Kampf gegen Nobel-Zentrum : Schwedens Königspaar erzürnt sein Volk

Das schwedische Königspaar Silvia und Carl Gustaf darf sich laut Verfassung nicht in politische Belange einmischen.
Foto:
Das schwedische Königspaar Silvia und Carl Gustaf darf sich laut Verfassung nicht in politische Belange einmischen.

König Carl Gustaf und Königin Silvia kämpfen gegen ein protziges Nobel-Zentrum – und mischen sich damit in die Politik ein

svz.de von
09. Juni 2016, 08:00 Uhr

Es ist ein Albtraum für die Architekten, die Stadtregierung und das Planungsamt. Auf der Halbinsel Blasieholmen gegenüber der Stockholmer Altstadt und dem Königsschloss soll in diesem Jahr der Bau am Nobelzentrum beginnen. Bis 2019 soll der in Goldfarben leuchtende Prunkkasten aus Messing und Stahl fertig sein. Dann wird er Veranstaltungen zur jährlichen Vergabe der Nobelpreise beherbergen. Doch ausgerechnet Schwedens König Carl Gustaf, der die Nobelpreise übergibt, fordert nun öffentlich den Baustopp.

Der Bau sei zu groß, habe die falsche Farbe und den falschen Ort, verkündet der Monarch öffentlich. „Es muss doch nicht so gigantisch sein, so ein Supervolumen haben. Das kann man verkleinern“, so das eigentlich nur repräsentative Staatsoberhaupt Schwedens gegenüber der Zeitung „Dagens Nyheter“. Auch findet der Monarch es schade, dass das kleine, aber alte königliche Zollhaus dem Neubau weichen soll. Stattdessen könne man doch ein Restaurant einziehen lassen und das Nobel-Zentrum woanders bauen, forderte der Monarch. Die ihn begleitende Königin Silvia ergänzt: „Man sollte eine Volksabstimmung abhalten.“

Die königliche Einmischung in die demokratisch legitimierte Stadtpolitik erzürnt nun die Monarchiegegner und entzückt die Königstreuen. Erstere halten es für unverschämt, dass das Königspaar versucht, einen politischen Beschluss zu ändern. 1971 wurde Schwedens Königshaus der letzte ihm verbliebene politische Einfluss per Verfassung weggenommen. Seitdem hat der König nur noch zeremonielle Aufgaben. Auch der König habe seine Meinung, und die müsse er wie jeder andere Schwede äußern dürfen, heißt es vom Hof und königstreuen Kreisen.

Vor allem wohlhabende Stockholmer, die nahe dem geplanten Nobel-Zentrum wohnen, klatschen Beifall. Sie haben Angst um ihre schöne Aussicht. „Es ist ja zudem nur eine lokale und keine große außen- oder innenpolitische Frage, zu der der König Stellung nimmt. Das ist doch keine Einmischung “, verteidigte der Gründer des royalen Netzwerkes im Parlament, Henrik Järrel, seinen König in den Hauptnachrichten des Senders SVT.

Angesichts vieler Bürger, die nichts dabei finden, dass der König seine „konstitutionelle Quarantäne“ verlässt, warnt die rechtsliberale Tageszeitung „Dagens Nyheter“ in einem Kommentar gar vor einer neokonservativen Wende in der Gesellschaft. „Noch vor zehn Jahren wäre eine ähnliche Äußerung aus dem Königshaus in einer kontroversen politischen Sachfrage undenkbar gewesen. Heute wird sie bejubelt“, kritisiert die Zeitung.

Doch von König Carl Gustaf ist man in Schweden schon einiges gewöhnt. So hatte er 1989 öffentlich Norwegens Regierungschefin im Zusammenhang mit der Robbenjagd angeprangert. Damit löste er zwar eine kleinere diplomatische Krise zwischen den Nachbarländern aus, erntete aber Beifall von Tierschützern. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen