerin Sophie Wichert (Emma Drogunova). Ihre Eltern (Joachim Król, Karoline Eichhorn) sind verzweifelt.

Isabell Mosbach wird als Sportlehrerin in das Internat eingeschleust und stößt bei ihren verdeckten und nicht ganz ungefährlichen Ermittlungen auf ungeahnte Verbindungen, heimliche Geldzahlungen und alte Seilschaften und Verstrickungen, die bis zu den Polizistenmorden am Rande der Startbahn-Proteste 1987 in Frankfurt zurückreichen. Täter im Film war Volker Jens (Martin Feifel), der angeblich vor 13 Jahren bei einem Motorradunfall starb. Er taucht gegen Ende des ersten Teils aber nicht nur ziemlich lebendig auf - er hat auch Sophie entführt (die schwanger war) und ist ein Freund ihres Vaters, der wiederum kurz vor dem Karrieresprung zum LKA-Präsidenten steht. Dann wird Felix (Valentino Fortuzzi), der Sohn des Gesundheitsdezernenten Frank Baumschulte (Oliver Stokowski), tot aus dem See geborgen.

Martin Feifel (53, «Mutter auf Streife», «Tatort - Die Liebe, ein seltsames Spiel», beide Das Erste) sagt als Volker Jens im Film: «Wenn Bäume fallen, dann stehen Menschen auf» - und bezieht sich auf das, wofür man früher eingestanden ist. «Das Verhalten meiner Filmfigur hat mit Rache nichts zu tun, vielmehr mit einer großen Sehnsucht», sagte Feifel im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn man so eine Vergangenheit hat wie Volker Jens, in der er benutzt wurde von Mächten, von denen man gar nichts mehr wissen möchte und von denen er zum Abtauchen und zu einem Leben in Indien gezwungen worden ist, wo er seine Freundin verloren hat, dann ist das kein Wunder.»

Erst als Volker Jens von seiner Tochter Sophie erfährt, ändert sich plötzlich alles, doch trotz der neuen Identität gibt er irgendwann einfach auf. Für Martin Feifel sei das Wichtigste an dieser Figur gewesen, dass er sich in sie wirklich hineinversetzen konnte. Regisseur Thorsten C. Fischer (54, diverse «Tatort») und Autorin Frauke Hunfeld durften auf einen Filmetat von 3,7 Millionen Euro zurückgreifen. Der Film zeigt viele Bilder vom und aus dem Internat (das in Wahrheit ein ehemaliges Krankenhaus im Brandenburgischen ist) und vom Wald samt Kirchenruine drumherum. Es wird viel gesagt und noch mehr verschwiegen, es geht um Verrat, Täuschung, falsche Freundschaften und verlorene Kindheiten. Die Story häutet sich allmählich wie eine Zwiebel, einige Fäden werden nicht aufgelöst, und auch für die Tiefenzeichnung so mancher Figur bleibt kaum Zeit.

Der Zweiteiler ist vor allem ein Generationenkrimi und ein bisschen auch ein Politthriller über mögliche Verbindungen zwischen Stasi, BND und RAF. Er ist randvoll gepackt mit mehreren Themen und Handlungssträngen - eine Mini-Serie (4 Folgen à 60 Minuten) war bereits geplant und wäre sicher besser und verständlicher gewesen, als das jetzige Format von zweimal 105 Minuten. Am Ende gibt es ziemlich viele Tote und noch mehr enttäuschte Hoffnungen. Waren die Menschen früher doch kritischer, politischer, reflektierter gar? War gestern mehr Widerstand, gibt es heute mehr Konsens - und ist der auch echt?

Antworten darauf gibt es hier keine. Der Zuschauer muss schon dran bleiben, um zumindest alle ziemlich verschachtelten Verwicklungen auch nur annähernd zu verstehen.

Tod im Internat

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