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TV-Tipp : Nicht mit uns! Der Silikonkissen-Skandal

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Der Kampf um Gerechtigkeit ist immer wieder Stoff für Fiction. Sat.1 versucht es mit der an die Realität angelegten Geschichte um minderwertige Silikonimplantate eines französischen Herstellers. Doch der Film verliert sich zu sehr im Genre der Slapstick-Komödie.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 00:01 Uhr

Der Film beginnt mit einer Niederlage. Vor Gericht sitzt die Polizistin Jenny Hottrop, Opfer eines minderwertige Silikonimplantats eines französischen Konzerns. Sie sieht sich den gnadenlosen Attacken der gegnerischen Verteidigerin ausgesetzt.

«Brustvergrößerungen bergen Gefahren und Risiken wie jeder plastisch-chirurgische Eingriff», tönt die gerissene Anwältin. «Darüber wurden Sie und die Nebenklägerin im Vorfeld ausführlich aufgeklärt. Aber was behandeln wir eigentlich? Einen komplexen Fall über Brustimplantate - oder Ihren persönlichen Brustkomplex?»

Ein Raunen geht durch den Gerichtssaal, dann ein Lachen. Jenny (Susanne Bormann) begreift die Welt nicht mehr. Gerade ist eine Freundin an Brustkrebs gestorben - möglicherweise durch ein mieses Implantat verursacht. Jenny und die anderen klagenden Frauen verlieren den Prozess gegen den übermächtigen Silikonkissenhersteller Elevé. Der Film «Nicht mit uns! Der Silikonkissen-Skandal», den Sat.1 an diesem Dienstag (20.15 Uhr) zeigt, könnte hier enden, doch er beginnt jetzt erst. Hauptfigur Jenny schnappt sich den windigen und dem Alkohol zugeneigten Anwalt Axel (Hannes Jaenicke) und bringt ihn auf Kurs in Richtung Revision.

Der Film ist angelehnt an die wahre Geschichte rund um den französischen Konzern PIP, der seine Implantate bis 2010 mit billigem Industriesilikon füllte. 400 000 Stück wurden weltweit verkauft, in Deutschland sind gut 5000 Frauen betroffen. Von PIP ist keine Entschädigung zu erwarten. Eine Klage der Opfer gegen den TÜV Rheinland wurde im Sommer vom Bundesgerichtshof letztinstanzlich abgewiesen, da den Prüfern vom TÜV keine Fehler bei der Überwachung nachgewiesen werden konnten. Von dieser Konstellation ist bei Sat.1 allerdings nicht viel übrig geblieben. Es geht nur um den Kampf David gegen Goliath, um den kleinen Menschen gegen den großen Konzern.

Die Idee stammt von Hauptdarsteller Jaenicke (57), der sich in dem Film neun Jahre jünger macht, und Regisseur Holger Haase. Sie vermischen den ernsten Hintergrund der Story mit slapstickhaften Einlagen und bieten dem Publikum eine Gratwanderung zwischen der Suche nach Authentizität und teilweise recht flachem Humor.

Eine Kostprobe aus dem Dialog von Anwalt Axel mit der silikongestützten Pornodarstellerin Micki (Stephanie Krogmann): «Ich kann Französisch», meint sie. «Ich meine die Sprache», sagt er. «Ich auch», entgegnet sie. Und Axel bezeichnet Polizistin Jenny, um Seriosität in dem flapsigen Hin und Her bemüht, als «Jeanne d'Arc der Silikonkissen».

Tatsächlich schaffen es Jenny und ihre Freundinnen Micki sowie Konstanze (Muriel Baumeister) gemeinsam mit ihrem lässig und an der Grenze des Erlaubten operierenden Rechtsbeistands es zu einer Vorverhandlung mit dem übermächtigen Konzern, mit dessen bissiger Anwältin Axel natürlich auch schon ein Verhältnis hatte.

Die Vorverhandlung läuft gar nicht so übel. «Das war nur das Vorspiel», resümiert Axel. Richtig zur Sache gehe es erst bei der Hauptverhandlung. Aber dann nimmt die Geschichte doch einen anderen Kurs, weit entfernt von der realen Vorlage und baut mit Jenny tatsächlich eine Heldenfigur im Stil einer Jeanne d'Arc auf, die einen Siegeszug antritt, der sich gewaschen hat.

Nicht mit uns!

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