60. Todestag Bertolt Brecht : Theaterguru und Frauenheld

Bertolt Brecht
Bertolt Brecht

Vor 60 Jahren starb der Dramatiker Bertolt Brecht. Seine Theaterstücke werden bis heute in aller Welt gespielt

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13. August 2016, 09:00 Uhr

Er galt als geniales Großmaul. Und von seinem Nachruhm hatte er ganz klare Vorstellungen: „Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke“, sagte Bertolt Brecht wenige Wochen vor seinem Tod zu dem Pfarrer und Publizisten Karl Kleinschmidt. Am Sonntag jährt sich Brechts Todestag zum 60. Mal.

Mit seiner Prophezeiung sollte der dichtende Sozialrevolutionär Recht behalten. Bis heute werden Brechts Stücke in aller Welt gespielt, seine Gedichte gelesen und seine Bühnentheorien gelehrt. Er war nach Shakespeare und Schiller der meistinszenierte Autor an deutschsprachigen Theatern.

Neben dem antikapitalistischen Singspiel „Die Dreigroschenoper“ gehören „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und „Der gute Mensch von Sezuan“ derzeit zu den beliebtesten Stücken.

„Ändere die Welt, sie braucht es“, lautete Brechts Motto. Mit künstlerischen Mitteln kämpfte er für eine gerechte Welt ohne Ausbeutung.

Um Bekanntheit zu erlangen, habe Brecht bewusst die damals neuen Formen Foto und Film genutzt, sagt Stefan Keppler-Tasaki, der an der FU Berlin zu Schriftsteller-Auftritten im Film forscht. „Standen ältere Literaturstars wie Thomas Mann der medialen Welt noch mit einiger Scheu gegenüber, war Brecht der erste geborene Medienprofi des Kinozeitalters.“

Mit schwarzer Lederjacke, Kappe, frechem Grinsen, Zigarre und Nickelbrille habe sich der Dichter als Kultur-Bolschewist inszeniert. „Hinzukommen mussten die Verweigerungshaltung und die Unpässlichkeiten einer männlichen Diva“, so Keppler-Tasaki. Der Kommunismus sei für Brecht Teil eines Bekenntnisses zur Moderne gewesen. Man könne auch fast sagen: „Brecht war Kommunist, weil die rote Farbe gut zu seiner schwarzen Lederjacke passte.“

Am 14. August 1956 starb der gebürtige Augsburger im Alter von 58 Jahren in Ost-Berlin. Nach seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil hatte sich Brecht für die DDR als neue Heimat entschieden. Der SED-Staat empfing Brecht, der nie Parteimitglied wurde, in den ersten Jahren keineswegs mit offenen Armen. Der Sohn eines Papierfabrik-Direktors, schuf 48 Theaterstücke, mehr als 2300 Gedichte und zahlreiche Prosawerke.

Das von Brecht und Helene Weigel gegründete Berliner Ensemble erhielt zunächst Gastrecht am Deutschen Theater, wo es Brechts Idee von einem sozialistischen Theater zwischen Belehrung und Vergnügen verwirklichte. 1954 zog das BE in das nahegelegene Theater am Schiffbauerdamm um.

Brecht gilt als Erfinder des epischen Theaters, das den Zuschauer durch verfremdende Mittel – das Heraustreten des Schauspielers aus seiner Rolle oder Lieder und Texttafeln – in ein kritisch-beobachtendes Verhältnis zum Geschehen auf der Bühne versetzt. So sollen die auf der Bühne gezeigten Verhaltensweisen als gesellschaftlich bedingt und deshalb veränderbar gezeichnet werden. Selbst der Schöngeist und Antipode Brechts, Thomas Mann, musste einräumen: „Das Scheusal hat ja Talent.“

Zu Weltruhm gelangte das BE nicht nur mit der legendären Inszenierung des Kriegsgewinnler-Stücks „Mutter Courage und ihre Kinder“ mit Helene Weigel in der Titelrolle, sondern auch mit „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.

Die „Unbeständigkeit der menschlichen Natur“ faszinierte Brecht. Eine Unbeständigkeit, die er auch an sich selbst beobachten konnte, etwa in seinem ausbeuterischen Umgang mit Frauen wie Elisabeth Hauptmann, Ruth Berlau und Margarete Steffin. „Er hatte eine Wirkung auf Frauen, dessen war er sich auch bewusst“, sagt der Leiter der Berliner Brecht-Archivs, Erdmut Wizisla. Zeitweise habe er Beziehungen mit zwei oder drei Frauen gleichzeitig gehabt.

„Brecht war ein sehr vitaler und wacher Geist, der seine Umgebung überfordert hat mit seiner ständigen Präsenz und Bereitschaft zur Auseinandersetzung und der Unfähigkeit, einfache Harmonie auszuhalten“, so Wizisla. „Ich glaube nicht, dass Brecht zynisch war. Er hatte etwas sehr Aufmerksames, Zärtliches und Fürsorgliches.“

Was bleibt, sind seine Werke mit klarer Sprache und klarer Botschaft. „Brecht wird auf der ganzen Welt als Autor begriffen, der in Form einer Parabel eine politische Botschaft vermittelt“, sagt Hermann Beil, Chefdramaturg am Berliner Ensemble.

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