Jens Weißflog, : Star in zwei Systemen

Im Parallelstil: Jens Weißflog bei der Vierschanzentournee 1983 in Oberstdorf
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Im Parallelstil: Jens Weißflog bei der Vierschanzentournee 1983 in Oberstdorf

Jens Weißflog, der „Floh vom Fichtelberg“, wird 50

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21. Juli 2014, 11:50 Uhr

Jens Weißflog ahnte schon, was auf ihn zukommt. Und da er es nicht verhindern kann, macht der einstige Weltklasse-Skispringer aus der Not eine Tugend. „Von 10 bis 17 Uhr kann kommen, wer will und muss“, verriet Weißflog den Tagesablauf für seinen heutigen 50. Geburtstag. Abends möchte er mit der Familie und seinen Gästen das Jubiläum feiern.

Der „Floh vom Fichtelberg“, wie Weißflog wegen seiner Körpergröße einst nur genannt wurde, hat sich seit längerem intensiv mit seinem halben Jahrhundert Leben beschäftigt. Zum einen, weil Journalisten sich angesichts des Feiertages an ihn erinnerten. Zum anderen, weil er auf vielfachen Wunsch der Fans die Zeit gekommen sah, seine Memoiren in zwei Büchern herauszubringen. Sein Fazit: „Ich würde nichts anders machen. Das Leben ist nun mal nicht vorherbestimmbar. Also kann man auch im Nachhinein nichts anders machen wollen.“


Ehrgeizig, aber nicht trainingsfleißig


Der heutige Oberwiesenthaler Hotelier war ein begnadeter Skispringer. Drei Olympiasiege, zwei WM-Titel, vier Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee, einmal Weltcupgesamtsieger, 33 Weltcup-Erfolge – Weißflog gewann alles. „Dass ich mal Olympiasieger werde, war nicht geplant. Das entwickelt sich und ist nicht selbstverständlich. Ich war ehrgeizig, aber darum nicht automatisch trainingsfleißig“, beschreibt er seine Entwicklung, die als Nordischer Kombinierer begann. „Die Erfolge dort waren mäßig, ich war ja nur ein guter Springer.“

Sein Durchbruch kam mit dem Sieg bei der DDR-Kinder- und Jugendspartakiade 1979. Ein Jahr später stand er als 16-Jähriger in der Nationalmannschaft, mit der er an seiner ersten Vierschanzentournee teilnahm. Dort guckte er sich bei seinen Vorbildern vieles ab, ohne sie zu kopieren. Henry Glaß, Manfred Deckert, Matthias Buse, Klaus Ostwald – sie alle waren in Weißflogs Anfangsjahren Weltmeister. Ihre Leistungen und die Erfahrungen von Trainern wie Reinhard Heß, Joachim Winterlich oder Herbert Neudert machten aus dem Sprungtalent Weißflog einen Star der Szene.


Einziger Olympiasieger in zwei Sprungstilarten


Ein Star, der durch die deutsche Einheit in zwei Gesellschafts- und Sportsystemen Olympiasieger wurde. Und noch dazu in zwei Stilarten. „Insofern war Lillehammer ’94 schon etwas Besonderes. Nicht nur, dass ich zehn Jahre nach meinem ersten Olympiasieg wieder ganz oben stand, sondern auch noch für ein anderes Land und mit dem V-Stil. In Sarajevo sprang ich ja noch den Parallel-Stil“, berichtet der Jubilar.

Dazwischen gab es herbe Rückschläge. „Da denkt man, es geht nicht mehr weiter. Es fehlte eine helfende Hand, jemand, der nicht bedauerte oder kritisierte, sondern aufmunterte“, erzählt Weißflog und nennt als Tiefpunkt Olympia 1988 in Calgary. Dort gab es für ihn nichts zu holen. DDR-Sportchef Manfred Ewald beorderte Weißflog daraufhin beim Rückflug in die letzte Reihe und auch beim Empfang der Olympia-Mannschaft auf dem Flughafen in Berlin musste er den hinteren Ausgang nehmen.

All das ist Geschichte. Heute beobachtet und genießt der Familienvater seinen Sport aus der Ferne. Um Rat wird er kaum gefragt. Auch seine Zeit als Fernseh-Experte ist vorbei. Dafür kümmert er sich um den Nachwuchs, ist als Kurator das Gesicht der Sporthilfe Sachsen. Seinen Nachfolgern um Severin Freund und Richard Freitag bescheinigt er große Möglichkeiten, weiß aber auch, dass nun große Einzelsiege kommen müssen. „Skispringen ist nun mal keine Mannschaftssportart. In der Öffentlichkeit bleibt nur der Erfolg des Einzelnen haften.“

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