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Rückzug aus dem Bundestag : Steinbrücks Abschied und Verneigung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stehende Ovationen und Beifall für Peer Steinbrück.

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Zum Abschied gibt es stehende Ovationen in der SPD-Bundestagsfraktion. Noch einmal Beifall für Peer Steinbrück, der 2013 als Kanzlerkandidat eine unglückliche Figur gemacht hatte und im Duell mit Kanzlerin Angela Merkel scheiterte. Der 69-Jährige zieht sich aus dem Bundestag zurück. Morgen wird er seine letzte Rede im Bundestag halten, zur auswärtigen Kulturpolitik.

„Schlagt die Trommel“, hatte Steinbrück am Dienstag seinen Kollegen in der Fraktion zugerufen. Ein Heine-Zitat, das auch Gerhard Schröder immer wieder gern benutzt hatte, wenn es galt, seine Genossen aufzumuntern und in Wahlkampfmodus zu bringen. „Mehr Beinfreiheit für künftige Frontmänner und Frontfrauen“ forderte Steinbrück Spielräume, die er als Kanzlerkandidat nicht hatte. Und dann verbeugt er sich, eine Geste der Demut.

Plötzlich klatschen alle für ihn. Ausgerechnet für jenen Steinbrück, der so aufbrausend und autoritär sein konnte, die Parteilinke häufig mit Verachtung strafte. Rückzug des Hanseaten, Helmut-Schmidt-Intimus und blitzgescheiten Strategen, nach einer Polit-Karriere mit vielen Höhen und Tiefen. „Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage“, war sein Motto. Doch jetzt will der Mann, der mit Sprüchen wie „Hätte, hätte, Fahrradkette“ und der Drohung, der Schweiz wegen ihrer Steuergesetze die Kavallerie zu schicken, für Aufsehen sorgte, die Berliner Politik hinter sich lassen.

Oft hat er seinen Sozialdemokraten die Leviten gelesen. Tatsächlich könnten die Genossen auch jetzt noch einiges von Steinbrück lernen: Etwa, dass es klug sein kann, in einer Großen Koalition das Finanzministerium zu führen – so wie zwischen 2005 und 2009. Oder dass Programm und Personal in einem Bundestagswahlkampf unbedingt zusammenpassen müssen.

Als Kanzlerkandidat hatte Steinbrück ein eher linkes Programm zu vertreten, obwohl er selbst Vertreter des wirtschaftsfreundlichen SPD-Flügels ist. Aus der erbetenen „Beinfreiheit“ wurde nichts. Hatte er als Merkel-Herausforderer doch einen denkbar schlechten Start erwischt: Erst die verunglückte, vorgezogene Nominierung, schließlich die Vorwürfe wegen seiner Nebentätigkeiten und Vortragshonorare. Der Wahlkampf sei aus mehreren, auch von ihm verschuldeten Gründen schon im Frühjahr 2013 verloren gewesen, blickt Steinbrück zurück: „Da können Sie nichts mehr machen und nur noch in Würde zu Ende spielen.“

Zwei Jahre lang von 1983 bis 1985 war Steinbrück in Bonn selbst Mitarbeiter der SPD-Fraktion gewesen. Vom einfachen Referenten zum obersten Krisenmanager der Bundesregierung nach der Lehman-Pleite und Kanzlerinnen-Herausforderer – ein bemerkenswerter Weg. Doch hängt an Steinbrücks Karriere der Makel, nie eine Wahl gewonnen zu haben. Nun – nach drei Jahren als Hinterbänkler – sieht er seine Mission als erfüllt an. Er geht mit gemischten Gefühlen.

 

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