„Winnetou 1“ : Nscho-tschis Mörder

Marie Versini spielte Winnetous Schwester Nscho-tschi.
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Marie Versini spielte Winnetous Schwester Nscho-tschi.

Mario Adorf spielte vor 50 Jahren in „Winnetou 1“ den Schurken Santer

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11. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Millionen können sich noch an diese Szene erinnern: Die tödlich getroffene Nscho-tschi haucht in den Armen Old Shatterhands den Atem aus – mit einem Lächeln und einem Liebesgeständnis. Kaum ein Filmtod hat bei den Deutschen einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Winnetou 1. Teil“ hatte am 11. Dezember 1963 in München Premiere.

Nscho-tschi Mörder, der Bösewicht Santer, wurde von Mario Adorf (heute 83) gespielt, obwohl er anfangs noch gezögert hatte. Bis heute wird ihm das vorgehalten, verriet er im Interview mit Christoph Driessen, dpa.

Der Santer verfolgt Sie, nicht wahr?

Adorf: Immer wieder treffe ich Leute, die sagen: „Dass du die Nscho-tschi erschossen hast, das habe ich dir lange Jahre nicht verziehen. Ich habe dich dafür gehasst!“ Das ist ein Satz, den ich zigtausend Mal gehört habe.

Was sagen Sie dann?

Ich sage dann: Als ich diesen Schuss abgegeben habe, da war die Nscho-tschi ja gar nicht da. Da war die Marie Versini in Paris und ich habe irgendwohin in die Luft gezielt.

Hätten Sie das alles mal vorher gewusst...

Ursprünglich wollte ich den Film gar nicht machen. Irgendwie dachte ich: Karl May..? Der erste Film war ja gerade erst gemacht worden. Und diese Rolle, Santer, war natürlich eine negative Rolle, und ich hatte ein bisschen die Sorge, durch meine erste Rolle als Bösewicht in „Nachts wenn der Teufel kam“ festgelegt zu werden.

Aber es gab da einen Kritiker, der mir damals die Laudatio gehalten hat für meinen ersten Filmpreis, und der hat gesagt: „Das musst du machen! Karl May – das ist Kulturgut. Das musst du spielen!“ Und von dem habe ich mich überzeugen lassen.

Sie waren ja der einzige Hauptdarsteller, der seine Stunts in dem Film selber gemacht hat.

Das lag daran, dass es da zwar viele Stuntmen gab, aber keinen von meiner Statur. Die waren alle sportlich-schlank, und ich war doch schon ein bisschen massiver. Deswegen gab es gar keinen glaubhaften Stuntman für mich.

Haben Sie noch Erinnerungen an Lex Barker, der ja leider so früh verstorben ist?

Das war für mich damals ein Star, der auch gewisse Privilegien hatte. Ich erinnere mich, dass Lex Barker und auch Pierre Brice einen Wohnwagen hatten, aber der böse Santer hatte natürlich keinen. Netterweise hat sowohl Lex Barker als auch Pierre Brice mir angeboten, ich könne mich in ihrem Wohnwagen umziehen. Ich habe das damals trotzig abgelehnt. Ich habe gesagt: „Wenn ich keinen Wohnwagen kriege, dann ziehe ich mich eben auf der Straße um.“

Wie war Ihr Verhältnis zu Pierre Brice?

Ein sehr gutes, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch nicht befreundet waren. Das hat sich merkwürdigerweise erst später eingestellt, als wir beide Nachbarn in Rom waren. Da wurden wir richtig gute Freunde, und das ist auch eine Freundschaft, die sich erhalten hat.

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