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Frauen regieren : Regenkönigin gesucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In einer abgelegenen Region Südafrikas haben seit Jahrhunderten Frauen das Sagen

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Im Norden Südafrikas residiert eine Dynastie, die nur von Frauen geführt wird. In deren Händen liegt der Legende nach die Kraft, Regen zu machen. Doch das Haus der Regenköniginnen in einem Teil der Provinz Limpopo kämpft mit der Moderne. Nach dem Tod der letzten Regentin wächst deren Tochter in der Metropole Johannesburg auf. Die Zukunft der Monarchie hänge daher teils von Prinzessin Masalanabo und ihrer Fähigkeit ab, ihre moderne Ausbildung der Großstadt mit den strengen Traditionen in Einklang zu bringen, sagt Moshakge Molokwane, ein hohes Mitglied der königlichen Familie. „Es wird eine wirkliche Herausforderung für sie“, sagt er. „Die westliche Kultur ist auch hier immer präsenter.“

Die Regentinnen sind seit etwa zwei Jahrhunderten die repräsentativen Oberhäupter des Balobedu-Volks im Nordosten der Republik. Zu dem Volk gehören Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Menschen. Die Königinnen werden „Modjadji“ genannt, was übersetzt entweder Mutter oder Tochter der Sonne bedeutet. In Südafrika gibt es neben der Regenkönigin noch zehn weitere repräsentative Könige, denen von der Regierung auch ein Gehalt gezahlt wird. Sie kümmern sich um regionale Angelegenheiten und schlichten Streitereien um Land oder in Familien.

Das Protokoll für „Modjadjis“ am Königshof im Dorf Khethakoni ist streng: Regenköniginnen heiraten nicht. Sie haben Diener und leben in Abgeschiedenheit. Kinder dürfen sie nur mit einem adeligen Mann bekommen, den der königliche Rat für gut genug befindet. Die Identität des Mannes soll geheim bleiben.

Makobo, die letzte Königin, mochte die Regeln nicht. Die Regentin, die als erste eine höhere Schule besucht hatte, schockierte die Traditionalisten mit Touren durch Einkaufszentren, berichteten Medien. Sie benutzte Computer und feierte Partys. Außerdem habe sie schließlich sogar öffentlich eine Beziehung mit einem bürgerlichen Mann geführt. Nach zwei Jahren der Regentschaft starb Makobo 2005 im Alter von nur 27 Jahren an einer Krankheit. Seither sitzt auf dem Thron der Regenköniginnen ein Mann. Quasi ein Interims-König.

Die Hoffnung auf die Rückkehr einer Königin liegt nun auf der elf Jahre alten Masalanabo. Sie wächst in der Großstadt Johannesburg auf, bei einem Abgeordneten, der auch den Balobedu angehört. Zu ihrem Schutz schirmt Mathole Motshekga die junge Thronfolgerin von der Öffentlichkeit ab.

Experten führen die gegenwärtige Dürre in Südafrika eindeutig auf die Auswirkungen des globalen Klimaphänomens El Nino zurück. Manche Einheimische mutmaßen jedoch, dass die Abwesenheit einer Regenkönigin auch zu der Trockenperiode geführt haben könnte. Ohne Königin, kein Regen, so die Logik.

Die rituellen Gegenstände, um den Niederschlag zu erbitten, setzen in einem Gebäude in Khethakoni Staub an. Jeden Oktober beschwören die Balobedu mit einer Zeremonie die Gnade der Götter. Straußeneier-Schalen, Perlen und ein Speer werden dabei mit Bier übergossen. Eine Kuh, die die Fruchtbarkeit der Königin symbolisiert, trinkt zuvor davon. Das Ritual soll den Regen zurückbringen. Nun muss die Dynastie auf die junge Prinzessin warten.

Doch nicht alle Mitglieder des königlichen Rates akzeptieren die Tochter eines bürgerlichen Vaters. Manche denken sogar darüber nach, die Prinzessin durch ein anderes Mädchen zu ersetzen oder den Weg offiziell für einen männlichen Regenten frei zu machen. Ein Mann? Unvorstellbar, sagt Modjadji Molokwane, ein hohes Mitglied der königlichen Familie. „Frauen haben uns immer regiert.“ Viele am Hof sind zuversichtlich, dass die Prinzessin die Herausforderungen meistern wird.

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