Muck wird 70 : Schlagerstar und Moderator

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Weiße Anzüge, schmachtender Blick: Hartmut Schulze-Gerlach wird 70

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19. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die „Kleine Linda“ und „Isabell“ machten Hartmut Schulze-Gerlach – alias Muck – in der DDR berühmt. Mit seinen Liedern sang sich der Künstler mit der smarten Stimme und dem sorgsam frisierten Haar vor allem in die Herzen der Frauen. 1000 Zuschriften pro Tag, erinnert sich Schulze-Gerlach, habe er damals erhalten. So viele, dass die Autogrammwünsche mit dem Schriftzug „Muck“ von einer älteren Nachbarin erfüllt wurden.

Der Sänger und spätere Moderator, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, gehörte Mitte der 1970er-Jahre zur ersten Garde des DDR-Schlagers. Auftritte in Kulturhäusern absolvierte er nie. Präsent war er allein durch seine TV-Auftritte in Schlager-Shows oder im „Kessel Buntes“. Seine Popularität öffnete ihm das Tor in den Westen. Dabei sei das Singen nie seine größte Leidenschaft gewesen, gesteht der gebürtige Dresdner, der seinen Spitznamen aus Kindertagen zu seinem Sänger-Pseudonym machte. In seinen mit viel Schmelz interpretierten Liedern ging es vorrangig um Liebe, enttäuschte Gefühle, Romantik. „Ich habe Geld verdient, und es hat mich berühmt gemacht.“

Noch vor dem Zusammenbruch der DDR profilierte er sich mit der Talente-Show „Sprungbrett“ als Fernsehmoderator. Die Moderation bezeichnet der Künstler rückblickend als seine stärkste Seite. Dieses Talent ermöglichte ihm auch nach der Wende den Start in die gesamtdeutsche Unterhaltungsbranche: Er moderierte bei verschiedenen Radiosendern in Ost und West.

Seit 1995 ist er Moderator der MDR-Sendung „Damals war’s“. Die Show ist eine musikalische Zeitreise in die Vergangenheit, bei der Schulze-Gerlach historische Bild- und Tondokumente mit augenzwinkernd erzählten Geschichten verbindet. „Das Moderieren ist mir das Wichtigste – den Leuten etwas zu erzählen, und sie hören mir zu.“ Das Sprachgefühl habe er von seiner Mutter geerbt, der Schriftstellerin Tine Schulze-Gerlach.

Schulze-Gerlach ist überzeugt, dass sich mit dem Mauerfall, nach dem auch er fast bei null anfing, die Spreu vom Weizen trennte. „Alle DDR-Künstler mit Talent und Ausstrahlung haben es geschafft“, meint er. Also Karat, Puhdys, Ute Freudenberg, Frank Schöbel und Silly.

Beruflich ist Schulze-Gerlach dem MDR und damit seiner alten Heimat Sachsen treu geblieben. Privat ist er mit seiner Frau, seinem 14-jährigen Sohn und seiner 11-jährigen Tochter am Meer zu Hause. Seit 2003 lebt er auf der Insel Rügen. „In Dresden klopft mir jeder auf die Schulter, auf Rügen passiert das nicht“, sagt er. „Die Leute im Norden sind anders veranlagt, sie sprechen mich hier höflich mit „Herr Schulze-Gerlach“ an.“  

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