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Allein die Elbe bezwingen : Schwimmen extrem

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Chemnitzer Joseph Heß will im August den deutschen Teil der Elbe im Alleingang bezwingen

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Während sich die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands auf den 575 Kilometer langen Weg vom sächsischen Bad Schandau nach Geesthacht in Schleswig-Holstein macht, durchquert Joseph Heß noch schnell den Bodensee. Zum Aufwärmen. Denn der Chemnitzer will anschließend ebenfalls die Elbe entlangschwimmen – allerdings allein.

Im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane machen Forscher mit der Idee, 250 Schwimmer bis zum 12. Juli jeweils Etappen von zwei Kilometern absolvieren zu lassen, auf den hohen Wert sauberer Flüsse aufmerksam. Joseph Heß hingegen will einfach nur schwimmen. Nachdem er im vergangenen Jahr die rund 20 Kilometer der Straße von Gibraltar in vier Stunden und 19 Minuten geschafft habe, wolle er es nun „richtig krachen lassen“, sagt er lachend. Das Freiwasserschwimmen, also Schwimmen in offenen Gewässern, habe er eigentlich erst vor zwei Jahren für sich entdeckt.

Weil der studierte Wirtschaftsingenieur zwischen Doktorarbeit und zwei Firmengründungen permanent das Handy am Ohr hatte, suchte er einen Ausgleich. Das passende Funkloch fand Heß unter Wasser. „Schwimmen ist ein sehr einsamer Sport, das lässt sich nicht leugnen“, sagt er. Stundenlang mit dem Kopf unter Wasser zu sein, bedeute endlose Stille. Bei Strecken jenseits von 60 Minuten höre er auf zu denken. „Dieses Durchbeißen, das fasziniert mich. Einmal der Typ sein, der durch den Bodensee oder allein die Elbe entlanggeschwommen ist.“ Abhängig vom Wetter will er in einem Zeitfenster vom 9. bis 14. Juli ohne Pause eine Strecke von rund 40 Kilometern im größten deutschen See absolvieren und dabei alle drei Anrainerstaaten durchqueren.

Größte Herausforderung hierbei sei nicht die Distanz, sondern der Sturz von zirka 22 auf 12 Grad Wassertemperatur am Rhein-Zufluss. Denn der Mitarbeiter der Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge der TU Chemnitz schwimmt ohne Neoprenanzug. Nur mit Badeshorts, Kappe und Schwimmbrille wird er nach dieser „Generalprobe“ am 4. August bei Bad Schandau in die Elbe springen. Um in zehn Tagen sieben Bundesländer zu durchqueren und schließlich am 13. August an der Elbmündung anzukommen, muss Heß täglich zwischen 60 und 80 Kilometern schwimmen. „Für vier Kilometer brauche ich etwas über eine Stunde“, rechnet er vor.

Damit er dieses Abenteuer überhaupt antreten darf, musste er etliche Genehmigungen einholen und stand mit rund 15 Institutionen in Kontakt – unter anderem mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Meistens haben die Leute bei meiner Frage erstmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, berichtet er. Dann hätten sie gedacht, er habe mit der Schwimmstaffel zu tun und seien völlig perplex gewesen, dass er den deutschen Teil der Elbe ganz allein bestreiten will – bei regem Schiffsverkehr mitten in der Hauptfahrrinne.

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