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Ermittlungen : Schumacher war nicht zu schnell

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ermittler bestätigen bisherige Vermutungen zum Unfallhergang – Ursache aber weiter unklar.

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Michael Schumacher ist vor seinem schweren Skiunfall nicht zu schnell und nur wenige Meter neben der markierten Piste gefahren. Zu diesem Ergebnis kamen die zuständigen Behörden nach ihren bisherigen Untersuchungen der Ereignisse vom 29. Dezember im Skigebiet oberhalb von Méribel. „Die Geschwindigkeit kann nicht in Kilometern pro Stunde angegeben werden. Schumacher ist ein sehr guter Skifahrer, er hat sich ganz normal in dieser Art von Gelände verhalten und mit kleinen Schwüngen nacheinander sein Tempo kontrolliert“, erklärte Stephane Bozon, Kommandant der Gebirgsgendarmerie Savoyen.

Nach Angaben des selbstbewusst im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit auftretenden Staatsanwalts Patrick Quincy befand sich der Formel-1-Rekordweltmeister vor seinem schweren Sturz drei bis sechs Meter neben der markierten Piste. Der Felsen, gegen den er bei einem Schwungansatz gefahren war, sei acht Meter von dem ausgewiesenen Abschnitt entfernt. Ein weiterer Felsen, auf den Schumacher mit dem Kopf aufschlug, ist rund drei Meter entfernt.

Quincy kam zu dem Schluss, dass Schumacher „sich ganz bewusst entschieden hatte, die Piste zu verlassen“. Auf die Frage, ob Schumacher unvorsichtig gewesen sei, indem er die markierte Piste verließ, wollten die Ermittler bei der Pressekonferenz im Justizpalast der ehemaligen Olympia-Stadt Albertville gestern nicht direkt antworten. Das Fahren außerhalb der markierten Piste berge immer Gefahren, hieß es. Mehrfach und unisono wiesen sie jedoch auch daraufhin, dass Schumacher offensichtlich ein sehr guter Skifahrer sei.

Bei den Untersuchungen griffen die Ermittler auf die Ergebnisse von Ortsbegehungen, Zeugenaussagen und auch Videobilder einer Helmkamera zurück, die Schumacher bei seinem Sturz getragen hatte. Nicht klar wird aus dem zweiminütigen Film, ob Schumacher vor dem Sturz, wie mitunter berichtet worden ist, einer Person aus seiner Gruppe geholfen hat. Das sei aus den Aufnahmen der Kamera mit eingeschränktem Sichtfeld nicht ersichtlich.

Zweifel hegte der 62 Jahre alte Staatsanwalt Quincy an der Existenz eines Videos, das zufällig ein deutscher Tourist gedreht haben soll. Eine Kontaktaufnahme habe es bislang nicht gegeben, erklärte er. Erstmals wurde offiziell bestätigt, dass der Helm, den Schumacher trug, beim Aufprall zerbrach. Unklarheit herrscht weiter über die Unfallursache. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die Leih-Skier, mit denen Schumacher an dem Tag fuhr, nicht der Grund für den Sturz. „Wir haben es mit Skiern in einem perfekten Zustand zu tun, sie sind quasi wie neu“, erklärte Bozon.

Insgesamt bot die Pressekonferenz, die von zahlreichen Sendern live übertragen wurde, wenig Neuigkeiten. Gleichwohl bestätigten nun offizielle Stellen erstmals Aussagen, dass Schumacher nicht zu schnell unterwegs gewesen war.

Seit dem Unfall kämpft Schumacher um sein Leben. Der Zustand des mittlerweile 45-Jährigen ist stabil, wird von den behandelnden Ärzten der Universitätsklinik in Grenoble aber weiterhin als kritisch betrachtet.


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