Hamburger Hafencity-Riverbus : Pepelower ist Busfahrer und Kapitän zugleich

Der Hafencity-Riverbus bahnt sich den Weg durch das Wasser. Hans Meißner hat 1985 seinen Busführerschein gemacht.
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Der Hafencity-Riverbus bahnt sich den Weg durch das Wasser. Hans Meißner hat 1985 seinen Busführerschein gemacht.

Hans Meißner aus MV fährt den Hamburger Hafencity-Riverbus. Das Amphibienfahrzeug ist die Attraktion bei den Touristen.

svz.de von
11. August 2016, 05:00 Uhr

Auf der Fahrt durch Hamburgs Straßen vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten ist der Hafencity-Riverbus noch ein ganz normaler Touristen-Bus. Doch wenn Fahrer Hans Meißner an einer Rampe auf der Halbinsel Entenwerder stoppt, verwandelt sich der Bus innerhalb kürzester Zeit in ein Schiff. „Es geht los“, sagt der 65-Jährige aus Pepelow an der Ostsee. Meißner drückt mehrere Schalter und Knöpfe – startet so die Steuerung und die beiden Schiffsmotoren.

Der Riverbus schiebt sich immer weiter in die Elbe. Meißner wird nun vom Busfahrer zum Kapitän. Das Wasser spritzt hoch, die riesigen Scheibenwischer gehen an. Staunend halten die Passagiere diesen Moment mit ihren Handys und Fotoapparaten fest.

Bei Sonnenschein geht es mit dem schwimmenden Bus elbaufwärts. Ein Sportboot fährt vorbei, die Passagiere an Bord grüßen winkend „das Schiff, das auch an Land fahren kann“ – so nennt Tourbegleiter Florian Gude den Riverbus. Er sorgt am Mikrofon mit Infos und Späßen für Unterhaltung an Bord. Kapitän Meißner hat das alles schon sehr oft gehört, kann aber gut abschalten. „Ich konzentriere mich auf etwas ganz anderes“, sagt der grauhaarige, schlanke Mann mit der gebräunten Haut.

Meißner ist einer von drei Fahrern bei der Hafencity Riverbus GmbH, die seit vier Monaten die ungewöhnlichen Touren an Land und zu Wasser anbietet. Schwimmbusse gibt es auch in anderen europäischen Städten, zum Beispiel in Budapest, Lissabon und Rotterdam. Das Hamburger Modell, das voll beladen 19 Tonnen wiegt, wurde in Budapest gebaut.

Eigentlich ist Meißner Schlepperkapitän, arbeitet in diesem Beruf 14 Tage im Monat. In seinen freien Wochen hilft er als Riverbus-Fahrer in Hamburg aus. Die Idee, Fahrer des Amphibienfahrzeuges zu werden, reizte ihn gleich. „Ich bin ein Mensch, der gerne mal was Neues macht“, betont Meißner.

Den Busführerschein hat er seit 1985, weil zu DDR-Zeiten sein damaliger Arbeitgeber, die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB) Rostock, auch auf Kuba tätig war. Mehr als drei Jahre fuhr er dort Bus. „Ich bin durch ganz Kuba gekommen“, erinnert sich Meißner.

Mit etwa fünf Knoten (knapp 9,3 Kilometer pro Stunde) gleitet das Bus-Schiff über die Elbe, maximal schafft es sieben Knoten (etwa 13 Kilometer pro Stunde). Mit der rechten Hand hält Meißner das Lenkrad, mit der linken navigiert er mit Hilfe von zwei Joysticks. Bis Windstärke 6 hat der Riverbus eine Betriebserlaubnis. Immer wieder muss Meißner aufspritzendes Wasser mit den großen Scheibenwischern beseitigen. In seiner Nähe hängt eine Schiffsglocke, die ist im Schwimmbus vorgeschrieben.

Meißner muss seinen Zeitplan im Blick behalten, gut 70 Minuten dauert die Stadtkreuzfahrt insgesamt. Es geht zurück zur Rampe nach Entenwerder – der schwierigste Moment. „Die Rampe ist quer zur Strömung“, erklärt Meißner. „Da muss man schon sehr doll aufpassen, da erhöhe ich den Schub der Schiffsmaschinen.“ Der Übergang klappt reibungslos, der Bus hat wieder festen Boden unter den Rä-dern, rollt zurück zum Ausgangspunkt nahe der Speicherstadt.

Dort angekommen, gibt es großen Applaus der Fahrgäste für Tourbegleiter Gude und Busfahrer Meißner, einige bedanken sich persönlich. Meißner mag diesen Moment. „Die Leute geben einem viel wieder“, sagt er lächelnd und steigt aus dem Bus. An der Haltestelle warten schon die nächsten Touristen. Kurze Pause für Meißner. Dann heißt es wieder „Bus ahoi“.

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