Peter Alexander : „Peter der Große“

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Er gehörte zu den charismatischen Figuren der deutschen Fernsehunterhaltung: Peter Alexander. Von seinen Fans geliebt und verehrt, verdüsterten private Schicksalsschläge sein Alter. Alexander starb 2011 in Wien. Am 30. Juni wäre der populäre Entertainer 90 Jahre alt geworden.

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25. Juni 2016, 09:00 Uhr

Frech, aufmüpfig und renitent – so kennt man ihn hierzulande eigentlich nicht. Schauspieler und Sänger Peter Alexander, ob seiner Qualitäten als Entertainer auch „Peter der Große“ genannt, verzückte das Fernsehpublikum mit ewig jungenhaftem Charme und einer satten Prise Wiener Schmäh. Die heile Welt war sein Revier. Doch der Österreicher beherrschte auch die Rolle des traurigen Clowns. Mit seinem Talent und seiner Wandelbarkeit rettete er sich bereits in Kindertagen aus manch brenzliger Situation.

Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer wurde am 30. Juni 1926 im Wiener Bezirk Alsergrund geboren. Sein Vater, ein Bankangestellter, hatte Großes mit ihm vor: Sein Sohn sollte einmal Medizin studieren. Doch dieser beendete nicht einmal das Gymnasium, weil er als verhaltensauffälliger Schüler relegiert wurde: Peter verstand es, seine Lehrer unter dem Applaus seiner Mitschüler perfekt zu parodieren. Statt für die Schule zu lernen, brachte er sich lieber das Klavierspielen bei und schulte seine Stimme im Chor der Wiener Sängerknaben. 1944 schickten die Eltern ihren renitenten Sprössling zum Großvater ins mährische Znaim (Znojmo), wo er das Notabitur machte. Noch im letzten Kriegsjahr wurde Peter Neumayer als Luftwaffenhelfer verpflichtet und nach dem Arbeitsdienst in Breslau als Marinesoldat eingezogen. Bereits in den britischen Kriegsgefangenenlagern Norddeutschlands zeichnete sich sein Weg auf die Bühne ab: Als talentiertes Mitglied einer Laiengruppe sorgte er im tristen Alltag seiner Kameraden mit musikalischen Einlagen und Theaterabenden für Unterhaltung und Abwechslung.

Nach dem Krieg versuchte sich Peter Neumayer zunächst in der Rolle des folgsamen Sohnes und begann an der Universität in Wien ein Studium der Medizin. Doch vergebens: Die Muse rief und Peter folgte. Das Schauspielstudium am renommierten Max-Reinhardt-Seminar absolvierte er 1948 mit Auszeichnung. Sein Ziel: ein Engagement am Wiener Burgtheater – damals wie heute der Olymp der deutschsprachigen Schauspielkunst. Auf Wiener Bühnen brillierte er vor allem im komödiantischen Fach und nannte sich fortan Peter Alexander. Bald entdeckte der musikalisch talentierte Mime und Fan von Frank Sinatra seine Leidenschaft für den Gesang neu. Im Jahr 1951 nahm er seinen ersten Schlager auf Schallplatte auf: „Das machen nur die Beine von Dolores“ – ein Titel ganz nach dem Geschmack der nach einem unkomplizierten Leben und nach Exotik dürstenden Nachkriegsgeneration.

Als Peter Alexander im Frühjahr 1953 in München den Schlagerwettbewerb „Bella Musica“ gewann und potente Mitstreiter wie Vico Torriani, Gerhard Wendland und Lys Assia auf die Plätze verwies, war sein Aufstieg in den Schlagerhimmel bereits beschlossene Sache. Opernsänger wie Renate Holm nahmen mit ihm Operettenquerschnitte auf, die sich ebenfalls gut verkauften. Mit über 156 Singles und 120 LPs gehört Peter Alexander zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schlagersängern überhaupt. Bis 1981 war er mit sage und schreibe 38 Hits in den deutschen Top-Ten vertreten. Seit 1956 verkauften sich insgesamt ca. 46 Millionen Tonträger des singenden Mimen. Er heimste nahezu alle Preise und Auszeichnungen ein, die das Schlagerbusiness zu vergeben hat, darunter mehrere Goldene Schallplatten. Besonders beliebt war der Österreicher beim Publikum mit Titeln wie „Die kleine Kneipe“ (1976), den er für seine Landsleute auch in einer eigenen Version unter „Das kleine Beisel“ aufnahm. Auch in „Hier ist ein Mensch“ und „Der letzte Walzer“ menschelte es gewaltig. Alexander profitierte hier merklich von seiner Erfahrung als Schauspieler, der mit seinem jungenhaften Charme und einem Augenzwinkern die Sehnsüchte vieler nach Harmonie und Leichtigkeit verkörperte.

Auch dem Kino blieb sein Talent nicht lange verborgen. In den 50er bis 70er Jahren gehörte Peter Alexander zu den Stars des deutschen Revue- und Unterhaltungsfilms. Ab 1952 spielte, sang und tanzte er sich durch über 40 Streifen. „Rosen aus dem Süden“, „Im weißen Rössl“, „Die Abenteuer des Grafen Bobby“, „Schwejks Flegeljahre“ und „Hurra, die Schule brennt“ waren Kino-Hits, für die sich alle Generationen an Sonntagnachmittagen auch gerne einträchtig vor dem Fernseher versammelten. Im Travestie-Schwank „Charleys Tante“ aus dem Jahr 1963 lief der 1,85 Meter große Alexander in Stöckelschuhen und toupierter Perücke neben Maria Sebaldt und Peter Vogel zu komödiantischer Topform auf.

Auch als Showmaster war Peter Alexander äußerst populär. Seine von 1969 bis 1995 einmal jährlich produzierte „Peter-Alexander-Show“ brachte ihm Traumquoten und alle relevanten Medienpreise ein. Wenn er mit seinen Shows und Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tournee ging, waren die größten Hallen im Nu ausverkauft: 1975 etwa kamen 500  000 Menschen zu seinen Auftritten. Im Jahr 1987 moderierte er die Eröffnung des Austria Centers in Wien vor weltweit einer Milliarde Fernsehzuschauern. Von diesen verabschiedete er sich am 16. Juli 2006 anlässlich seines 80. Geburtstages mit einer Kurzversion seines Hits „Dankeschön“, den er per Videoübertragung aus seinem Haus in Wien auf dem Piano intonierte.

Nach dem Tod seiner Ehefrau und Managerin Hilde im Jahr 2003 übersiedelte Peter Alexander vom Tessin in seine Heimatstadt Wien und zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. 2009 verstarb seine Tochter Susanne im Alter von 51 Jahren bei einem Autounfall. Das Urteil über eine Klage wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts durch Berichte über seine Trauer um seine verstorbene Tochter und über seinen Gesundheitszustand, die am 11. Februar 2011 in seinem Namen beim Landgericht Berlin gegen einen Zeitschriftenverlag eingebracht wurde, erlebte der Schauspieler nicht mehr. Er starb einen Tag darauf, am 12. Februar 2011, im Alter von 84 Jahren. 2012 wurde im Wiener Gemeindebezirk Döbling, wo er zuletzt wohnte, ein Platz nach Peter Alexander benannt.

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