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Gina-Lisa Lohfink : Prozess um Model: Gericht bestätigt Schuldspruch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Schuldspruch wegen falscher Verdächtigungen wird nicht aufgehoben, nur die Höhe der Geldstrafe muss neu verhandelt werden.

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 18:00 Uhr

Verschwunden durch den Hinterausgang: Nach dem neuen Urteil gegen das Model Gina-Lisa Lohfink verlässt die 30-Jährige sang- und klanglos das Berliner Kammergericht. Dutzende Kameras und Mikrofone warten heute vergeblich auf einen Kommentar. Auch Verteidiger Burkhard Benecken lässt sich nach dem Urteil nicht mehr blicken.

Nach knapp anderthalbstündiger Verhandlung steht fest: Der Schuldspruch wegen falscher Verdächtigungen wird nicht aufgehoben, nur die Höhe der Geldstrafe muss neu verhandelt werden. Damit wird ein Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten aus dem Vorjahr im Wesentlichen bestätigt, die Revision von Lohfink fast komplett verworfen. Auch die Generalstaatsanwaltschaft hatte beantragt, die Höhe der Geldstrafe neu festzulegen.

 

Schon der erste Prozess hatte deutschlandweit Aufsehen erregt und polarisiert. Auch Bundespolitiker hatten sich eingemischt. Es gab sogar Demonstrationen vor dem Gericht. Die einen sahen das Model als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, andere vermuteten eine inszenierte Tränenshow.

Lohfink war zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro verurteilt worden. Für ihre Behauptung, im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein, sah das Amtsgericht keine Hinweise. Lohfink habe bewusst gelogen, der Sex mit beiden Männern sei einvernehmlich gewesen. Das Kammergericht bestätigte gestern diese Sicht.

Richter Ralf Fischer wird ungewöhnlich deutlich, es kommt einer schallenden Ohrfeige gegen Lohfink und ihren Anwalt gleich. „Allen wirklichen Vergewaltigungsopfern haben Sie einen Bärendienst erwiesen.“ Und er stellt klar: Keine vergewaltigte Frau, die das Verbrechen anzeigt, muss damit rechnen, auf der Anklagebank zu landen.

Er frage sich, woher das große Interesse an dem Amtsgerichts-Prozess kam und warum Lohfink zu allen Terminen erschien, obwohl ihr das freigestellt worden sei, so der Richter. Er hat auch eine Antwort: Entweder müsse man von der eigenen Unverwundbarkeit überzeugt sein oder einen so schlechten Anwalt haben, der seinen Mandanten nicht vor sich selbst schützen kann und ihn den Haien zum Fraß vorwirft.

Das Aufsehen an dem Prozess sei belastend für Lohfink gewesen, hatte ihr Anwalt wiederholt gesagt. Doch Richter Fischer deutet mehrmals an, dass die Öffentlichkeit wohl selbst hergestellt worden sei. An Lohfink: „Dann sollten Sie sich nicht beklagen, sondern Ihren Anwalt verklagen.“ Fischer zollt seiner Kollegin Ebner vom Amtsgericht Respekt: Trotz Nebelbomben der Verteidigung und Druck habe sie ein sorgfältiges Urteil gesprochen.

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