Interview Elyas M’Barek : „Serien-Boom? Nein, danke!“

Schuaspieler Elyas M’Barek

Schuaspieler Elyas M’Barek

Schauspieler Elyas M’Barek bleibt vorerst beim Kino.

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17. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Eben noch tobte sich Elyas M’Barek im Brachial-Humor der „Fack ju Göhte“-Reihe aus. Jetzt schlägt er gefühlvollere Töne an: In der Tragikomödie „Dieses bescheuerte Herz“ (ab 21. Dezember im Kino) spielt der 35-Jährige einen schnapsseligen Tunichtgut, den die Begegnung mit einem todkranken Teenager zum besseren Menschen macht. Im Interview denkt der Schauspieler M’Barek darüber nach, ob die Rollen vielleicht doch was miteinander zu tun haben, und erklärt, warum der Serien-Boom ihn, den einstigen Star einer ARD-Serie, nicht interessiert.

Herr M’Barek, Ihrem Film „Dieses bescheuerte Herz“ liegt die wahre Geschichte eines todkranken Teenagers zugrunde. Haben Sie ihn kennengelernt?
Nein.

Nanu?
Der Film basiert auf dem Buch, das Lars Amend über seine Freundschaft mit dem Jungen geschrieben hat. Aber wir haben nur Elemente davon übernommen und etwas Eigenes draus gemacht. Insofern war er reale Hintergrund für die Dreharbeiten nicht unbedingt erheblich. Ich freue mich aber, ihn und den Autor Lars Amend bei der Premiere kennenlernen zu dürfen und weiß auch, dass beiden der Film sehr gefällt. Das war mir wichtig.

Was sind denn die wichtigsten Abweichungen?
Ich kenne nur das Drehbuch. Den Roman habe ich nicht gelesen.

Nicht?
Wir erzählen eine fiktive Geschichte. Die Figuren heißen auch anders. Der Regisseur und der Autor, die haben sich natürlich damit beschäftigt, und die kennen auch die realen Figuren. Mir war wichtig, die Figur im Drehbuch zum Leben zu erwecken, und ich wollte das frisch und unbelastet interpretieren.

In „Fack ju Göhte“ werden sie vom Gangster zum Pädagogen. In „Who Am I“ entdecken Sie als partysüchtiger Hacker den Wert der Freundschaft. Jetzt sehen wir Sie als Lebemann, der von einem kranken Kind geläutert wird. Warum ist das so ein guter Plot für Sie?
Ich glaube, jeder Schauspieler wird in Schubladen gesteckt. Das ist ja auch in Ordnung. Man schreibt mir einfach gern extrovertierte Rollen zu; wahrscheinlich gelte ich nicht als der schüchterne, introvertierte Klavierspieler-Typ. Ich habe aber auch andere Sachen gemacht. Paddington – der Bär, den ich synchronisiere – ist zum Beispiel eine ganz anders. Mir machen die exzessiven Rollen aber auch Spaß.

Spaß macht vermutlich auch, ein Auto im Pool zu versenken, so wie sie es gleich am Anfang vom „Bescheuerten Herz“ tun. Durften Sie das selber drehen?
Die Aufnahme, wo das Auto in den Pool reinschießt, hat ein Stuntman gemacht. Wir haben den Wagen aber noch mal in den Pool fallen lassen, und da saß ich selbst drin.

„Dieses bescheuerte Herz“ erinnert von fern an den französischen Hit „Ziemlich beste Freunde“. Der hat allein in Deutschland neun Millionen Zuschauer gehabt.
Das ist interessant, dass Sie das so sehen.

Das sind anderthalb Millionen mehr als der beste Teil von „Fack ju Göhte“ geschafft hat. Andersrum hatte „Fack ju“ in Frankreich nur 60 000 Zuschauer. Warum funktionieren französische Komödien bei uns so viel besser als deutsche in Frankreich?
Das kann ich nicht beantworten, weil ich kein Franzose bin. Vielleicht hat es mit Sprachbarrieren zu tun. Ich glaube, dass Deutsche weniger Probleme mit Synchronfassungen haben. Und bei uns gelten Filme aus dem Ausland doch sowieso oft als die cooleren. Vielleicht haben viele „Ziemlich beste Freunde“ sogar für einen amerikanischen Film gehalten. Wie auch immer: Ich mochte ihn auch.

Sind Sie manchmal froh, dass „Fack ju Göhte“ jetzt vorbei ist?
Überhaupt nicht. Ich bin dankbar für die Zeit, aber es ist in Ordnung, dass nun was Neues kommt.

Ihr Status in der Branche hat sich durch den großen Erfolg stark verändert. Werde Ihnen mehr Drehbücher angeboten und sagen Sie großzügiger ab?
Ich sage sogar sehr viel ab. Und meistens sind es die Rollen, die Sie gerade beschrieben haben.

Ihr Drehplan richtet sich also nach der Qualität?
Ich möchte mein Leben auch nicht nur mit der Arbeit verbringen. Ein Filmdreh ist einfach sehr anstrengend. Man verbringt monatelang sehr viel Zeit am Set, hat kaum noch Privatleben. Danach kommt noch die Pflicht, die Filme zu promoten. Das kann ich nur mit Filmen, über die ich später auch gern spreche.

Darüber haben Sie kürzlich auch mit Barbara Schöneberger gesprochen – über die Qual, Projekte zu bewerben, hinter denen man nicht steht. Schöneberger hat allerdings die wichtigste Frage vergessen …
… und zwar in welchen Fällen es mir schon so gegangen ist. Gott sei Dank hat sie nicht gefragt! Aber natürlich gehört das dazu: Niemand ist mit allen Teilen seiner Karriere zufrieden. Und dennoch bin ich dankbar für jeden einzelnen Baustein und für alles, was ich beruflich erleben durfte.

Zu den Schrecken der Öffentlichkeitsarbeit gehören auch M’Barek-Schlagzeilen wie diese: „Wow! So heiß sind seine Brüder!“. Das schreibt „bunte.de“. Sehen Ihre Brüder wirklich so gut aus?
Das möchte ich nicht beurteilen. Ich liebe meine Brüder, weil es meine Brüder sind, nicht weil sie heiß aussehen. Ich hoffe, sie lesen so was einfach nicht. Selbst werde ich sie jedenfalls nicht darauf hinweisen.

Im Kundenmagazin der Bahn hat einer Ihrer Jugendfreunde zum „Fack ju Göhte“-Start die Geschichte Ihrer Kindheit ausgebreitet. Sie scheinen immerhin ein nahbarer Star zu sein, der viel zulässt.
Das ist doch schön, dass das rüberkommt.

Gibt es Dinge beim Schauspielen, die Ihnen leichter fallen als andere?
Das wird Sie überraschen, aber tatsächlich glaube ich, dass mir gerade die gefühlvollen Momente am meisten liegen. Da habe ich auch am meisten Spaß dran: Szenen, die eine Wahrhaftigkeit haben, die eine große Emotionalität benötigen. Das mag ich viel mehr als Action-Szenen.

Was wäre das im aktuellen Film?
Es gibt einen Moment, in dem meine Figur Lenny zum ersten Mal mit seinem Vater über den Tod der Mutter spricht. Und in dem er ihm für seine Versäumnisse vergibt – das ist so eine Szene.

Bei „Who Am I“ haben Sie mit Baran bo Odar gearbeitet, der gerade die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ gedreht hat. Hätte Sie so ein Projekt nicht auch gereizt?
Es kann durchaus sein, dass ich irgendwann auch eine Serie mache. Moment finde ich es toll, dass ich mir erarbeitet habe, als Kino-Gesicht zu gelten. Auch wenn ich weiß, dass Serien gerade sehr angesagt sind: Ich habe da momentan keine Ambitionen. Ich glaube auch, die Serie braucht noch ein bisschen, bis sie sich wirklich emanzipiert hat – in Deutschland, meine ich natürlich. Gutes habe ich bisher von „Babylon Berlin“ gehört. Das werde ich mir auf jeden Fall angucken.

Für „Fack ju Göhte“ haben Sie zum ersten Mal mit Sandra Hüller gedreht, die als Theater- und Arthouse-Star aus einer ganz anderen Richtung kommt.
Stimmt.

Hatten Sie Bammel – dass Sandra Hüller sich im Klassenzimmer nicht zurechtfinden könnte? Oder dass Sie in den Augen des Arthouse-Stars nicht bestehen könnten?
Nee, warum sollte ich? Im Gegenteil. Ich vermute, dass eher Sandra Hüller großen Respekt davor hatte, in so ein eingespieltes Team zu geraten. Wir sind aber sehr nett und haben es ihr hoffentlich einfach gemacht.

Sie haben eine gemeinsame Szene in der Schuldusche, in der sich nur Sandra Hüller in ein Tuch wickeln darf. Warum gehört zu jedem „Fack ju Göhte“-Film eine Nacktszene von Ihnen?
Das ist kein Privileg von „Fack ju Göhte“ und kommt auch in vielen anderen Filmen vor. Übrigens bin ich nicht der Einzige, der nackt zu sehen ist.

Aber nur Ihre Szenen sind von so einer schwelgerischen Bewunderung getragen. Sie trainieren doch auch extra für die Filme, höre ich.
Für die Rolle, aber nicht für die Nacktszenen. Weil Zeki Müller einfach ein sehr physischer Typ ist. Ich muss einfach ein gewisses Fitness-Level haben, um so auszusehen wie er. Es macht mir aber auch Spaß. In Hollywood ist das doch auch gang und gäbe.

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