zur Navigation springen

Monolog eines Exzentrikers : Porträt über David Lynch: «Ich musste das durchziehen»

vom

Mit der Serie «Twin Peaks» begeistert und verwirrt US-Regisseur David Lynch derzeit wieder die Fans. Ein neuer Dokumentarfilm widmet sich nun den künstlerischen Anfängen Lynchs bis zu dessen erstem Film «Eraserhead».

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2017 | 11:31 Uhr

David Lynch steht in seinem Atelier und arbeitet an einem Gemälde. Er malt, bastelt und bohrt. Für Außenstehende mag es im Studio chaotisch aussehen, für Lynch ist es ein Ort der Ruhe, sein bevorzugter Rückzugsort.

«Bis heute bleibe ich am allerliebsten zuhause», erklärt er. «Wenn ich rausgehe, werde ich nervös.» Die Filmemacher Jon Nguyen, Olivia Neergaard-Holm und Rick Barnes haben den 71-Jährigen für «David Lynch: The Art Life» in seinem Zuhause getroffen und ihn einfach erzählen lassen.

Im wesentlichen ist «David Lynch: The Art Life» ein knapp 90-minütiger Monolog des Exzentrikers über seine Kunst-Leidenschaft. Lynch erzählt von einer idyllischen Kindheit und abenteuerlichen Jugend, vom Familienleben, dem Beginn und den frühen Phasen seines Künstlerdaseins. «Ich hatte diese Vorstellung, dass man Kaffee trinkt, Zigaretten raucht und malt. Und das ist es dann», erklärt Lynch, wie er sich das Leben eines Künstlers damals vorstellte. «Vielleicht kommen noch Mädchen dazu.»

Lynchs mitunter amüsante, zum Teil auch groteske Geschichten werden von Bildern und Filmaufnahmen begleitet, die den jungen David zeigen. Das Visuelle spielte in seinem Leben schon immer eine große Rolle. Andere Passagen des Porträts werden mit Standbildern seiner unzähligen Gemälde unterlegt. Die Musik von Jonatan Bengta erinnert dabei mitunter an Lynchs Stammkomponisten Angelo Badalamenti («The Straight Story»).

Ähnlich wie in manchen seiner eigenen Werke ist Lynchs Erzählstil nicht immer konventionell. Als er sich zum Beispiel erinnert, wie er sich als Kind vor einem Umzug mit seiner Familie von seinen Nachbarn verabschieden wollte, stockt er plötzlich: «Ich kann die Geschichte nicht erzählen.» Warum und welche Bedeutung der Moment für ihn hatte, bleibt offen.

Wer mit der filmischen Arbeit des unkonventionellen Regisseurs vertraut ist, mit Werken wie «Lost Highway», «Mulholland Drive» oder der kürzlich wiederbelebten Serie «Twin Peaks», der kennt solche Momente. Das Rätselhafte war immer schon Teil des Phänomens David Lynch. Sehr deutlich wird indes seine Beharrlichkeit. «Ich wusste, dass meine Sachen schlecht waren», gibt er mit Blick auf seine Gemälde zu. «Aber ich musste das durchziehen.»

Auch die Macher des Porträts bewiesen Durchhaltevermögen. Vier Jahre haben sie an dem durch Crowdfunding finanzierten Dokumentarfilm gearbeitet. Mehr als 20 lange Gespräche mit David Lynch zeichneten sie dafür auf. Andere Menschen kommen nicht zu Wort. Das macht «David Lynch: The Art Life» einerseits etwas einseitig, andererseits sehr persönlich. Das ungewöhnliche Porträt dürfte deshalb vor allem für Cineasten und Fans des Kultregisseurs interessant sein.

David Lynch: The Art Life, Dänemark/USA 2016, FSK ab 0, Von Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm, mit David Lynch, 88

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen