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«Bruder - Schwarze Macht» : Sibel Kekilli kehrt als Polizistin zurück

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Die Deutsch-Türkin Sibel fühlt sich gut integriert, ihr Bruder Melih nicht. Er driftet ab in die Salafisten-Szene. Sibel Kekilli ist Star einer Mini-Serie um die IS-Radikalisierung eines Heranwachsenden.

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erstellt am 29.Okt.2017 | 00:01 Uhr

Hamburg (dpa) - Nach ihrem Ausstieg als «Tatort»-Kommissarin ist Sibel Kekilli (37) am Sonntagabend erneut als Polizistin zu sehen. Für die Mini-Serie «Bruder - Schwarze Macht» auf ZDFneo übernahm die in Hamburg lebende Schauspielerin die Hauptrolle.

Kekilli spielt eine gut integrierte Deutsch-Türkin, die wie sie selbst Sibel heißt. Sie muss erkennen, dass sich ihr jüngerer Bruder dem Salafismus zuwendet. Die gewissenhafte Polizistin setzt alles daran, die Radikalisierung von Melih (Yasin Boynuince) zu stoppen und ihn aus dem Mileu zu holen. Der Sender zeigt die vier Teile vom 29. Oktober an immer sonntags um 21.45 Uhr - direkt nach dem «Tatort» im Ersten.

«Diese Rolle hätte ich bestimmt nicht bekommen, wenn ich noch «Tatort»-Kommissarin gewesen wäre. Umso glücklicher bin ich darüber, dass es sich so entwickelt hat», sagte Kekilli der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. «Es ist eine ganz starke Frauenrolle, die eine große Zerbrechlichkeit und gleichzeitig große Stärke in sich vereint und mich gefordert hat.» In der Serie ist sie mit Kurt verheiratet, der von Bjarne Mädel gespielt wird.

In der von Randa Chahoud inszenierten Serie fühlt sich ihre Figur - nach dem frühen Tod des Vaters - verantwortlich für ihren Bruder. Doch der verschließt sich immer mehr und taucht schließlich ab: Baris (Tim Seyfi), der in Deutschland IS-Anhänger rekrutiert, hilft ihm dabei. Gemeinsam mit einer Gruppe soll Melih in Hamburg einen Terroranschlag vorbereiten.

In ihrem Beruf sei ihre Filmfigur «deutscher als deutsch», erzählte Kekilli. «Sie ist eine gewissenhafte Polizistin, die alles stets korrekt machen möchte. Gleichzeitig wird sie von türkischen Mitbürgern angefeindet, erlebt das sowohl im Beruf als auch im Privatleben.» Sie selbst habe mal gesagt, dass sie nicht in eine Schublade gesteckt werden und nicht die Quoten- und Klischee-Türkin spielen wolle, sagte die Deutsche mit türkischen Wurzeln. «Aber hier geht es um eine bestens integrierte Deutsch-Türkin, nicht um die türkische Frau mit Kopftuch. Ich wäre dumm, wenn ich so etwas absagen würde - dann hätte ich schließlich auch meine beiden deutschen Filmpreise für «Gegen die Wand» und «Die Fremde» nicht.»

Beim Thema Integration sieht Kekilli alle gefordert: «Das fängt bei der Wohnungssuche an und reicht bis zur Filmbranche.» Sie selbst habe das Glück, auch mal deutsche Rollen wie als Sarah Brandt im Kieler «Tatort» spielen zu können. «Aber für Schauspieler mit Migrationshintergrund gibt es solche Chancen viel zu selten.»

Zur Integration gehöre auch nicht nur, dass die deutsche Seite dies zulasse. «Man wird in der türkischen Gesellschaft für viele sofort zur Außenseiterin, wenn man sich als Deutsch-Türkin in Deutschland integriert.» Kekilli spricht aus Erfahrung: «Ich bin oft angefeindet worden und werde es nach wie vor. Ich erlebe leider auch, dass es durch die Möglichkeiten, im Internet seine Hasskommentare abzusetzen, immer schlimmer wird.»

Wie schon in ihrem ersten großen Kino-Erfolg «Gegen die Wand» trägt Kekillis neue Serienfigur ihren Vornamen. «Die Rolle hieß Sibel, bevor ich überhaupt dazukam», berichtete die Schauspielerin, die auch in vier Staffeln der US-Serie «Game of Thrones» mitgewirkt hat. «Die Autoren haben beim Schreiben wohl an mich gedacht, das Projekt wurde mir zunächst allerdings überhaupt nicht angeboten. Man dachte, ich würde sowieso ablehnen.»

Bruder - Schwarze Macht auf ZDFneo

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