Interview Sascha Hehn : Schwarz steht ihm auch

Schauspieler Sascha Hehn trägt vor der Kamera nicht nur Arztkittel und Kapitänsuniform
Schauspieler Sascha Hehn trägt vor der Kamera nicht nur Arztkittel und Kapitänsuniform

Schauspieler Sascha Hehn trägt vor der Kamera nicht nur Arztkittel und Kapitänsuniform

svz.de von
31. Dezember 2016, 16:00 Uhr

Viele Zuschauer kennen ihn vor allem in Weiß: Sascha Hehn zieht sich als Schauspieler gerne den Arztkittel oder eine Schiffsuniform an. Zum Jahresende schippert er wieder als Kapitän mit dem Traumschiff über die Meere der Welt. Im Interview spricht der 62-Jährige von seiner VW-Bus-Gang, säckeweise Fanpost und, worüber er sich in der TV-Branche ärgert.

Herr Hehn, in Frankreich gehen die Menschen bereits mit 60 in Rente. Sie stehen dagegen mit 62 Jahren noch auf der Brücke des Traumschiffs...
Ich kann die Franzosen gut verstehen, dass sie mit 60 in Rente gehen. Das hat auf der einen Seite mit Lebensqualität zu tun, und auf der anderen Seite möchten die Franzosen das, was sie erwirtschaftet haben, noch in Ruhe ausgeben.

Und warum geben Sie Ihr Geld nicht aus und schippern lieber bis 2018 mit dem Traumschiff?
Das mache ich unter anderem auch aus Verantwortung. Wir dürfen das Traumschiff nicht sterben lassen, deswegen muss auch ich etwas dafür tun. Außerdem brauchen wir ein Kontrastprogramm zu diesem schrecklichen „Tatort“ (lacht).

Herrscht hier also knallharte Konkurrenz am Feiertagsabend?
Natürlich. Es sollte also auf der einen Seite Krimi, Mord und Totschlag geben. Und auf der anderen Seite schöne Bilder und Schicksalsgeschichten mit einem Happy End. Unsere Zuschauer haben also ein Recht auf Entscheidung und ob sie anschließend besser einschlafen können.

Produzent Wolfgang Rademann, der das Traumschiff jahrzehntelang begleitete, verstarb im Januar. Wie sehr fehlt er Ihnen und der Crew?
Wolfgang hat uns in dem Moment gefehlt, wenn wir ein Hotel betreten haben. Denn er stand früher immer mit offenen Armen vor dem Hotel und hat uns mit den Worten „So, jetzt zeige ich euch eure schöne Bleibe für die Nacht“ begrüßt. Jetzt werden wir nur noch eingecheckt und fertig. Aber es muss weitergehen, und wir dürfen nicht stehen bleiben. Als Crew versuchen wir nun, sein Erbe aufrechtzuerhalten und seine Ideen fortzuführen – das ist das Einzige, was wir tun können.

Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?
Das war eine schreckliche Situation für mich und die Crew. Wir saßen mitten bei einem Abendessen in Seoul und wussten, dass es ihm nicht gut geht. Dennoch hat er uns von der Produktion grüßen und ausrichten lassen, dass er uns an diesem Abend alle einlädt. Während dieses Essens haben wir dann erfahren, dass er gestorben ist. Es war ein mieser Moment.

Kommen wir mal zu einem anderen Thema: Anfang des Jahres hat ein Paar auf Entschädigung wegen des Traumschiff-Drehs während ihrer Reise geklagt. Wie viele Berührungspunkte haben Sie mit den Passagieren?
Ich habe gar keine Probleme mit den Passagieren an Bord und schreibe auch gerne überall Autogramme. Diese Menschen, die nun vor Gericht gegen die Produktion geklagt haben, habe ich persönlich nicht ernst genommen. Für mich ist das ein klarer Fall: Hier möchten Menschen nach ihrer Reise noch ein wenig Geld verdienen, und das ist ihnen nun vor Gericht gelungen. Der Fehler war vielleicht, dass nicht alle Reisenden vorab darüber informiert wurden, dass eine Filmcrew an Bord ist. Inzwischen wissen viele Menschen, zu welchen Zeiten wir an Bord sind, und wer sich von einem Scheinwerfer irritiert fühlt, sollte die Reise einfach nicht buchen. Dabei finde ich es so toll an dieser Produktion, dass 80 Prozent der Reisenden auch mitmachen wollen. Wir brauchen Komparsen, und sie wollen dabei sein. Wir sind dafür sehr dankbar, denn ohne diese Menschen würde es das Traumschiff nicht geben. Dann wäre es ein Geisterschiff.

Wie haben sich das Traumschiff und die Drehbedingungen seit Ihrer Rückkehr verändert?
Es hat sich schon einiges verändert. Wir sind moderner geworden und haben endlich die Regisseure gewechselt. Wir arbeiten digital und sind anders ausstaffiert. Wir müssen zwar mit weniger Mitteln arbeiten – denn wir kommen vom ZDF, und das ZDF hat ja bekanntlich kein Geld – aber trotzdem versuchen wir, das Produkt weiter auf unserem Niveau zu halten.

Hat die Branche also tatsächlich weniger Zeit und Geld?
Das ist ein sehr komplexes Thema, und ich weiß nicht, ob es nur an Zeit und Geld liegt. Es kommt auch auf den Sender, die Verträge und vieles mehr an. Ein gutes Beispiel ist auch die Serie „Lerchenberg“. Wir haben hier eine Serie für die Hälfte der Gage gedreht und wurden vom Feuilleton dafür gefeiert. Also haben wir eine zweite Staffel produziert. Doch diese wurde dann im ZDF um halb eins in der Nacht versteckt. Eine Zeit, in der niemand mehr den Fernseher einschaltet. Und anschließend erhalten wir keine Nachricht, ob und wie es mit „Lerchenberg“ weitergeht. Mir persönlich könnte es egal sein. Aber mir ist es nicht egal, wenn es um eine junge innovative Crew geht, die noch nicht mal eine begründete Absage bekommt. Das wundert und verärgert auch die Zuschauer, die begeistert waren.

Viele Menschen bemängeln, dass die guten Serien und Filme bei den Öffentlich-Rechtlichen im Spätprogramm versteckt werden...
Fakt ist, dass es momentan nicht um Eitelkeiten, sondern um Unterhaltung gehen sollte. Die Unterhaltung hat immer Vorrang. Denn das Publikum, was bereit ist, monatliche Gebühren zu bezahlen, sollte damit nicht nur Pensionen finanzieren. Dieses Geld sollte in sinnvolle Unterhaltung umgesetzt werden. Jetzt haben wir Olympia verloren, wenn sich das auf weitere Produktionen ausweitet, wird niemand mehr bereit sein, dieses Geld zu bezahlen.

Sie waren mit der Traumschiff-Crew auf Kuba. Wie haben Sie das Land in der Wende erlebt?
Niemand muss sich sorgen: Kuba bleibt, wie es immer war. Ich habe viele Kubaner kennengelernt, und sie werden sich von dem Amerikanismus nicht überrennen lassen. Das Land musste sich öffnen nach all den Jahren der Entbehrungen, aber die Kubaner werden sich mit den Veränderungen Zeit lassen. Zudem gibt es dort unglaublich schöne Gegenden, die noch nicht mal der Kubaner kennt. Ich hatte dort tolle Erlebnisse. So wusste ich nicht, dass es wilde Stiere auf Kuba gibt, die sehr gefährlich sind. Sobald sie Menschen wittern, greifen sie sofort an. Kuba ist wahnsinnig spannend, und es gibt viel zu erleben. Es gibt Küstenparadiese, die nicht mal die Kubaner kennen. Das Einzige, was immer noch nicht richtig gut funktioniert, ist das Internet. Wer nach Kuba reist, muss sich eine funktionierende Internetverbindung abschminken, aber das ist halb so schlimm. Wer auf Kuba ist, braucht kein Internet.

Sie sind jetzt schon sehr lange beim Traumschiff, und viele kennen Sie noch als Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik oder als Frauenarzt Dr. Merthin. Tragen Sie eigentlich gerne Weiß?
(Lacht) Irgendeiner muss ja diesen Job machen. Nein, nein. Das ist reiner Zufall. In der neuen Folge des Traumschiffs werde ich ein schwarzes T-Shirt tragen – versprochen!

Welchen Draht haben Sie zum echten Kapitän des Schiffes?
Wir verstehen uns sehr gut. Der Kapitän und ich trainieren manchmal gemeinsam im Fitnessstudio. Er war Profiboxer und ist – was Gewichte angeht – fitter als ich.

Früher gab es in der „Bravo“ riesige Starschnitte von Ihnen. Haben Sie davon noch ein Exemplar?
Nein, ich habe leider keine Ausgabe mehr davon, ich sammele nichts über mich.

Wie viele Liebesbriefe trudelten zu dieser Zeit bei Ihnen ein?
Nachdem ich in Australien die Serie „Auf Wiedersehen, Charlie“ gedreht hatte, erhielt ich säckeweise Liebesbriefe. Die konnte ich natürlich nicht alle beantworten, sonst hätte ich nur noch Briefe aufgerissen. Dabei hat mir dann eine Agentur geholfen.

Wie sieht Ihre Fanpost heute aus?
Ab und zu bekomme ich pro Woche zwischen 20 und 30 Briefe. Das ist gerade so machbar für mich. Ich nehme mir dann gerne Zeit und antworte. Denn ich weiß, dass es zum Beruf dazugehört, Autogramme zu geben, da bin ich ganz alte Schule.

Nicht nur die Liebesbriefe auch die Branche hat sich verändert. Was halten Sie von Streamingdiensten wie Netflix?
Ich finde diese Angebote super, weil ich mir mein eigenes Fernsehprogramm zusammenstellen kann. Wir leben in einer spannenden Zeit, in der wir schauen können, was uns interessiert.

Haben Sie eine Lieblingsserie?
Die italienische Serie „Gomorrha“ hat mich begeistert. „Bordertown“ und „Broadwalk Empire“ fand ich auch super. HBO macht eben sehr gute Serien.

Was macht das Ausland besser?
Es geht um die Machart. Blockbuster-Schauspieler reißen sich darum in einer HBO-Serie mitzuspielen, selbst wenn es nur eine Tagesrolle ist. Denn die Serien sind sehr gut gemacht, und die Schauspieler werden hervorragend in Szene gesetzt. Hier werden Serien für das Fernsehen wie große Filme für das Kino aufgezogen. Zudem werden die Schauspieler im Ausland besser bezahlt. Während sich in Deutschland Schauspieler sittenwidrigen Verträgen unterwerfen müssen. Außerdem sollen Schauspieler hier alles spielen können, obwohl sie das nicht können. Aus Bequemlichkeit und Kostengründen wirken unsere Produktionen dadurch unglaubwürdiger. In Schweden und in den USA werden Schauspieler nur engagiert, wenn sie hundertprozentig passen.

Sie haben dem Konsum abgeschworen. Auf was können Sie nicht verzichten?
Strom, Technik und Wasser gehören auch zum Konsum. Dennoch könnte ich darauf nur schwer verzichten. Mein VW-Bus ist zwölf Jahre alt und ist bereits 280  000 Kilometer gefahren, und bevor er die 400 000 Kilometer erreicht hat, werde ich mir kein neues Auto kaufen. Meine Frau fährt einen Smart, den ich mir für Termine manchmal klaue. Mir reicht das zum Leben.

Mit Ihrem VW reisen Sie umher. Warum ist er der beste Reisebegleiter?
Mein Bus hat mich nie im Stich gelassen. Er funktioniert und ist toll gebaut. Alle meine Freunde fahren einen – wir sind eine richtige VW-Bus-Gang. Für unsere Hobbys sind diese Autos einfach die besten. Wir gehen mit ihnen auf die Jagd oder zum Fischen. Es ist der perfekte Wagen für die Natur. Mit ihm kann man reisen, wohin man will.

Sie angeln, jagen oder spielen Golf. Warum machen Ihnen diese Sportarten Spaß?
Ich halte Golf für die wichtigste Sportart. Denn in keinem anderen Sport lernt man sich besser kennen. Man spielt nur gegen sich selbst. Es gilt also, sich selbst zu besiegen. Eigentlich sollte man nie einen Menschen heiraten, mit dem man nicht 18 Löcher Golf gespielt hat. Nur dann weiß man, wie der Mensch wirklich tickt.

Haben Sie also vorher auch mit Ihrer Frau Golf gespielt?
Nein, ich kenne meine Frau schon ein bisschen länger und weiß, wie sie ist.

Das Ritual einer Kollegin als Kind war es, an den Feiertagen „Traumschiff“ zu schauen. Haben Sie ein Ritual zum Jahreswechsel?
Am Weihnachtstag gehe ich immer in die Natur zum Fischen, und wenn ich einen Fisch fange, dann gibt es diesen auch zum Abendessen. Falls ich nichts fange, gibt es zur Sicherheit ein Fondue. In den letzten Jahren gab es leider meist Fondue (lacht). An Silvester sind wir ein kleiner Kreis von Leuten, sitzen an einer Feuerschale vor dem Haus, trinken eine gute Flasche Wein und schauen den Nachbarn zu, wie sie Raketen in den Himmel schießen.



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