Sexy Flaggschiff mit Schlagseite

Mit Marilyn Monroe auf dem Titel wurde der erste „Playboy“ gleich ein Erfolg.
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Mit Marilyn Monroe auf dem Titel wurde der erste „Playboy“ gleich ein Erfolg.

60 Jahre Enthüllungsjournalismus: Der „Playboy“ hat Geburtstag und muss sich gegen nacktes Fleisch aus dem Internet wehren

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12. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Auf dem Titel der Jubiläumsausgabe ist Kate Moss im Hasenkostüm, ein paar Seiten dahinter Autowerbung für Cabrios („Oben ohne“) und Kleinstwagen („für Körbchengröße A“). Der „Playboy“ besteht auch weiter aus jeder Menge Anzüglichkeiten, bunten Bildern von ganzen Kerlen und jungen Frauen und natürlich den Interviews. Die dienen seit mehr als einem halben Jahrhundert als Ausrede, das Heft mit den Hochglanzbildern zu kaufen. Im Internetzeitalter dümpelt er zwar dahin, aber jetzt wird erst mal gefeiert: Der „Playboy“ ist 60.

60 Jahre, das ist auch der Altersunterschied zwischen Heftgründer Hugh Hefner und seiner dritten Ehefrau. Der 87-Jährige hat die Gesellschaft kräftig umgekrempelt und gehört zu den erfolgreichsten, umstrittensten und auf jeden Fall skurrilsten Journalisten des 20. Jahrhunderts. Sein Leben könnte dem eigenen Magazin entsprungen sein. Im Jubiläumsheft ist er seitenweise mit den Prominenten der letzten Jahrzehnte abgebildet, fast immer trägt er dabei nur einen Morgenrock. Hefner und „Playboy“ – das war immer auch eine Lebensphilosophie, die in den 60er-Jahren Millionen bewunderten.

Hefner war schon immer ein Mann, der die Frauen lieber begreift als versteht. Aber er sah sich immer als Ästhet: Eine nackte Frau sei doch etwas Natürliches und Schönes, na und? Als sein Arbeitgeber, das Herrenmagazin „Esquire“, 5 Dollar Lohnerhöhung nicht herausrücken wollte, machte sich Hefner selbstständig. Er verschuldete sich komplett, belieh seinen Hausrat und pumpte sogar seine Mutter an, aber im Dezember 1953 lag die erste Ausgabe des „Playboy“ am Kiosk.

Ein Datum war nicht auf dem Heft – vielleicht würde es ja kein zweites geben. Aber ihm half Norma Jeane Baker, das Mädchen vom Titelbild. Die hatte sich vier Jahre zuvor nackt fotografieren lassen und war mittlerweile unter einem Künstlernamen bekannt: Marilyn Monroe. Hefner wurden die mit 50 Cent nicht eben billigen Hefte aus der Hand gerissen.

Und wer zog sich nicht später alles für den „Playboy“ aus: Jayne Mansfield, Ursula Andress, Kim Basinger, LaToya Jackson, Nancy Sinatra, Farrah Fawcett, Katarina Witt und sogar Zeichentrickmutter Marge Simpson. Auch wenn Nobelpreisträger, Präsidenten und Schriftsteller Interviews gaben, berühmt ist der „Playboy“ wegen der Fotos. Und wegen der Witze, die natürlich auch immer eine Ausrichtung hatten. Kostprobe aus dem letzten Heft: Warum können Frauen kein Fußball spielen? Weil elf nie die gleiche Kleidung tragen würden.

So ganz zeitgemäß ist das nicht mehr – und das gilt wohl auch für den „Playboy“ selbst. Hunderte Anzeigen und gar eine Verhaftung Hefners „wegen Obszönität“ konnten dem Heft nichts anhaben. Rechte Tugendbewahrer und linke Feministen liefen umsonst Sturm gegen das Blatt.

Sturmreif geschossen wurde es erst durch das Internet, das nacktes Fleisch schneller, billiger und dezenter liefert. Hefner verkaufte für sein Lebenswerk sein Anwesen, Tochter Christie rackert sich als Herausgeberin ab – aber das Flaggschiff hat Schlagseite. Die Verkäufe brechen weiter ein, obwohl gerade Jahresabonnements für 8 Dollar (nicht einmal 6 Euro) verschleudert wurden.

2011 hat der Gründer das Unternehmen wieder von der Börse genommen. Die Aktie stand bei 6,15 Dollar – dafür hätte er am Kiosk nicht einmal ein Heft bekommen.


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