Psychologischer Realist : Promi-Geburtstag vom 9. November 2018: Bille August

Einer der großen Regisseure Dänemarks: Bille August feiert seinen 70. Geburtstag. /Keystone
Einer der großen Regisseure Dänemarks: Bille August feiert seinen 70. Geburtstag. /Keystone

Wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Einzelnen auswirken - das zu zeigen ist die Spezialität von Bille August. In seiner Heimat wird der dänische Regisseur dafür geliebt.

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09. November 2018, 00:01 Uhr

Die große Welt, die Gesellschaft und ihre Entwicklungen - erzählt aus der Perspektive einzelner Menschen. Das ist die Spezialität des dänischen Regisseurs Bille August, der heute seinen 70. Geburtstag feiert.

Der 1948 in Kopenhagen geborene August machte sich schon mit seinem Debüt einen Namen in Dänemark. Sein Drama «Honning måne» über ein junges Paar, das an der Gesellschaft und sich selbst scheitert, brachte dem ausgebildeten Fotografen und Kameramann 1978 den nationalen Filmpreis Bodil in drei Kategorien ein. Auch seine nachfolgenden Jugendfilme «Zappa», «Busters Verden» und «Tro, håb og kærlighed» waren in seiner Heimat große Erfolge.

«Er hat Filme gemacht, die in Dänemark und Skandinavien geliebt wurden. Filme über die Dänen und ihr Leben», sagt Ib Bondebjerg, Professor für Film und Medien an Kopenhagens Universität, über Augusts frühe Phase. Bondebjerg nennt August einen großen psychologischen Realisten. Seine Filme zeigen das Familienleben, zwischenmenschliche Beziehungen und wie sich gesellschaftliche Verhältnisse auf den Einzelnen auswirken.

Mit «Pelle, der Eroberer», der Verfilmung eines dänischen Literaturklassikers, erfährt Bille August 1987 internationale Aufmerksamkeit. Der Film mit Max von Sydow und Pelle Hvenegaard in den Hauptrollen erhält den Oscar und den Golden Globe, jeweils für den besten fremdsprachigen Film, holt die Goldene Palme und weitere internationale Preise.

Fortan wachsen Augusts Produktionen. 1992 filmt er mit Ingmar Bergman «Die besten Absichten», den ersten Teil von Bergmans autobiografischer Filmtrilogie. Wieder gibt es eine Goldene Palme. 1993 folgt «Das Geisterhaus» nach dem Roman von Isabel Allende mit den Hollywood-Größen Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons und Antonio Banderas, 1997 bringt August mit «Fräulein Smillas Gespür für Schnee» den Bestseller seines Landsmanns Peter Hoeg auf die Leinwand.

Augusts internationale Filme mit Staraufgebot sind meist Publikumserfolge. Doch Hollywood ist für den Dänen ein zwiespältiges Erlebnis, sagt Filmforscher Bondebjerg. Einerseits dreht er hier die Filme, die ihn weit über Skandinavien hinaus bekannt machen. Andererseits vermissen die Kritiker stellenweise genau das, was August groß gemacht hat. In einem Interview für ein Buch über den dänischen Film im Jahre 2001 erzählt er Ip Bondebjerg am Beispiel von «Das Geisterhaus» vom Gefühl des zeitweiligen Kontrollverlusts über die Produktion und die vielen beteiligten Menschen. Vom Wunsch, er hätte manche Dinge anders gemacht.

Dem Genre der Verfilmung internationaler Literatur bleibt Bille August treu. Etwa mit der Verfilmung von «Goodbye Bafana» (2007) über Nelson Mandela und seinen Gefängniswärter, oder «Nachtzug nach Lissabon» (2013), basierend auf dem erfolgreichen Roman von Pascal Mercier. 2017 zieht es ihn nach China, wo er das Kriegsdrama «In Harm's Way» über die Liebe einer chinesischen Witwe zu einem US-amerikanischen Bomberpiloten dreht.

Mit drei seiner neueren Filme, «Silent Heart - Mein Leben gehört mir» (2014), «Eleanor & Colette» (2017) und «Lykke Per» (im Kino), kehrt August zurück zu seinen Wurzeln, sagt Ib Bondebjerg. Die Geschichten über Sterbehilfe, Mitbestimmung von psychisch Kranken und über den Ausbruch aus der Enge der Herkunft, sozialen Aufstieg und technischen Fortschritt seien wieder mehr im Stil seiner Klassiker. Das große Geschehen durch die Augen des Einzelnen. «Erzähl es nicht, zeig es», sagt Bondebjerg. «Das ist, was Bille August tut.»

Privat ist Bille August seit 2012 mit der dänischen Schauspielerin Sara-Marie Maltha verheiratet. Das Paar lebt in Hellerup bei Kopenhagen und hat drei Kinder. Augusts weitere fünf Kinder stammen aus früheren Beziehungen, unter anderem mit der Schauspielerin Pernilla Östergren-August, die er während der Dreharbeiten zu «Die besten Absichten» geheiratet hatte. Seine Söhne Anders und Adam August sind als Drehbuchautoren tätig, die Töchter Asta und Alba sind Schauspielerinnen.

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