Spaniens Adel : Schwester des Königs schweigt

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Infantin Cristina hofft auf Freispruch auf Mallorca

svz.de von
23. Juni 2016, 08:00 Uhr

Die Angeklagten wurden vernommen und mehr als 300 Zeugen gehört: In Spaniens „Prozess des Jahres“ gegen eine Schwester von König Felipe VI. sind die Verhandlungen abgeschlossen. „Ich habe nichts zu sagen, Euer Ehren. Vielen Dank!“ Mit diesen Worten verzichtete die Infantin Cristina auf ihr Recht auf ein Schlusswort.

Für die 51-Jährige und die übrigen 16 Angeklagten beginnt nun eine Zeit des Wartens auf die Entscheidungen der drei Richterinnen auf der Ferieninsel Mallorca. In Spanien werden Gerichtsurteile nicht sofort nach dem Abschluss der Verhandlungen verkündet, sondern erst mehrere Wochen später und dann in schriftlicher Form.

Der Prozess in Palma de Mallorca hat am Image des spanischen Königshauses gekratzt. Cristina, die Nummer sechs der Thronfolgeliste, war in der Geschichte des Landes die erste nahe Verwandte eines Monarchen, die in einem Verfahren um einen Finanzskandal auf die Anklagebank musste. Die 51-Jährige soll ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin, einem der Hauptangeklagten, Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet haben. „Die Bilder von der Königsschwester auf der Anklagebank mögen für die Infantin und ihre Familie schmerzlich gewesen sein, aber sie taten der spanischen Demokratie und dem Rechtsstaat gut“, zog die Zeitung „El Mundo“ Bilanz.

In dem vor gut fünf Monaten eröffneten Verfahren ging es um die Geschäfte der gemeinnützigen Stiftung Nóos, die der frühere Handballstar Urdangarin mit seinem Partner Diego Torres geleitet hatte. Cristina war zu 50 Prozent an einer Firma beteiligt, die ihrem Mann dazu gedient haben soll, Gelder aus der Stiftung abzuzweigen.

Die Infantin kann darauf hoffen, glimpflich davonzukommen. Sie sagte bei ihrer Vernehmung aus, sich nie um die Geschäfte gekümmert und nur ihren Namen für den Firmenvorsitz hergegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft war von Anfang an gegen eine Anklage gegen die Infantin und forderte einen Freispruch.

Für Urdangarin, mit dem Cristina vier Kinder hat und in Genf lebt, sieht es deutlich ungünstiger aus. Der 48-Jährige wurde von Mitangeklagten belastet. Der Staatsanwalt forderte für ihn 20 Jahre Haft.

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