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Pressekonferenz Edathy : „Ob ich pädophil bin, geht Sie nichts an!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Edathys Auftritt zwischen Arroganz, Selbstmitleid und Abrechnung mit der SPD

Reue? Einsicht? Echtes Bedauern? „Es war sicherlich falsch, diese Filme zu bestellen, das will ich gerne einräumen, aber es war legal“, wiederholt Sebastian Edathy. Showdown in der Kinderporno-Affäre: Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete, gestern erstmals nach seinem Rückzug im Februar zurück auf der Berliner Bühne. Edathy setzt vor der Hauptstadtpresse zur Selbstverteidigung in eigener Sache an und steht später im Untersuchungsausschuss des Bundestages Rede und Antwort. Der ehemalige SPD-Politiker belastet seinen früheren Fraktionskollegen Michael Hartmann und Ex-BKA-Chef Jörg Ziercke schwer, stellt sich mit einer Eidesstattlichen Erklärung gegen SPD-Chef Thomas Oppermann. Es ist der Tag der Abrechnung. Kopfschütteln in der Großen Koalition, Nervosität bei den Sozialdemokraten. Es gehe ihm um Aufklärung, nicht um einen „Rachefeldzug“, sagt er zu Beginn.

Doch immer dann, wenn er auf das Material angesprochen wird, antwortet der 45-Jährige in einer Mischung aus Arroganz, Nervosität und Dünnhäutigkeit. „Ob ich pädophil bin oder nicht, geht Sie nichts an“, poltert er und rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Dies sei hier doch „kein Volksgerichtshof“, reagiert er einmal, zieht einen Vergleich zum gefürchteten NS-Gericht. Seine Verteidigungsstrategie: Immer wieder verweist er darauf, allein legale Filme und Bilder bestellt zu haben. Auf die Schicksale der gezeigten Kinder will er nicht näher eingehen. Und zur Frage, ob er auch härteres Material geordert habe, schweigt er sich aus, verweist auf das laufende Verfahren vor dem Amtsgericht im niedersächsischen Verden. Dort geht es um den Besitz von kinderpornographischem Material. Ihm liege das Angebot für eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage vor.

Politisch brisant: Edathy war über mögliche Ermittlungen bereits frühzeitig – seit Mitte November – im Bilde. „Ich war über das Verfahren laufend informiert“, erklärt er vor den Kameras. Knapp zwei Stunden dauert der Auftritt vor der Hauptstadtpresse. Ausführlich berichtet Edathy von Treffen, Begegnungen und Telefonaten mit dem Mainzer SPD-Abgeordneten Michael Hartmann. Nicht die SPD-Spitze, die über mögliche Ermittlungen informiert war, sondern Hartmann habe ihn unterrichtet, und das auch noch unter Berufung auf den damaligen BKA-Chef Ziercke. Eine Darstellung, die sowohl Ziercke als auch Hartmann bestreiten. Dennoch steht jetzt der Vorwurf der Strafvereitlung im Raum. Im Zuge der Affäre war der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zurückgetreten, weil er Informationen zum Fall Edathy an SPD-Chef Sigmar Gabriel weitergegeben hatte.

Gestern in Berlin wird Edathy, der Morddrohungen erhalten hat, von mehreren Bodyguards vom Bundeskriminalamt begleitet. Schwarzer Anzug, weinrote Krawatte, Brille, unterm Arm einen Stapel Unterlagen und eine Ausgabe des Magazins „Stern“, in der er schwere Vorwürfe gegen die SPD-Spitze und den Abgeordneten Michael Hartmann erhoben hatte. Edathy, der zuletzt in Nordafrika untergetaucht und am Dienstag mit kleinem Gepäck aus Marrakesch eingeflogen war, wirkt selbstbewusst, aber angespannt. „Ein Leben im Ausnahmezustand“ führe er jetzt. „Ich möchte das Kapitel beenden. Das ist hier mein letzter großer Auftritt in Berlin“, resümiert er. „Den Politiker Sebastian Edathy gibt es nicht mehr.“

 

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