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Nach Kritik an Flüchtlingspolitik : Rätseln über Karl Lagerfeld

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Hintergründe seiner Kritik an Kanzlerin Merkel bleiben unklar

Er begleitet Prinzessin Caroline von Hannover beim Rosenball in Monaco, gestaltet Suiten des Pariser Luxushotels Crillon an der Place Concorde und ist auf Reisen mit seiner Edelkatze Choupette unterwegs. Karl Lagerfeld ist Modezar, Fotograf, Designer, Filmemacher und Verleger zugleich. Erst im vergangenen Sommer erhielt „Karl der Große“, wie er häufiger in seiner Wahlheimat Frankreich genannt wird, die höchste Auszeichnung der Stadt Paris.

Dort wird dem langjährigen Kreativchef des legendären Modehauses Chanel Gefallen an Provokationen attestiert. Schon vor Jahren mokierte er sich über Mollige auf dem Laufsteg – und erntete damit Protest.

Doch die jüngste Schock-Kritik in einer französischen TV-Sendung an der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sorgt für viel Wirbel. Wohl auch deshalb, weil sich der spitzzüngige Lagerfeld bei politischen Themen bisher eher zurückhielt.

In den sozialen Netzwerken überschlagen sich die Kommentare. Das Spektrum reicht von völliger Ablehnung und Verhöhnung bis hin zur erleichterten Zustimmung. „Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen“ - insbesondere dieser Satz sorgt für heftige Debatten. Die Bundeskanzlerin hätte es nicht nötig gehabt, eine Million zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, „um sich ein charmantes Image zu geben – nach dem Bild der Schwiegermutter, dass sie sich in der Geschichte der Griechenland-Krise gegeben hat“, meinte Lagerfeld.

Aufmerksamen Zuschauern fiel auf, dass sich Lagerfeld im Zusammenhang mit Merkel und den Flüchtlingen des umgangssprachlichen Ausdrucks „se taper“ bediente, was man üblicherweise mit „sich reinziehen“ übersetzt. Auch das sorgt im sprachbewussten Frankreich für Verwunderung. Nach dem umstrittenen Auftritt am Wochenende waren keine weiteren Äußerungen des Mode-Maestros zu hören.

Da Hunderte Reaktionen von Fernsehzuschauern eingingen, beschäftigt sich nun die staatliche Rundfunkaufsicht CSA mit der Sonnabendabend-Show des Starmoderators Thierry Ardisson beim Sender C8.

Ob überhaupt eine förmliche Überprüfung auf den Weg gebracht wird, ist allerdings bisher offen. Selbst wenn es eine Prozedur geben sollte, ist bei der Aufsicht nicht mit schnellen Entscheidungen zu rechnen. Denn es liegen nach Informationen aus der Behörde etwa 1000 andere Fälle auf dem Tisch.

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